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lic zur Anwendung gekommenen Verſchmelzung beider Fächer
aus; entweder könne man Geographie nur mit geſchichtlichen No-
tizen, oder Geſchichte nur mit geographiſc eins der beiden Fächer müſſe Noth leiden. Der Unterricht in
der Naturgeſchichte war der dritte zur Beſprehung gebrachte
Gegenſtand der Tage8sordnung; die Nothwendigkeit und Zwed-
mäßigkeit deſſelben für die Realfſhule wurde von keiner Seite
verkannt ; nur der Mangel an Zeit wurde als Hinderniß der
Einführung deſſelben bezeihnet. Man einigte ſich übrigens da-
hin, daß Theile des Unterrichts im Zeichnen, in der Geometrie
und im Franzöſiſchen an die Oberrealſ dungsſ den in der Woche für die Naturgeſchichte gewonnen würden.
Die Debatte über die Lehrmethode der deutſchen Sprache
und über 15 Theſen, betreffend die Bildung des jugendlichen
Gemütes , müſſen wegen vorgerüter Zeit auf die nächſte Jah-
resverſammlung verſchoben werden. Endlich) wurde no< der
Wunſc< ausgeſprochen , die Reallehrer möchten ſich lebhafter an
dem Correſpondenzblatte für gelehrte Shulen betheiligen, ein
Wunſ<, deſſen Erfüllung nach ſftattgehabter Beränderung in der
Redaction des Blattes in Ausſicht geſtellt wurde. Die nächſte
Jahresverſammlung wird in Ludwigsburg ſtattfinden; die Lei-
tung derſelben iſt abermals Hexrn Rector Kieſer Übertragen
worden. (S Darmſtadt. Am 28, Juni berieth unſere zweite Kam-
mer zwei niht unwichtige Vorſchläge unſerer Staatsregierung,
die Aufbeſſerung der Gehalte der Lehrer an den Gym-
nafſien zu Darmſtadt und Gießen und die Verhältniſſe
der höheren Gewerbeſchule dahier betreffend. Das Schulweſen,
beſonders das Volksſc ſoldungen find ein alter Streitpunkt zwiſchen der Mehrheit un-
ſerer zweiten Kammer und der StaatSregierung , indem dieſe
jener nict genug thut und ſogar bewilligte Gelder nicht be-
nußte. Nun hat fie aber doh einen Schritt zur Aufbeſſerung
der Gehalte, wenigſtens in den genannten höheren Schulen ge-
than. Sie verlangte für das Gymnaſium in Darmſtadt noh
2000 fl., für das Gymnaſium in Gießen jährlih no< 3000 fl.
bewilligt. Der Finanzausſ dagegen in feiner Mehrheit für jenes nur 800 , für dieſes nur
1200 fl. Abg. Zöppriß , ſonſt gern auf Erſparniſſe dringend,
nahm ſic< do< von jeher ehenſ9 eifrig, als einfichtsvoll der be-
zügigen Gehaltsvermehrungen an und unterſtüßte den Vorſ der Regierung, der denn auch nach längerer Debatte mit 18
gegen 14 St. angenommen wird. Leider hat die erſte Kammer
in ihrer Sikung am 14- Juli nur 2800 fl. verwilligt troß
der Bemühungen mehrerer warmer Fürſprecher. Die älteſten
Lehrer des Darmſtädter Gymnaſiums haben nur 1500 fl. Be-
ſoldung (die in Gießen erreichen nicht einmal dieſe Summe),
und doH hielt das die Mehrzahl der Mitglieder der erſten
Kammer genügend für Männer von 30 bis 40 Jahren Dienſt-
zeit. (Schw. M.)
-- Juni. Die Zahl der Schüler, welche im Laufe dieſes
Sommers regelmäßigen Turnunterricht haben, beträgt 1015.
