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Une tete quarree. -- Spiro -- Spero. =
Wiſſen iſt Macht (knowledge is power). Baco y». V.
Unangenehm war es, zu bemerken, daß die denkwürdigen
Aetißerungen niht immer formrichtig, buchſtäblich und wortge=-
treu wiedergegeben find. Vieler kleineren Verſehen nicht zu
gedenfen , iſt Intererit multum , Davusne loquatur herusve
nicht horaziſch , felbſt nicht lateiniſc<, ebenſo wenig, als condi-
tionibus audiamus ; ſtatt Senectus agenti semper aliquid
tacite obrepit fagte Cicero: Semper in studiis laboribusque
viventi non intelligitur, quando obrepat Senectus und
ita Sengim Sine Sengu aetas Senescit. Statt Quid gine
viribus ira? iſt zu ſchreiben: Yana 8. vV. i.; ſt. Accidit in
puncto, quod non contingit per annum: A. 1.p., q.n.
Speratur in anno, oder Praestat Saepe dies, annus quae
ferre recusat. -- Wieland klagt nicht „über das Recenſen-
iengefindel, vor deſſen verwünſchter Sc Nebel ſchüßt und keine Täuſc 5. Auguſt 1782 an ſeinen Freund Mer>&: „Du begreifſt leiht,
1. Hr. Br. , Du, vor deſſen --- beſtehen kann.“
Troß ſolcher Ungenauigkeiten, die oft einem Niederſchreiben
aus dem Gedächtniſſ zuzurehnen fein werden, würden wir wei-
tere Auszüge aus den Schriften, die dex Hr. Herausg. in jüng-
ſter Zeit gelefen , freundlich begrüßen , weil feine Aufzei von einem denkenden Geiſte geleitet ſind und zu erneuerter Prü-
fung , im Gegenſaß zum unbedahten Nachſprechen , veranlaſſen.
K. W.
1) Der Pauperismus, oder (die) Armennoth. Eine Ab-
handlung in einem Leſepereine einer thurgauiſchen Ges-
meinde. Hrsg. von Gottlieb Ernſt. Töß bei Win-
terthur, IJ. J. Heer, 1852. 89 S. 8.
2) Zum fröhlihen Dorfleben in allerlei Geſchichten, Reden
und Geſprächen, vorgetragen in der Dorfſtube, geſammelt
und hrsg. von Carl Gottfried. 1. Bd Fr. Frommann, 1852. 252 S. 8,
Die Anzeige vorſtehender Schriften iſt zufällig verſpätet
worden.
Nr. 1 beſpricht einen täglich tieferfreſſenden Krebsſ der Geſellihaft, wel und Staaten Curopas nagt. Der Vf. ſchreibt mit Sackennt-
niß und mit Umſi ſpricht über das Weſen des Pauperi8Smus, den er aug Armu-
tei (?) nennt, über die Quellen, die „Folgen desſelben und end-
lic; über vie Mittel , die Armennoth in ihren Folgen auf- und
abzuhalten.“ Dieß Leßktere follte vielmehr lauten: „Die Quel-
len der Armennoth zu verſtopfen.“ So hat's der Vf. gemeint
und behandelt. Fließen die Quellen des Uebels nicht mehr ſo
reimlic) , dann werden die Folgen desfſelben von ſelbſt aufhören.
Der Vf. gibt in den verſchiedenen =- Übrigens nicht augenfäl-
lig bezeichneten = Abſchnitten feines Büchleins das Bekannte,
aus eigener Beobachtung geſc<öpft , zum Zeichen, daß Weſen
und Quellen des Uebels überall dieſelben ſind, nur nach ört-
lihen Umſtänden und Verhältniſſen modificixrt. Die Hauptſache:
die anzuwendenden Heilmittel hat er etwas zu kurz abgefertigt,
obwol er im Ganzen wol das Richtige trifft. Als Gegenmittel
nennt ex größere Einfachheit und Sparſamkeit in der Lebens-
weiſe, Minderung des Wirthshauslebens und der Sonntagsents-
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heiligung , Verhinderung des allzufrühen Heirathens, reichlichere
Gaben der Begüterten , Armenvereine in den Gemeinden. Auf
eins der Mittel ſ und nac unſerem Dafürhalten auf das Wichtigſte, nämlich :
die Betheiligung der Kirhe bei der Sorge für die Armen.
