Allgemeine Schul-Zeitung.

«Minga
Samſtag, 15. Juni

Verpflichtung der Elementarlehrer auf die Bekennt-
niſſe der evangel, Kirche.
Auch in der Provinz Rheinpreußen kommt es noh vor, daß
der verſönliche Glaube eines Elementarlehrers nicht na der
Rege! unjerer Bekenntnißichriften einhergebt. =- Bleibt der
Manzel an Uebereinſtimmung mit der Kirc außert er ſie weder im Privatleben, no< beſonders in der
Schule und im Religionsunterricht, den der Lehrer zu ertheilen
hat, ſo muß der Grundſatz angewendet werden: De internis
non judicat ecclesia. Wirtt aber ein Lehrer, der vorzugs-
weiſe ein. Bildner der „kleinen Gemeinde oder der Gemeinde
der Kinder“ iſt, in und außer der Schule deſtructiv, lehrt er
Anderes, als das Wort Gottes = dann verwirrt er Kinder
und Alte und verfällt der Disciplin, weil er die den Religions-
unterricht in der Schule betreffenden Geſeke Übertritt.
Daß der erſte Religionsunterricht, welchen die Kinder nach
S. 103 der &. O. in den Schulen zu empfangen haben , dem
Bekenntniß der evangeliſchen Kirche gemäß fei, iſt nämlich durch
S. 206 der K&. D. vorgeſehen.
Wenn es ſich nun trifft, daß von einer Menge von Lehrern
oder von Einzelen diefen Beſtimmungen nicht na wird = wie iſt dem Uebelſtande abzuhelfen ? Wie iſt von
vorn herein dem daraus entſtehenden Schaden vorzubeugen ?
Etliche meinen, es reiche eine geordnete S -- Andere halten dafür , daß auch die Lehrer auf die Befennt-
niſſe der evangeliſchen Kirche zu verpflichten ſeien.
Pfarrer und Shulpfleger haben das Re den von den Lehrern zu ertheilenden Religionsunterri wachen , etwaige Abweichungen vom Bekenntniß zu rügen , reſp.
zur Anzeige zu bringen. Dur eine gehörige Auffict möchte
die Bekenntnißmäßigkeit des Religionsunterrichts hinlänglich ge-
ſichert fein. Es iſt nicht einzuſehen, ob durch eine beſondere
Verpflichtung auf die Bekenntniſſe mehr erreicht werde, als von
vorn herein die Verſicherung, daß man in der Regel des Glau-
bens einhergehe. An der Verſicherung, ſagt man, iſt viel ge-
legen : fie bindet die Gewiſſen. Auch die Prediger werden auf
die Symbole verpflichtet. Das aber ſcheint nöthiger und uner-
läßliher zu fein, als eine Verpflichtung der Lehrer, da dieſe
unter ſpecieller Auffiht der Ortsſ des Pfarrers aber ſchwerer zu überwachen iſt! Vor allen Din-
gen ſollte dafür geſorgt werden , daß die Prediger bekenntniß-
treu lehren, die Jugend in das Heiligthum des evangel. Glau-
bens und nicht in die Jrrx- und Wirrſale eigener Meinungen
und menſ anſtalten der Shulaſpiranten auf dem Grunde der Propheten
und Apoſtel ſtehen, und in den Seminarien das reine Licht des
unverhüllten und unverfümmerien Wortes Gottes leuchte =- daß
der Prediger Wort und Wandel die jungen und älteren Lehrer
erbaue =- es wird nicht fehlen: der Shulmeiſter wird keinen
anderen Grund legen, als der gelegt iſt. Freundliche Unter-
weiſung und Zurehtweiſung, leutſelige Unterſtüßung des S 18 54.
„NN 84.

pflegers wird etwaige Lü>en ausfüllen, Schwächen ſtärken, und
der Damm des Geſetzes wird im äußerſten Nothfall das wilde
Gewäſſer des Unglaubens, ſobald es in der Lehre der Scule
das Land Überfluthen will , heilfam abhalten.
Demnach wird es von einem tüchtigen Lehrer wol verlangt
werden können , daß er nicht allein mit den ſymboliſchen Kate-
Bekanntſchaft gema ten beider Kirc in der Schule und in der Beſcheidenheit und Demuth, die we-
nigſtens ſ ſih erhoben hat, und nicht geradehin längnet und verläugnet.
Mag auch der Lehrer in der Schule keinen ſyſtematiſchen Reli-
gionsunterricht zu ertheilen haben: für ihn ſelbſt iſt die Kennt-
niß der ſymboliſ Die 8. rheiniſme Provinzialſynode, von einzelen Kreisſyno-
den aufmerkſam gemacht auf die Ungehörigkeiten und Abnormi-
täten , die ſi) hier und da in Schulen in Anſehung des Reli-
gionsunterrichts geäußert haben, zog den Antrag:
„die Berpflichtung der Lehrer, ſich nach den
Bekenntniſſen der evangeliſ außerhalb der Schule zu richten“
in Erwägung und erklärte ſich in ihrer Commiſſion vorerſt für
die Nothwendigkeit dex Verpflihtung. Es fragte ſih nur, ob
die Lehrer evangeliſMer Schulen bei ihrer erſten Jutroduction
dahin zu verpflihten ſeien, in und außer der Scule keine
Lehre zu führen, die mit der h. Schrift und dem in der Ge-
meinde geltenden ſymboliſ diejenigen Gemeinden , wel bole ſtehen, dieſer Conſenſus der betreffenden beiden Katechismen
zum Anhalt zu nehmen ſein würde -- oder ob fie bloß „nach
dem Bekenntniß der evangel. Kirche den Religionsunterricht in
der Schule zu ertheilen und nah demſelben ſowol in, als
außerhalb der Schule ſich zu richten", verpflichtet werden ſollten.
Dieſe Unterſchiede wurden von der Provinzialſynode exnſt-
lic< erwogen -- und am Ende beſ Es ſoll eine Verpflichtung der Lehrer, nah dem
Bekenntniß der ev. Kir in der Schule zu ertheilen und nah demſelben ſo-
wol in, als auc; außerhalb der Schule fich zu rich-
ten, in deren Vocation auſgenommen, und weiterder
Hr. Cultusminiſter gebeten werden, die nöthigen
Einleitungen zu treffen, daß dieſer Anwendung
überall Folge gegeben werde, Au ſolle eine kir<-
liche Einführungs- und Verpflichtungsfeier jeder
einzelen Gemeinde überlajfen bleiben.“
Geht der Hr. Cultusminiſter auf dieſen Beſchluß ein, /9
haben wir in Zukunft auf die Bekenntniſſe der evangel, Kirche
verpflichtete =- aber deßwegen no< nicht überall na< den Be-
kenntniſſen lehrende oder gar glaubende Lehrer, (Es wird das
im Lehrerſtand ni Hauptſache wird gleihwol ein in Gottes Wort wohlbegründeter
Unterriht der Shullehrer von Jugend an ſein und eine ſtete,

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.