Von dieſen find 214 Schüler des Gymnaſiums in 6 Claſſen
vertheilt, 233 Scüler der Realſchule in 6 Claſſen vertheilt,
720
*
60 Schüler einer Volksſihule und 36 Schüler einer Privat-
ſchule , im Ganzen 563 Knaben. Von den 442 Mädchen ge-
hören 262, in 5 Claſſen vertheilt, ſtädtiſchen Schulen an, 180,
in 5 Claſſen vertheilt Privatſchulen. Aller Turnunterricht die-
ſer Schüler wird in beiden Sälen des Turnhaufes und auf
dem angränzenden Turnplaße im Freien gegeben, und es hat
eine jede der bezeichneten Claſſen wöchentlich zwei Turnſtunden,
welche in die regelmäßigen Schulzeiten fallen , wobei die ſc freien Nachmittage, Mittwo Turnen in Anſpruch genommen ſind. An den Montagen und
Donnerſtagen Abends 6 =- 328 Uhr verſammeln ſih Schüler
verſchiedenſter Schulen und haben Kürturnen unter Aufficht ei-
nes Lehrers, doh wird zur Theilnahme an dieſem Turnen kein
Schüler verbindlih gemacht, was nur bei dem regelmäßigen
Sculturnen der Fall iſt.
Aus Niederſchleſien, 5. April, Von den drei evan-
geliſ Bunzlauer den Regierungsbezirf Liegniß, das Steinauer
den Regierungsbezirk Breslau , das Münſterberger die Re-
gierungsbezirke Dppeln und Breslau mii Lehrern zu verforgen.
An dem leßteren werden auc die Shulamts-Aſpiranten Pol-
niſ ſtalt zu Konſtadi hervorgehen , weiter gebildet. Bei der neulich
zu Bunzlau jtattgehabten Prüfung ſind 19 Abiturienten als
reif entlaſſen worden , während 58 ehreritellen des Departe-
ments der Wiederbeſezung harren. Aehnlich iſt das Verhältniß
in den Übrigen Bezirken und Anſtalten. Indeß iſt alle Ausficht
vorhanden, daß von nun an wenigſtens fämmtlihe Plätze an
den Seminarien ſelbſt mit angemeſſen vorgebildeten Präpa-
randen werden befeßt werden. Das Bedürfniß wird freilich
au<“ damit no< nicht befriedigt ſein, und da die Hoffnung,
daß aus einzelen Präparanden-Anſtalten, mit Umgehung der
Seminare, ſchon ausgebildete Lehramts-Candidaten hervorgehen
würden, niht in Erfüllung zu gehen ſcheint, ſo wird nichts
übrig bleiben , als bei Zeiten auf die Errichtung eines vierten
evangeliſ henden Anſtalten verhältnißmäßig zu erweitern , wird gewiß mit
größtem Rechte für bedenklim erachtet. Es iſt der ſ Zeitgeiſt , der um einiger äußerlicen Vortheile willen überall
zur Centralifation drängt. Namentli< in Schulen und ver-
wandten Anſtalten jeglicher Art geht, wenn fie zur Unfsörmlich-
keit anwachſen, das Jndividuum unter, und weder die Geiſtes-,
no<& weniger die Charakterbildung kommt zu ihrem Rechte.
Und do< liegt im Mangel der leßteren gerade die Noth der
Zeit. (N. Pr. Z.)
Stetnau, 1. Juni, Am 16. v. M. wurde der aus Heidau hier-
her berufene Superintendent Aebert dur< den General-Superintenden-
ten Dr. Hahn in die hieſige Superintendentur eingeführt. Tages dar-
auf wurde unter dem Vorſit des Conſiſtorialrathes Wa lau und unter der Theilnahme des Conſiſtorialrathes Bellmann aus
Breslau und des Seminar-Directors Stolzenburg aus Bunzlau eine
von gegen “() Lehrern und !5 Geiſtlichen der Umgegend beſuchte allge-
meine Lehrerconferenz abgehalten, am Rachmittage desſelben Tages aber
der Grundſtein zu dem neuen auf 75 bis 90 Zöglinge berechneten Se-
minargebäude gelegt Dasſelbe ſoll wo möglich innerhalb zweier Jahre
zu Ende geführt ſein, der Bau des dazu gehörigen Sclabrendorf'ſchen
Waiſenhauſes (für 24 Waiſen) dürſte ein weiteres R in Anſpruch
nehmen. N. Pr, Z.)

Verantwortliche Nedactoren:
Dr. K. Wagner und Dr. K. Zimmermann. =-- Druff und Verlag von K. W, Leske in Darmſtadt,

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