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ſchaftlichen Merkmale derſelben ſelbſt zu Familien ſammenzuſtellen , wel<ße er vollſtändig im 3. Curſe kennen lernt.
Dieſer beſchreibt die einzelen Arten des Thier -, Pflanzen - und
Mineralreichs , indem er dieſelben zuglei) zu Gattungen und
Familien zufammenſtellt und die Gattungs- und Familien raktere beſonders hervorhebt. Da die Bezeichnungen treffend
und die Unterſcheidungen ſcharf find, ſo kann dieſes Buh bei
Beſtimm-Uebungen gute Dienſte leiſten. Daß der Hr. Vf. auch
die lateiniſ genehm , da die lat. Benennungen in den verſchiedenen Scrif-
ten ziemlich Übereinſtimmen, während die deutſchen Namen der
Gegenſtände oft ſehr verſchiedene ſind. Die leßten Seiten ent-
halten das etwas veränderte zoologiſche Syſtem von Cuvier und
das Pflanzenſyſtem von Linne. Dp.
4) Mittheilungen aus dem Pflanzen- und Steinreiche für
den naturgeſchichtlihen Unterricht in den Oberclaſſen der
deutſhen Schulen. Von einem Volksſchullehrer. Nürn-
berg, Raw (C. A. Braun), 1854. 16 kr.
Dieſe Schrift enthält in bündiger Weiſe eine Beſchreibung
der wichtigſten Pflanzenfamilien und Mineralien, wobei haupt-
ſächlich darauf hingewirkt iſt, in dem jugendlichen Geiſte Luſt
und Liebe zu den Wundern der Natur zu ween, was der Vf.
au< erreicht haben wird. Auf die techniſche Verwendung der
Naturkörper iſt beſonders RüFfſiht genommen. Die Wahl und
Anordnung des Stoffes entſpricht ſeinem Zwe>e vollkommen;
nur hätte dem botaniſchen Theile ein kurzer Umriß der allge-
meinen Botanik vorausgehen ſollen, alſo eine Beſchreibung und
Erklärung der organiſchen Elementartheile ( Zellengefäße) und
der Drgane der Pflanzen; ſowie zuleßt Einiges über Aufnahme
der Pflanzennahrungz; denn einestheils wird der Schüler durch
die große Ordnung, welche im Innern der Pflanzen herrſcht,
die Almacht Gottes bewundern müſſen und den Werth des klein-
ſten Pflänzc bung der Organe der Pflanzen nöthig, damit der ſpecielle Theil
beſſer verſtanden werden fann. Wenn bei der Charafkteriſtik
mehrerer Pflanzenfamilien au< des künſtlichen Syſtemes mitun-
ter beſſer gedacht wäre, ſo würde der Schüler wol leichter die
Pflanzen einzureihen verſtehen. Unter den beſchriebenen Pflan-
zenfamilien vermißte man ſehr die wichtige der Umbelliferen.
Im mineralogiſ mit Säuren nicht aufbrauſt, ſondern dieß thut bloß die koyglen-
ſaure Magneſia. S. 55 heißt es, die Talkerde mache einen
Hauptbeſtandtheil des Brauſepulvers aus, was jedo< nicht der
Fall iſt, es mag mit dem doppelt kohlenfauren Natron ver-
wechſelt fein. Bei der Beſchreibung und dem Vorkommen des
Salmiaks heißt es S. 59: „Ihr ſelbſt habt vielleicht ſ eine ſtarfriehende Salmiakarznei genommen, oder es hat euch
Jemand zum Spaß ein Gläs Naſe gehalten, und da iſt euc< dieſes flühtige Weſen bremſend
hinaufgefahren 26.“ Demna< muß Lehrer und Schüler glau-
ben, Salmiak habe einen ſtarken Geruch, welche Anſicht wol
au Salmiakarznei“" ſchließen muß; das Riechende im Salmiakgeiſt
iſt ferner ni nämlich das flüchtige Ammoniak; im Salmiakgeiſt iſt keine Spur
von Salmiak, -=- Bei Gelegenheit des Goldes iſt S. 67 ge-
ſagt, es verdanke ſeinen Werth ſeinem Glanze und ſeiner Rein-
heit, befonders aber den Eigenſ 732
Sprödigkeit, die es in hohem Grade beſitzt. Wenn ein
Metall dehnbar iſt, und dadurch zeichnet ſi vorzüglich Gold
aus, ſo kann es nicht zugleich ſpröde ſein, und dieſe Eigen-
ſc einige vorkommende AusdrüFe näher erläutert werden können,
wie z. B. Verwitterung; oder beim Kalkbrennen heißt es, der
Kalk werde dur<'s Brennen leichter, weil Kohlenſäure und
Waſſer fortgingen. Der Schüler wird ſich von dieſem Ding,
der Kohlenſäure, keine Vorſtellung machen können. Der Vf.
