Allgemeine Schul-Zeitung.

Samſtag , 5. Auguſt

Das evangeliſche Kirc Irre die Spielleute niht. Und wenn man Lieder
finget, ſo waſche nicht darein; und ſpare deine
Weisheit bis zur anderen Zeit.
Jefus Sira< 32, 5. 6.
I< knüpfe die Beſprechung über das Kir Schrift an: „Das evangel. Kirchenlied und die confeſſionelle Brand»-
fa&el. Ablehnung an Hrn. Stier , Doctor der Theologie, Supe-
rintendenten und Oberpfarrer (in Sc Stip, ordentlichem Mitgliede der Leipziger hiſtoriſch-theologi-
ſchen Geſellſ S. 65. broſchürt.“ Dieſe Schrift wurde von der Verlagsbuh-
handlung zur Kritik überſchit. Gleich von vornherein will ich
ſagen , daß die Schrift zumeiſt perſönliches Intereſſe hat, daß
ſie nur den in den Streit zwiſchen den Hrn. Stier und Stip
Eingeweihten völlig klar fein kann. Dem Rf. find beide Män-
ner nur dem Namen nah bekannt, und beſonders hat er den
Namen Stip geleſen um „Pädagogiſchen Jahresbericht“ von
Karl NaFe, Leipzig bei Brandſtetter, 1852 und in dem „Chriſt-
lihen Geſangbuch für Schulen“, 11. Aufl. Hannover, Hahm'jc Hofbuchhandlung, 1852. Da ſagt der Herausgeber der 1. Aufl.,
Hr. Dr. W. NöldeFe , Lehrer an der höheren Bürgerſchule :
„Giner Redtfertigung der Eintheilung nach dem Kirc bedarf es nac< dem, was Stip (Beleuchtung dex Geſangbuchs-
verbeſſerung, 14. Abth.) darüber geſagt hat, wol nicht mehr.“
Ferner heißt es in diefem BuG? „Bei der Auffaſſung der
Zeiten des Kirchenjahres und der Vertheilung des Stoffes in
dieſelben bleibt der ſubjectiven Anſchauung ſo Vieles überlaſſen,
daß ich nicht hoffen darf, es Allen re Dieß iſt übrigens bei keinem Gegenſtand, faſt in Nichts mög-
lich ; es iſt auch nicht räthlich, oft nicht re iſt jedenfalls mit Beziehung auf unſer Thema entſchieden zu
tadeln , daß beinahe jeder Herausgeber eines Geſangbuches die
Lieder bald ſo, bald ſo verändert, verbeſſert oder verſchlechtert
hat. So heißt, um ein Beiſpiel anzuführen , die zweite Zeile
in dem erſten Vers des Liedes: „Lobe den Herren“ von Jo-
a in der Sammlung 3 und 4ſtimmiger Geſänge für Männerſtim-
men“ von Ludwig Erk, 1. Heft, 2. Aufl., Eſſen bei G. D.
Bädeker, Nr. 52: „Meine erfreuete Seele! Das iſt mein
Begehren; im großh. heſf. Geſangbuch, welches zuerſt 13814
erſchien: „Laßt uns den Weltenbeherrſcher in Demuth verehren;
im „Unverfälſchten BLiederſegen“ , Berlin , 1851 , Nr. 687:
„Meine geliebete Seele: das iſt mein Begehren;“ in dem
„Chriſtlihen Sculgeſangbuch“ von Dr. Nöldeke: „Lob' ihn,
ov Seele, mit Jauchzen , das iſt mein Begehren ;“" in dem „Ges-
ſangbuh für Schulen“ von Dr. C. W. Spieker, 4. Aufl.
Halle, 1842, Nr. 26: „Stimme frohlo>end mit ein in die
himmliſchen Chöre!" In dem alten heff. Geſangbuch, „gedruckt
im Jahr Chriſti 1752" heißt die Zeile gerade ſo, wie im un-
verfälſchten Liederſegen, nur iſt hier jedes Wort klein geſchrie-
18554.
XN 33.
ben und am Scluß ſteht: „pſalter und harpfe wac<ß auf“ und
im unverfälſchten Biederſegen : „Pſalter und Harfe, wacht auf!,,
In dem „Allgemeinen Sc tungen“ Halle, 1846, Nr. 14: „Schwinge dich, Seele, froh-
lo>end mit himmliſchen Chören.“ -- Zur klaren Einſicht und
Ueberſicht will ich diefe Zeilen nochmals geben und fie neben-
einander ſtellen, damit man ſie ſoglei<ß verglei 1) Meine erfreuete Seele! Das iſt mein Begehren.
2) Laßt uns den Weltenbeherrſcher in Demuth verehren!
3) Meine geliebete Seele: das iſt mein Begehren.
4) Lob? ihn, o Seele, mit Jauc gehren.
5) Stimme frohlo&end mit ein in die himmliſchen Chöre.
6) Schwinge dich , Seele , frohlo&end mit himmliſchen
Chören!
Wie hat dieſe Stelle urſprünglich geheißen ? Hat der „Un-
verfälſchte Viederſegen“ Alles unverfälſcht und notoriſ< urjprüng-
li Liedern , die nicht einmal anſtößige Ausdrücke enthalten , Ber-
änderungen gema auf, als daß man ſo an jeder Zeile verändert. Was ſagt
aber der ſehr hiſtoriſ<; gebildete Hr. Vf. obiger Shrift: „das
evangeliſche Kirhenlied" dazu? Es ſcheint mir, als ob dieß der
Hauptpunkt fei, um welchen ſic< der Streit dreht und wodurch
endlih perſönliche Reibereien ſtattgefunden haben. Dieſe per-
ſönlichen Streitereien gehen aus dem Vorwort hervor: „Im
Jahre 1851 erſchien der unverfälſchte Liederſegen , kurz vor ihm
das erſte Heft der hymnologiſ verdächtigte Hr. Dr. Stier in einer auch für „Gemeinden“ be-
ſtimmten Broſchüre jenes Buch und unſere Hymnologie „zur Ge-
nüge“ wie er fagt
Im Jahre 1853 fahren wir, ohne auf Hrn. Dr. Stier
einzugehen , unſeres Weges fort, in Kir lied, ſowie in: Beiträge zur Hymnologie für Lehrer beider
Confeſſionen das evangel. Kirchenlied zu pflegen. Und ſiehe
da , im Jahr 1854 macht Hr. Dr. Stier einen zweiten Verſuch
„deutlich für Jedermann“, wie er ſagt, Kirhenlied und Hymno-
logie übel zuzurichten. |
Uns bleibt das evangel. Kirchenlied als ein gemeinſames
Heiligthum in der deutſchen Nation, möge Hr. Pr. Stier uns
Evangeliſche, Lutheriſche, Ueberlutheriſhe, Afterlutheriſche, Erz-
lutheriſche, Proteſtanten oder Reformirte, oder Unirte, oder wie
er unſeren Namen zu berichtigen oder zu verbeſſeren beliebt, zu
Zuſchauern ſeines „unlutheriſc Männern machen , für ſolche Händel zu lieb und werth. um
niht an Glieder beider Confeſſionen und der Union die Bitte
„zu richten, daß ſie dieſem Treiben nicht Raum geben. Cs iſt
des Haders Übergenug.
Mit dem Wunſc Leßte geweſen ſein möge, der die confeſſionelle Brandfakel in
das Heiligthum eines ſingenden Volkes zu werfen geſu daß Gottes Segen das heilige Aſyl, welches Niemand ohne
Ehrerbietung betreten ſollte, für Alle, mögen fie, um mit Hrn.

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