795
ſiß ſowol als Mitglied des Vorſtandes , wie durch ſeine gedie-
gener; Vorträge zu allen Zeiten lebhaft betheiligt hat. Seine
Lehrbücher der Naturwiſſenſchaften , welße er mit von Kraſſow
herausgegeben hat, haben ſich eines guten Rufs erfreut. Als
Menſ< hat ihm die Liebenswürdigkeit und Humanität ſeines
Charakters die allgemeine Hochachtung geſichert. Ueberhaupt
wird man ihm ein dauerndes Andenken bewahren, beſonders
wird das liebende und ſegnende Andenken an ihn nie in ſeinen
Collegen, Schülern und Freunden erlöſchen, die er in großer
Anzahl durch ſeine edlen Eigenſchaften in nahen und fernen
Kreiſen ſich gewonnen hat.
Dr. Joh. Georg Wilh. PBape*) wax den 3. Januar 1807
in Berlin geboren, genoß aber ſeinen erſten wiſſenſc Unterricht in Culm, wo ſein Vater eine kleine Anſtellung an
dem königlihen Cadettenhauſe erhalten hatte. Das Intereſſe,
welches er den Leitern dieſer Anſtalt für ſich einflößte , war die
Veranlaſſung zu dem vielleicht folgenreichſten Momente ſeines
Lebens , indem er auf die Fürſprache eines edeln Gönners, des
Hrn. v. Sheliha, zu ſeiner weiteren Ausbildung nah Berlin
geſchit und daſelbſt im Jahre 1820 in die Untex-Tertia des-
ſelben Gymnaſiums aufgenommen wurde, dem ſeine Thätigkeit
ſpäter ausſhließlih angehören ſollte. Hier machte er durch ſei-
nen nie ermüdenden, von glüFlichen Anlagen unterſtüßten Fleiß
unter der Leitung eines Bellexmann , Fiſ fins, Köpke , Stein, Schulz und Wal< ſo erfreuliche Fortſ daß er ſhon na< 5 Jahren, Oſtern 1825, wohlvorbereitet und
mit den ausgezeichnetſten Zeugniſſen als Selectaner und Pri-
mus omnium entlaſſen ward und die Berliner Univerſitat be-
309, um ſi< dem Studium der Theologie und Philologie zu
widmen. Nach Beendigung des akademiſchen Trienniums, wäh
rend deſſen er ſich, angeregt durch die Vorträge Boe>h's, Lach-
mann's und Bernhardi's mit immer größerer Vorliebe der claſ-
ſiſchen Philologie zugewandt hatte, beſtand er das Examen pro
facultate docendi und fehrte ſodann Dſtern 1828 als Can-
didatus probandus zu der Anſtalt zurüF, wo er den Grund
zu ſeiner wiſſenſc dieß in ſo reichem Maße vergelten ſollte ; denn er widmete der-
ſelben fortan mit gleicher Treue und Hingebung alle feine Kraft
bis zum leßten Athemzuge. Kaum hatte er die Hälfte ſeines
Probejahres zurü&gelegt, als er durc Köpke, dem der jeltene
Grad feiner ſfittlihen und didaktiſchen Beſähigung zum Lehrfache
nicht entgehen konnte, ſ Hierdurh noF mehr angeſpornt, ſchrieb er ſeine Lectiones
YVarronianae , eine gelehrte Abhandlung über Zwe und Me-
ihode des Sprachſtudiums , nebſt Proben von kritiſchen Verſuchen
über den ſ niſche Sprache , wodurch) er ſih 1829 die philoſophiſche Doctor-
würde von der Univerſität Halle erwarb. Ein Jahr ſpäter
wurde ex zum ordentlichen Lehrer des Berliniſ und im Jahre 1837 zum Profeſſor ernannt. Sein Leben,
ruhig und gleichförmig , verlief in ſtetiger, nüßlihßer und fe-
gensreicher Thätigkeit. Si ſelbſt gleich, unverdroſſen und be-
ſtändig, feſt und treu, war er auch als Mann. Als Lehrex
wußte er dur< Milde und Herzensgüte zu gewinnen, durch
unbeſtechliche Gerectigfeit , dur< ſicheres Wiſſen und uner-
müdete Berufstreue ſich bei Schülern, wie bei Amisgenoſien

* ) Wir theilen dieſen Artikl hier in ſc:inem ganzen Zimfang mit, ob-
gleich wir in Nr. 31 ſchon einen kürzeren über den Heimgegangenen
aufgenommen haben, D. Red.
