Allgemeine Schul- Zeitung.

Donnerſtag , 10. Auguſt
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Deutſ E. A. Roh holz, Prof. der deutſhen Sprache und Litera-
tur am Gymn. der Aargauer Kantonſchule. Deutſche
Arbeits - Entwürfe zur Bildung des Denk- und Sprach»
vermögens auf höheren Lehranſtalten. 2 Thle. Mann-
heim, Friedr. Baſſermann, 14853. (Thl. 1. Beſchreibung
und Erzählung 262 S., Thl. 1]. Vortrag und Auffaß
XV1 und 464 S.)
Das ebengenannte, aus 17jähriger Lehrerthätigkeit hervor-
gegangene gewiſſenhafte zugleich und geiſtreihe Buch muß zu
den gehaltvollen pädagogiſ<-didaktiſ unbeſtreitbar die deutſche Literatur viel reicher iſt, als die ir-
gend eines anderen Volkes, gerehnet werden. Zwar iſt es
nicht, wie manches andere Lehrbuch dieſer Art, nach einem Über-
fkommenen oder ſelbſterſhaffenen tro&nen Shematismus peinlich
geordnet , indeſſen gibt der ſehr reiche und auf das mannich-
faltigſte aufgefaßte Stoff Gelegenheit und Unterweiſung zur
Bildung des ſchöpferiſchen, dur< Anſ Gefühl und Charakter geſtärkten Denkvermögens. Man ſieht
es dem ganzen Buche, wie den einzelen Theilen an , daß der
Vf. ein durch natürlihe Begabung glüFliher, durc< fleißiges
Studium gereifter, dur< das Leben , per varios casus, per
tot discrimina rerum, geſtählter Mann iſt. Trügt mich mein



