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führung uns vorbehalten müſſen. Zm 1]. Theile kommt unge-
fahr dieſer Gegenſtand zur Sprache: 1) Schule, namentlich
Volk3ſ und Realſchule), Zwe&, Einrichtung, Lehrplan u. ſ. w.; 2) der
Lehrer, ſeine Bildung, Betragen, Stellung u. [. w. (vom
„Haäuslehrer“ iſt nicht in einem beſondern 8. zu handeln, wie
der Verf. thut, weil er eben niht „zur Volksſchule“ gehört,
von der hier ausſhließlih die Rede iſt, ſondern höchſtens nur
nebenbei). Der 11. Theil behandelt dann die Geſ S rimtes und der Erziehung. Der 111. Theil aber ſtellt ſich zur
Aufgabe das Kind, inſofern es der Gegenſtand iſt, der unter-
richtet , gebildet und erzogen werden ſoll, ſeine leibliche und
geiſtige, ſittliche Natur (na< dem Verf. 1. Haupttheil
und 3. Kapitel des 8 Haupttheils). Der IV. Theil betrifft
darn die Lehrgegenſtände der Volksſ in naturgemäßer Stufenreihe vom Eintritte des Kindes in die
Sqcule bis zur Entlaſſung daraus, als 1) Sprech-, Denk- und
Gedächtnißübungen und Leſen, als geiſtige, formelle Vorbil-
dungsmittel; 2) Religion, als Hauptunterrichtsgegenſtand
der Hriſtlichen Volksſchule, als bibliſche Geſchichte und Lehre
betrachtet. Der YV. Theil umfaſſt dagegen die gemeinnüßigen
Lehrgegenſtände und zwar: 1) das Rechnen; 2) den deut-
ſhen Sprachunterricht; 3) die Naturkunde; 4) die Geographie;
9) das Singen; 6) das Zeichnen und 7) die Formenlehre.
„Das Turnen“ iſt, wenn nicht ganz wegzulaſſen, weil es für
die Volksſ wendig und wichtig , höhſtens nebenbei zum Schluſſe zu er-
wähnen. Auf dieſe Weiſe, vielleiht mit kleinen Abänderungen,
ließe fich der Stoff wol am Zwe&mäßigſten anordnen und be-
handeln. Der Verf. hat nun Fleiß, Luſt und Liebe, Kenntniß
und Beleſenheit in ſeiner Shrift beurkundet und ein brauch-
bares , inhaltsreihes Buch geliefert, das denen, für die er es
beſtimmt hat, hinreichende Belehrung darbietet. Es iſt hier
Altes und Neues , Gutes und Schlechtes (natürlich letzteres,
wie es im Laufe der Zeit im Volksſ gejammelt und erzählt, wie es fic< ſonſt nicht zuſammenfindet.
Der Berf. hat die Literatur reichlich angeführt (nur leider!