796
und Vorgeſeßten Achtung zu erwerben. Dieſe ſeltene Pflicht-
treue, dieſe Gediegenheit ſeines Wiſſens und die Vortrefflichkeit
ſeiner Lehrmethode machte ihn bald zum Hauptträger des phi-
lologiſ der Schulzeit eine Arbeitsmaſſe zu bewältigen , die es kaum er-
warten ließ, daß er au< no< Muße und Kraft genug zu
ſchriftſtelleriſ von ihm 1836 das etymologiſ Sprache und ſchon im Jahre darauf das Programm: de in-
veniendis Graecae linguae radicibus; beides Zeugniſſe gründ-
lihſter Forſchung. Endlich erfchien na<ß langjährigen Studien
und diefen Vorarbeiten im Jahre 1842 auch no< ſein griehiſch-
deutſ ſchritt im Gebiete der Lexikographie , weßhalb denn auch das
durch ſeine Gediegenheit und ſorgfältige Ausführung ausgezeich-
nete Werk ſo ſ bereits in den Jahren 1849 und 50 eine 2. Auflage davon
beſorgt werden mußte, die umſichtig gebeſſert und namentlich im
dritten Bande , der die Eigennamen enthält, beträchtlich ver-
mehrt ausfiel. An dasſelbe ſchloß ſich bald darauf ſein deutſch-
griechiſches Wörterbuch. So verſchaffte ihm jene ſtete und gleich
mäßig fortſchreitende Thätigkeit, in der er ſein ganzes Leben
der ihm theuern Anſtalt widmete, auc< einen weit über den
Kreis ſeiner Collegen und zahlreihen Sc<üler hinausgehenden
ehrenvollen Namen in der gelehrten Welt. Dabei verſchmähie
aber der gelehrte Mann es nicht, auch zum Behufe des Rechen-
unterrichts , den er eine Zeit lang in Quarta leitete , ein Rechen-
buch herauszugeben , das wegen ſeiner Brauchbarkeit mehrfach
aufgelegt worden iſt, ein Beweis , wie beſcheiden und anſpruchs-
los ex an jeder Stelle, wohin ſein Amt ihn ftellie, ſim nüß-
li< zu machen und zu bewähren wußte. Seinen Hauptunter-
richt aber extheilte er, wie es ſich geziemte, in den alten Spra-
hen und obern Claſſen, wo er die Grammatik mit Sicherheit
und Ausdauer bei vielfach ſchriftlichen Uebungen den Schülern
faßlih und geläufig zu machen wußte. Seine Erklärung dex
alten Schriftſteller, von warmer Liebe für das Alterthum ge-
tragen , war eingehend, ohne zwe>widriges Prunkfen mit Ge-
lehrſamfeit, ohne unnüße Scöngeiſterei und Schönrederei , ein-
fach und wahr, wie ex ſelbſt. Leider ergriff ihn zu Anfange
des Jahres 1852 ein Leiden, das ihn an dem freien Gebrauche
der Glieder hemmte und ihm ſelbſt nicht verſtattete, den Weg
aus ſeiner im Gymnaſium gelegenen Wohnung über den Hof
in feine geliebten Claſſen zu machen, weßhalb er eins ſfeinex
eigenen Zimmer zum Unterricht einräumte und in dieſem bei
ſtetem Leiden und wachſender Schwäche Troſt und Freude fand,
Vielleicht hatte feine geiſtige Regſamkeit den Keim zu dieſem
Leiden, das ihn gleich Anfangs ſo bedenklim ergriff, erzeugt,
Zwar gab er 2 Jahre lang no: immer der Hoffnung auf
Wiedergeneſung Raum, aber ſelbſt mehrfach wiederholter Beſuch
des Soolbades Rehme vermochte ſeine Nervenlähmung nicht zu
heben. Alles blieb ohne ſichtlichen Erfolg gegen das hartnackige
Leiden , das endlich, na in den lezten Wochen ſeines Lebens, mit ſolcher Heftigkeit auf-
trat, daß ex ihm naß kurzem, aber ſ 48. Jahre ſeines Lebens am 23. Februar d. JZ. erlag. Noch -
lange hätte ex wirken können , der treue Mann, aber er wurde
abgerufen in der Blüthe der Jahre. Do< was er gewirkt und
geleiſtet , das reicht über das Grab hinaus. Er hat eine reiche
Saar ausgeſtreuei und ein Andenken hinterlaſſen, feſt begründet

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.