Gedächtniß nicht, ſo gewann derſelbe, aus dem bayeriſchen Fran-
ken gebürtig , auf der Schule zu Neuburg a. d. Donau, durch
eine gelungene Arbeit einen Preis , zeichnete ſich in dem Fellen-
berg'ſhen Inſtitute, obſhon er, wie ſo viele andere Lehrer,
von dem Vorſteher in Unfrieden ſchied, ſowie ſpäterhin durch
Herausgabe alter Shweizergedihte aus. Dort, wie in dem
jeßigen Werke , erkennen wir einen Schüler der Gebrüder Grimm
und den Umſchwung, welhen die Forſchungen dieſer Männer
in die ganze Philologie, ſpecieller in die didaktiſche Behandlung
unſerer Mutterſprac<ße gebracht haben. Wir haben hier ein
neues Zeichen , daß je länger, je mehr die Einheit zwiſchen
dem Geiſtes= und Gemütsleben des Volkes , zwiſchen den ſich
durc< Ueberlieferung fortpflanzenden Geiſte8erzeugniſſen und dem
in der Literatur quellenden Urſprünglihen, Volksthümlic geſtrebt und erreicht wird. Die Weisheit der Gaſſe, die ge-
geſchichtlihe Sage, das poetiſche und gemeinhin pantheiſtiſche
Erfaſſen geheimnißvoll wirkender Naturkräfte , Alles Clemente
des Volkslehens , verquiFen ſich , beſonders ſeit Göthe, mit der
von Rom und Griechenland, von dem Moxgenlande genährten
Literatur Deutſchlands. Au< der Vf. gehört jener würdigen,
mit jedem Jahre umfangreicheren Knappenſhaft an, die den
erſten fleißigen Shaßhebern dieſes literariſchen Caliſorniens,
den Oberſteigern Grimm, in ihre Tiefen folgen, daneben auch
die zu Tage geförderten Shäße zu verwerthen und zu verar-
beiten wiſſen. Es handelt fich darum in unſerem Buche , bei
der Bearbeitung der Themata, nicht um die ſonſt allgemein be-
liebte oſteologiſ( aus jeder Beurtheilung eines Stüces entſtehen und wiederum
1854
N 95.
aan Zz er Ausgangspunkt einer jeden Bearbeitung eigenen Stoffes wer-
den. Vielmehr bringt der Vf. eine Maſſe ceonereten und zum
Theil zugeſ Literatur ihm bot, theils in markiger gedrängter Form aus
eigener Werkſtatt herbei. In dem Vorwort wiederholen ſich die
ſchon öfter vorgebrachten Klagen über die unglü&liche Auffaſjung
des unter dem Namen „deutſ nen haufenden Lehrgegenſtandes und über die an dieſen Gegen=-
ſtand mit Recht gemachten Anſprüche, zugleich zu erziehen und
zu lehren. Der Geſunkenheit und Verwilderung der Begriffe
bei der Jugend entgegenzutreten und einen wahrheitsgeſtrengen
Lehrſtoff an die dafür vorbereitete Stätte zu pflanzen , hat der
Vf. die Arbeitsentwürfe für das Aargauer Gymnaſium geſchrie-
ben. „Sie beſtreben ſich hauptſächlich, die Liebe zum Heimath-
liben zu entwi>eln, den Natur- und Familienjinn zu ſteigern,
Erinnerung und Empfindung der Knabenwelt in urſprünglicher
Friſche und Heiterkeit wiederkehren zu laſſen, Glaube und
Frömmigkeit des Elternhauſes mit unverleßbarer Würde in den
Herzen der Jugend zur Sprache zu bringen. Dieſe ſinnigen
Gegenſtände haben aus einer finnalih-genauen Reproduction
wirklicher Jugend-Eindrü>e neu zu entſpringen und nöthigen
den Geiſt zu einer ſcharfen Interpretation poſitiver Anſ gen, ungeſchminkt wahrer Erfahrungen, die, je localer ſie ſind,
um ſo mehr alle Verſtellung und heuchleriſche Phantajterei aus-
ſchließen. „,,-Eine Geiſtesarbeit beginnt, ſobald, von innerer
Nothwendigkeit getrieben, das Denken den Stoff ſinnlicher
Wahrnehmung aufnimmt. Humboldt Kosmos 1. 70.“ =- =-
Aufgabenſtellen erfordert, daß man ſelber über ihnen ſtehe und das
Rätrel bereits gelöſt habe, wel Der deutſche Lehrer muß ſich alſo nothwendig mit einem pro-
ductiven Fleiße anlaſſen; er muß Neues, Erfriſchendes, Stei-
gerndes für ſeine Schüler ſelbſt hervorbringen, muß aber die
rationelle Ergiebigkeit , die pädagogiſ Stoffes für Alle , und endlich auch no< deſſen Darſtellbarkeit,
deſſen Schönheitsbefähigung zugleih mit bemeſſen haben. Hier
beginnt aber allenthalben, in höheren und niederen Kreiſen,
das Jrren und Fehlen. =- = So werden no< immer und
überall Aufgaben gegeben, die überhaupt nicht lö8bar find, und
andere, die als längſt gelöſt betrachtet wurden, ſind in unſern
Tagen erſt neu aufgegeben worden. =- =- Was beweiſt dieß
Alles , als daß es alte und neue Shulaufgaben gibt, die dem
Einen als gute und paſſende Styl- und Sulexercitien er-
ſcheinen, während fie der Andere für größte Männer zu ſ der Dritte gar für unlösbar hält. Jede neue, oder unter neue
Geſichtspunkte geſtellte Aufgabe reiht ſich ſomit jenen Fragen
an, die erſt mit der Erkenntniß aller Wahrſcheinlic zelen und im Ganzen, für Groß und Klein zu beendigen find.“
-Ü. 1. w.
Der Vf. Zügen:
1) Weder copirt es den Organiſationsgedanken ähnlicher
Sculbücher , no< ſchreibt es ſolche für die einzelen Aufgaben

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