Wol mögen viele Geiſtliche ſim visher um dieſen wichtigen
Theil ihres Berufs wenig gekümmert haben. Aber faſt überall
haben auch die weltlichen Behörden die Armenpflege faſt ge-
waltſam den Händen der Kir na< Maßgabe der Armenregiſter dargereißte Gabe nüßt und
froh macht, wenn ſie nicht mit liebender Hand unter den Trö-
ſtungen und Ermunierungen der Religion geboten wird, lehrt
die tagliche Erfahrung zur Genüge. Das Büchlein enthält viel
Beherzigenswerthes. Möchte es viele Leſer finden. r.
Nr. 2 iſt eine ſehr willfommene Bereicherung unſerer Dorf-
bibliotheken. Der Vf. ſagt in dem kurzen Vorworte, er habe
das Buch auc< „zum frommen und fröhlichen“ Dorfleben nen-
nen können, „da Beide getreue Nachbarn ſind, wol gar die
traute Heimat unter Einem Dache haben.“ Ref. bezeugt gern,
daß in dieſem Büchlein ein Geiſt der Frömmigkeit weht, wie
er fo recht in das Gemüt eines thüringiſchen, evangel. Bauers-
mannes paßt, und, ſo Gott will, in vielen no< angetroffen
wird; fern zwar von aller kopfhängeriſchen Uebertreibung , aber
feſt und bieder, auf ſicherem Grund des Glaubens ruhend.
Die Geſchichten und Erzählungen find ſämmtlih kurz, in ihrem
Inhalte unbedeutend, aber ſo anmuthig erzählt, daß man immex die
folgende auch gern wiſſen möchte, und dabei ſo lehrhaftig, daß
man beim leßten Worte immer weiß, was eigentlih gemeint
iſt. Das Büchlein enthält 73 Geſchi unter 4 Abſchnitte vertheilt, denen ex die Namen der vier Jah-
reSzeiten vorgeſeßt hat. Er will dieſe Aufſäße in der „Dorf-
jtube“ vorgetragen haben , wozu fie au<€ ganz vorzüglich paſſen.
Aber was iſt bei ihm die Dorfſtube? Jſt's die Schenke ? Da
werden ſich diejenigen am wenigſten einfinden , auf welche es
wol am meiſten abgeſehen iſt, die Minderwohlhabenden im
Dorfe. Denn dort muß man einmal dazu trinken, was bei
den heutigen Preiſen für den Armen kaum zu erſchwingen iſt.
Oder befindet ſi) die Dorfſtube im Gemeindehauſe ? Wer be-
jorgt dann die Heizung in den Winterabenden ? Oder iſt ſie
in der ohnehin geheizten Wohnſtube irgend eines menſchenfreund»-
lihen Ortsna ſich überall fol Einer mit einer geräumigen Wohnſtube findet.
Da werden gewiß unſere Geſchichten gern gehört werden und
zu einem fröhlihen und frommen Dorfleben das Ihre beitragen.
Sade nur, daß es unſerer im angehenden und ſpäteren Man-
neSalter ſtehenden Dorfbevölkerung immer no< an der rechten Fer-
tigkeit im Leſen fehlt. Die Mitglieder derſelben ſtammen noh
aus der Zeit des bloß mechaniſhen Shulunterrichts , haben,
wie Landleute Überhaupt, wenig Uebung in der Leſekunſt ge-
habt und daher viele Mühe, ein wenn au< ganz verſtändlich
geſchriebenes Buch zu leſen und noMm mehr, es zu verſtehen.
Daher fommt es au<, daß die Luſt, zu leſen und zu hören,
bei weitem ni und daß, wo fie erwa fräftigen, aber einfachen Koſi unſerer guten Volksſchriften be-
gnügt, ſondern nach den Ritter- und Geſpenſtergeſhichten der
Leihbibliotheken in den Städten verlangt , wodurch begreiflicher-
weiſe nur geſchadet werden kann. Doh, die Anregung zum
Beſſern iſt gegeben; es wird ja wol auch hierin beſſer werden!
Wer Kraft in ſich fühlt , möge nur fleißig fein, unſerem Volke

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