Samſtag , 12. Auguſt
llgemeine Schul- Zeitung.
„NF 96.

Was kann der Schullehrer zur Herſtellung eines guten
Schulbeſuchs thun ?
(Vortrag im Altonaer pädagogtſchen Berein.)
Wenn ich dem Altonaer pädagogiſchen Verein diefe Frage
in Vorſchlag bringe, fie als Antrag bei dem allgemeinen Hol-
ſteiniſchen Lehrerverein ſtellen zu wollen , ſo habe ich damit nicht
einen Tadel des Schulbeſuchs der holſteiniſc auszuſprehen beabſichtigt. Im Gegentheil freue ich mich viel-
mehr , keine Kunde darüber zu haben, daß Holſtein in die-
ſer Hinſiht gegen andere Länder zurücſtehe. Nach meinem
Dafürhalten hat aber der gute Shulbeſuc Leiſtungen der Volksſhulen zu einem nicht geringen Theil be-
dingt ſind , wie invandern Ländern, ſo auch in Holſtein mit
manderlei hemmenden Verhältniſſen zu kämpfen, und wird es
dem Lehrer oft ſ den guten Schulbeſuch ſtörend einwirkenden Verhältniſſe zur
Herſtellung desfelben ſeinerſeits das Rechte zu thun. Durch
Beantwortung der Frage: Was kann der Schullehrer zur Her-
ſtellung eines guten Schulbeſuchs thun? würde der Allgemeine
Holſteiniſche Lehrerverein zur Bildung der Schüler und Schüle-
rinnen holſteiniſcher Volksſc (Es iſt nicht meine Abſicht , indem ich -dieſe Frage als dem
Allgemeinen holſteiniſchen Lehrerverein zu ſtellenden Antrag em-
pfehle, bei der Beantwortung das Altonaer Volksſc berüfichtigen , weil die Verhältniſſe desſelben ganz eigenthüm-
licher Art. find. Daß in Altona's Volksſ guter Schulbeſuch *) ſtattfindet, hat ſicherlich theilweiſe in den
eigenthümlihen , Ihnen bekannten Verhältniſſen ſeinen Grund,
jedo< will ich es bei dieſer Aeußerung nicht unerwähnt laſſen,
daß die eigenthümlichen Verhältniſſe des Altonaer Volksſchul-
weſens andererſeits ja auch ſehr nachtheilig wirken, namentlich
bei vielen Kindern auf den rechtzeitigen Eintritt in die Volks-
ſchulen mit dem erlangten ſchulpflichtigen Alter , indem ſie mei-
ſtentheils zu lange in Kleinkinderſ gar in dew erſten Zeit ihres ſchulpflichtigen Alters allen Schul-
unterricht entbehren.
Der Lehrer wird zur Herſtellung eines guten Schulbeſuchs
das Weſentliche thun, wenn er ſich angelegentli nac) dem Y. 65 der im Jahre 1814 erlaſſenen „Allgemeinen
Schulordnung für die Herzogthümer Sc gebührend zu richten. Dieſer 3. lautet vollſtändig und wört-
lich ſo:-

*) So z. B. tſt in meiner Ober-Elementarclaſſe durchſchnittlich 5/5 der
Schülerzahl gegenwärtig, ſowol im Sommer, als im Winter.
Von 135 Kindern? 67 Knaben und 63 Mädchen, durc in dem Alter zwiſchen 9 und 12 Jahren, waren tn den betden er-
ſten Wochen na< den Oſterferien d. I., vom 24. April bis 6. Mai,
durc<ſ ren in der erſten Woc bis 17. Junt, gegenwärtig: 102, 106, 113, 109, 112 und heute
106 Kinder, alſo durchſchnittlich 108.
„Sculpflichtigkeit und Shulbeſu<. Die Sculpflihtig-
keit der Kinder hebt vom Anfange des ſechſten oder ſpä-
teſtens ſiebenten Jahres an und dauert bis zur Confir-
mation. Da aber die heranwachſenden Kinder, beſonders
die Knaben , des Sommers zur Feldarbeit mit gebraucht
und zu ihrem künftigen Beruf angeführt werden müſſen:
ſo können ſolche Kinder von dem ununterbrochenen S beſum des Sommers befreit werden , dom unter der Be-
dingung, daß ſie ſi) vorher bei ihrem Prediger melden
und von ihm die Erlaubniß , auf beſtimmte Monate oder
Wochen die Schule zu verlaſſen, erhalten , wobei der Pre-
diger beſonders auf den in den erſten Jahren bewieſenen
Sculfleiß RüFfiht zu nehmen, aum wo möglich die
Veranſtaltung zu treffen hat, daß ſie wenigſtens einige
Stunden wöchentlich, auch während der ihnen bewilligten
Ferien , die Schule zur Wiederholung des Erlernten be-
ſuchen. Jedo< liegt es dem Schullehrer ob, ſelbſt wenn
nur zwei Kinder die Schule den Sommer über beſuchen
möchten, den Unterricht fortzuſeßen.“
Es möge mir geſtattet fein, an dieſen 3. Folgendes anzu-
knüpfen. So viel mir bekannt, iſt in den Schulxegulativen
der einzelen Propſteien Holſteins feſtgeſeßt, daß die Schul-
pflichtigkeit der Kinder mit dem Anfang des ſiebenten
Lebensjahres beginnt. In der Stadt Segeberg, wo ich von
1840 - 46 Lehrer war , wurden damals vierteljährli< die 6jäh-
rigen Kinder in die Schule aufgenommen, na< der im Jahre
1846 neu erſchienen „Schulordnung der Stadt Segeberg“
halbjährli S. 27 diefer Shulordnung: „Damit nun keine ſchulpflichtigen
Kinder dem Unterricht entzogen werden, muß der geiſtliche
Sculinſpector ein Verzeichniß derſelben führen und dasſelbe
halbjährlim aus den Kirchenbüchern durch Hinzufügung der Na-
men der ſehsjährigen Kinder ergänzen, fowie von der Polizei-
behörde ſich die fremden Kinder angeben laſſen , die etwa hin-
zugekommen find. Dieſes Verzeihniß theilt er den Lehrern mit
und vergleicht es mit den von ihnen einzuſendenden Liſten.“
Mir will ſcheinen, daß für den guten Schulbeſuch ſc von Seiten des Lehrers gethan wird , wenn er ſic) bemüht,
halbjährlich die ſchulpflichtig gewordenen Kinder in ſeine Schule
aufzunehmen.
Hinſichtli< der Befreiung der heranwachſenden Kinder
von dem ununterbrohenen Schulbeju< des Sommers müſſen
zwar die Wünſche der Eltern den obwaltenden Umſtänden ge-
mäß in Uebereinſtimmung mit dem 8. 65 der „Allgemeinen
Sculordnung“ gern erfüllt werden, jedom möchte der Lehrer
im richtigen Zufammenwirfen mit dem Schulinſpector angele-
gentlihſt bemüht fein , daß Eltern dieſe Geſezesbeſtimmung nicht
mißbrauchen. Dabei iſt freili<) ein Verfahren mit Takt, Vor-
ficht und Freundlichkeit vom Lehrer erforderlich , einerſeits um
für die Erfüllung des Geſees zum Heil der Kinder fegensreich
zu wirken, andererfeits, daß dadurch zwiſchen ihm und einzelen
Mitgliedern der Shulcommüne kein geſpanntes Verhältniß oder
gar Unfriede entſtehe. Bei denjenigen Eltern, die ihre Kinder

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