nicht bibliographiſ< vollſtändig, was in der etwaigen zweiten
Auſlage „verbeſſert werden mag). In der Widmung und Vor-
rede jpricht er ſi< über den Standpunkt der Vergangenheit
und Gegenwart, wie über das Princip , den Zweck und Plan
ſeines Buches aus. Er nennt es einen „Auszug aus den, bei
jedem Kapitel angeführten Werken", mit Rückſicht darauf , daß
es „in gedrängter Kürze" das enthalten ſoll, was ſeither Brauch-
bares und Beachtenswerthes über Volksſ (worden) iſt. Er ſeht demzufolge den Werth ſeiner Arbeit nur
in die Zwemäßigkeit der Auswahl, in die Kürze und Faſſlich-
keit dex Darſtellung , weil der Stoff meiſtens andern Büchern
entlehnt worden ſei , indem er ſeine eigene Anſicht zurü&ge-
halten habe; nur eine Eigenthümlichkeit dürfe er beanſpruchen,
nämlich die ſtarke Betonung dex Gemütsbildung im Gegen-
jaß zu der herrſchenden einſeitigen Verſtandesbildung, und die
Auffaſſung des Unterrichts und der Erziehung als einer un-
trennbaren Einheit, bezüglich die Begründung pädagogiſcher
Maximen auf pſy billigen und ſtimmen ihm darin bei, fügen aber zu dem Worte:
„Gemütsbildung“ den weſentlihen Zuſaß hinzu: „religiöss-ſitt-
lime“, indem wir vorausfeßen wollen, daß der Verf. do< dieſe
auh gemeint habe und bezwe&e. In der Widmung können wir
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den Gebrauch von Fremdwörtern und techniſchen Aus-
drüden, die nicht Allen verſtändlich ſind, und wenn auch dieß
wäre , dom in ein populäres Sc ſim; auch leicht erſegen und umgehen laſſen, niht gutheißen,
z- B. JTdealiſten , Materialiſten , Abſtraction, Reflectiren, Ma-
teriali8Smus, reagiren u. f. w. Der Verf. wird hoffentlich, wie
mit unſerem Lobe und unſerer Empfehlung ſeines Buches zu-
frieden ſein , ſo die gemachten Bemerkungen als ein Zeichen
der Aufmerkſamkeit und Theilnahme mit freundlichem Herzen.
aufnehmen. Zum Schluſſe möchten wir no< einen Wunſch
ausſprechen, nämlich den, daß er die Geſchichte der Volksſ des Unterri mäßig nur kurz behandelt worden iſt und werden konnte, bald
ausführlich in einem eigenen Buche, auf populäre Weiſe, mit
genauer Angabe der betreffenden Literatur, anziehend, gemütlich.
bildend und belehrend behandeln möchte, und zwar ſo, daß er
die Biographieen der Pädagogen, bezüglich verdienſtliher Volks-
j genwart einfle und anzieht. Dabei iſt beſonders auf das religiöſe , kirchliche
Clement RüFſfiht zu nehmen. In der neueſten Zeit ſind von
einigen Straßburger Gelehrten einige gute Abhandlungen, zum
Theil franzöſiſch , über das Unterrichtsweſen der Reformations-
zeit, mit beſonderer Rüfiht auf Luther, erſchienen, auf die
wir den Verf. aufmerkſam machen wollen, wenn ihm dieſe nicht
jhon bekannt wären. Sie ſind gute, tüchtige Vorarbeiten. Es
mache ji der Verf. bald an dieſe Arbeit mit Muth und Ver-
trauen, weil ſie no er fie vollendet hat und dem Publifum übergibt.
Den 17. Mai. Xr.
Luther's Katehismus. Mit einer katechetiſm zum Gebrauche der Schulen von Joh. Gottfried Herder.
Cin Anhang Feſtfragen, Gebete, Lieder und Reimgebete
enthaltend , 4 Bogen , iſt beſonders gedru>t, 24 Sgr.
Weimar, Hofbuchdruerei, 1853.
Von dem Bu< in Duodez enthalten 26 Seiten den luthe-
riſchen Katechismus und 158 S., nebſt VI die katechetiſche
Crklärung durFg Herder. Lehrern, die na< dem luth. Kate.
unterrichten , muß dieſe Erklärung, bei ſo vielen andern Ge-
brau wünſ Männer kommt und auch für diejenigen , welhe auf einem an-
dern religiöſen Standpunkte ſtehen, gewiß des Lehrreichen ges
nug enthält.
Zur Schulgeſchichte.
Die Unterrihtsanſtalten in Indien. In Calcutta
wurde das biſhöflihe Gymnaſium im Jahre 1820 errichtet.
(Es ſteht unter einem Director (principal), dem Geiſtlihen
Hrn. Kay, vom Lincoln College in Oxford, und hat drei Pro-
feſſoren. Er beſißt eine Bibliothek von 6000 Bänden, ſowie
eine große Sammlung morgenländiſcher Handſchriften. Unter
den indiſchen ſind Theile der erſten zwei Vedas und mehrere

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