kann daraus erſehen, daß zur Herausgabe des kleinſten natur-
wiſſenſ Naturwiſſenj Studium nicht ausreicht.
A. Reichenbach,
5) S Wohler, 1853
enthält auf 138 Seiten eine Aufzählung der phyſikaliſchen
Wahrheiten und Thatſachen und zwar meiſtens ohne Beifügung
einer genügenden Erklärung. Angehenden Schulmännern, die
erſt anfangen, ſich mit Phyſik zu beſchäftigen, wenn ſie dieſe
Wiſſenſchaft ihren Zöglingen vortragen ſollen, und welche nicht
Zeit genug haben, ſich felbſt eine ſolm phyſ. Lehrſätße auszuarbeiten, mag dieſes Büchelc willkommen fein. In dieſem Punkte ſtimmen wir mit dem
überein , was der Hr. Vf. gegen das Ende der Vorrede zur
erſten Aufl. geſagt hatz wir können uns aber nicht herbeilaſſen,
Schülern, welche von einem ſo mangelhaft unterrichteten Lehrer
unterrichtet werden ſollen, einen ſo dürftigen Grundriß der Na-
turlehre zu empfehlen. Solche Scriften über Naturwiſſenſc ten unterſtüßen nur den Hang zur Oberflächlichkeit, welchem
gerade die Naturwiſſenſhaften , als Bildungsmittel des menſ<-
lichen Geiſtes betrachtet, entgegenarbeiten ſollen.
Darmſtadt.
5. Aufl. Ulm,
ODrſx,
6) Naturlehre für Schule und Haus von F. Schmidt,
Lehrer am k. katholiſ lau, Mit 4 lithographirten Tafeln. 2te verm. und verb,
Aufl. Breslau, LauFart, 1853.
Für „Schule und Haus“ iſt vorliegendes Buc< beſtimmt.
Die Sc punkt. Iſt ein Buch für ein Seminar beſtimmt, ſo wird es
anders abgefaßt jein müßen, als ein Buch für Anfänger in
den Naturwiſſenſ gar feine Vorkenntniſſe hat in einer Wiſſenſ nem Buch andre Gegenſtände, als derjenige, der die wiſſen-
ſchaftlichen Kinderſ Beſiß des Gelehrtenhutes iſt. Eine Vereinigung ſo heterogener
Elemente iſt in einem Lehrbuch niht möglih. Wer alſo den
abſolut unwiderſtehlihen Drang in ſich fühlt, die Welt mit
einem Buch zu beſchenken, muß ſich zuvor über den Lehr- und
Leſerkreis , für den es beſtimmt iſt, klar werden. Alsdann
mag er's in Gottes Namen vom Stapel laſſen, es wird ſc ims rechte Fahrwaſſer kommen. Dießmal aber treffen wir mit
einem ſchwachen Segler zujammen. Zur gewöhnlichen Fluß-
und Kanalfahrt geht er oft zu tief, kann aber nicht See hal-
ten, lauft jeden Augenbli& auf den Sandbänken oberflächlicher
Betrachtungen auf und, was no< ſchlimmer iſt, er hat man-

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