Allgemeine Schul- Zeitung,

Dienttag , 18. Juli
ZE

Naturfunde.
1) Leitfaden für den Unterricht in der Naturgeſchi Karl Koppe, Prof. und Oberlehrer am königl. preuß.
Gymnaſium zu Soeſt. Eſſen, G. D. Bäde>er. 1854.
(15 Sgr.)
Wenn der naturgeſchichtlihe Unterricht anregend und fruht-
bringend werden ſoll, ſo muß er ganz und gar auf Anſc geſtüßt ſein; Erklärungen ohne Anſchauung werden dem Scü-
ler nie die richtige Vorſtelung von einer Sache geben , und
daher wird er das Gelernte auch bald wieder vergeſſen. Da
nun ein in diefer Weiſe extheilter Unterricht bekanntlich ſehr
viel Zeit in Anſpru<ß nimmt, jo kann der Lehrer bei weitem
niht alle Arten des ganzen. Naturreiches mit ſeinen Schülern
dur beſchränken müſſen. Dieſe muß er aber na< allen Seiten hin
beſprechen und das Allgemeine und Geſeßmäßige muß dem In-
dividuellen gegenüber ganz beſonders hervorgehoben werden, weil
gerade Erſteres von dem Schüler feſtgehalten werden ſoll. Da-
her erklärt es ſich auch, warum bei dieſem Unterri beitete Leitfäden ausführlichen Lehrbüchern vorzuziehen ſind. In
dem zur Beſprechung vorliegenden Werkchen iſt der angeführte
Grundſaß feſtgehalten, indem der Hr. Vf. dem allgemein Giltigen
überalt die größte Aufmerkſamkeit widmet. So ſind in der
Zoologie die Gattungen nach leicht aufzufaſſenden Merkmalen
Die Botanik beginnt mit einer ziemlih ausführlichen Termino»-
logie. Darauf folgt: das künſtliche Pflanzenſyſtem von Linne,
indem zugleich bei jeder Claſſe die wichtigſten Pflanzen der ein-
zelen Ordnungen ohne weitere Beſchreibung angegeben jind,
Im dritten Abſchnitt ſind die wichtigeren Pflanzenfamilien be-
ſchrieben und nah dem natürlihen Pflanzenſyſtem von Jüſſieu
geordnet. Der leßte Theil enthält das Wichtigſte über den
inneren Bau und die Entwikelung der einzelen Pflanzentheile,
möchte aber im Verhältniß zu den vielen intereſſanten Anhalts-
yunkten , die er darbietet, etwas zu kurz ſein. In gleicher
Weiſe behandelt der Hr. Vf. die Mineralogie , indem er in der
Einleitung die wichtigſten Kryſtallſyſteme und eine furze Ueber-
ficht der verbreitetſten Gebirgsarten gibt und dann die wichtig-
ſten Mineralien in ſyſtematiſcher Drdnung aufzählt und be-
ſchreibt.
Der Jnhalt iſt hiernach für den Unterricht jehr zwemäßig
ausgewählt , die Darſtellung iſt einfa? und Far, der DruF
groß und deutlich, das Papier gut und der Preis nicht ſehr
ho<, ſo daß das Werkc Dp.
2) Pflanzenkunde für Schulen, von Hermann Wagner.
L Curſus, das Leben, die Entwidlung und der Bau der
Pflanze. Bielefeld , Velhagen und Klaſing. 1854 8 Sgr.
- Verfaſſer beginnt ſeinen Unterricht in der Pflanzenkunde mit
ſeinen Schülern ſchon bei ihrem Eintritt in die Schule, aljo
15854.

„NE 85.
S <=
im 6. Lebensjahre, in der Weiſe, daß die Shüler kurz mit
den hauptſählihſten Kennzeichen und dem Namen der mitge-
brachten Pflanzen bekannt gemac Verlaufe von 3 Sommern eine große Anzahl von Pflanzen
fennen gelernt, ſo wird mit dem eigentlichen Unterricht in der
Botanik angefangen. Dieſer zerfällt in 3 Curſe. Der 4. Cur-
ſus, der 2 Jahre in Anſpruch nimmt, hat ſim zum Ziel ge-
ſtet, das Leben , die Entwilung und den Bau der Pflanze
zu behandeln, der I]. Curſus verſucht einen Veberbli über die
deutſche Pflanzenwelt und der II]. Curſus hat die Pflanzen-
de>e der Erde und die Pflanzenwelt als Organ des Erdenle-
bens zum Gegenſtand. BVorliegendes Scrift 1. Curſe des Unterrichts gewidmet; 18 Pflanzenarten (Shnee-
glöFchen, Dotterblume, Kiefer, S Rothbuche , Taubneſſel, Roſe, Erbſe, Winde, Roggen , Mauer-
pfeffer , Marienrö8chen, Harmoos , Nachtſchatten , Wucherblume
und Möhre) werden als Vertreter der 18 wichtigſten Pflanzen-
familien ſehr ausführlich beſchrieben und in dieſe Beſchreibungen
das Wichtigſte aus der allgemeinen Botanik eingeflochten. So
kommt 3. B. bei dem Sc tung, bei der Or Metamorphoſe des Blattes zur Sprache. Eine Menge der
Feinſten und gründlichſten Beobachtungen machen das Buh ſehr
intereſſant , und die einfache , klare Darſtellung eignen es zum
Schulgebrauche. =- Hierna< dürfte es wol erlaubt ſein, die
Lehrer auf dieſes Shrifthen und ſeinen Vf. aufmerkſam zu
machen, deſſen „Führer in das Reich der Kryptogamen“ jeden-
falls für dieſen Theil des Unterrichtes mit Vortheil benußt
werden kann. Daß dem 1. Curſe als Anhang ein Blütentalen-
der beigegeben iſt, welcher die Pflanzen na<ß der Zeit ihrer
Blüte und nach ihrem Standorte zuſammenſtellt , fei nachträg-
lich erwähnt. Dp.
3) Leitfaden zu einem methodijhen Unterricht in dex Natur-
geſchichte , mit vielen Aufgaben und Fragen zu mündlicher
und ſchriftliher Löſung, von Auguſt Lüben, Rector der
Bürgerſhulen in Merſeburg. In 4 Curſen. Des 2.
Curſes 7. und des 3. Curſes 5. verb. Aufl. Leipzig,
Herm. Schulte, 1853.
Die günſtige Aufnahme, welche die früheren zahlreichen
Auflagen dieſer Srifthen bereits in den Sculen gefunden
haben , mag wol die beßte Empfehlung jein, welche dieſen neuen
Auflagen mitgegeben werden kann. Rec. glaubt ſich daher auf
eine kurze Darſtellung des Inhalts beſchränken zu können. Im
9. Curfe werden aus dem geſammten Unterrihte 140 Gattun-
gen nebſt ihren Arten genau beſchrieben, und jo der Scüler
mit einer großen Anzahl von Naturkörpern und deren Eigen-
ſchaften bekannt gemac einzelen Abſchnitten beigefügt ſind, erleichtern einmal die Wie-
derholung und geben ferner dem Schüler Veranlaſſung , die einz
zelen Gattungen mit einander zu vergleihen, um die gemein?
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