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Nun iſt niht zu läugnen , daß ſol wieder unter Haufen von Spreu auch ein Waizenkörnhen zu
Tage gefördert haben, und ſolche köſtlihe Samen dem Anden-
ken der Nation zu erhalten , iſt Aufgabe und Zwe> der Antho-
logieen, die aus ihnen in Verbindung mit den Gaben der Dich-
terfürſten reihe Garben binden. Auch Kauffer's Sammlung
ſucht dieß zu thun, aber auch zugleich die poetiſchen Kindlein
des Herausgebers in die Welt hinaus zu ſenden. Die leßteren
find reicher vertreten, als die der hervorragendſten Dichter un-
ſerer Tage!! Geben wir zunächſt ein Urtheil über fie ab! Im
Ganzen poetiſches Talent bekundend, halten ſie die Mitte zwi-
ſchen den Schöpfungen der Meiſter und Handlanger, find Mittel-
gut! Tiefe der Erfindung geht ab, Haſchen na< ungewöhns-
lichen Bildern vermag dieſen Mangel nicht zu verdeen.
Sehen wir die Anthologie nun ſelbſt näher an, ſo haben
wir zuvörderſt des Titels wegen eine Bemerkung zu machen.
Hr. Kauffer nennt ſie: „Buch religiöſer Lyrik.“ Was er
darunter verſteht, weicht von dem gewöhnlichen Begriff inſofern
ab, als hier auch Liebes -, Wiegen- und alle möglichen Natur-
lieder mitbegriffen werden, bei denen es aller Bemühung uns-
geachtet, oſt nicht gelingen möchte, die religiöſen Beziehungen
aufzufinden. Die lyriſche Grun danſ eine religiöſe ſein , aber das iſt doch bei vielen Lyrikern nicht
der Fall, und ein Lied ohne dieſelbe iſt kein religivſes Lied
und darf deßhalb auch in keinem Bu religiöſer Lyrik ſtehen.
Wir meinen, daß das dom hö<ſt einfach ſei.
Hätte Hr. Kauffer ſeine Sammlung ein Buch der Lieder
genannt, dann ließen wir's gelten , um ſo mehr, als darin der
großen Mehrzahl nach reht treffliche Sachen gebo-
ten werden. Bei der Menge takt- und geſ wählter Anthologieen iſt Einem die Kauffer'ſche ein liebes Buh,
und nehmen wir auch troß dem oben Erwähnten keinen Anſtand,
dieſelbe zu. empfehlen. Nur iſt der Preis -- freilich: bei ſehr
guter Ausſtattung = immerhin ein hoher: geb. 1 Thlr.
25 Ngr.
2) Kernlieder der evangeliſm Veranlaſſung zum Gebrauche für Lehrer und Freunde des
Kir lang von I. Springer, 1854.
In dem Grade, als das Anſehen der kix nißſhriften. von neuem ſteigt, ſucht man auh die. alten Be-
fenntnißlieder der KirF ſ an der modernen Kirc glaubensfräftigen Geſängen des 16. und 17, Jahrhunderts zu.
Mit Recht, denn ſo ein Lied der alten Meiſter hat Saft und
Kraft, hat die Echtheit ſeines Inhaltes erprobt in allerlei An-
fe Geſchicßte ſolcher alten Lieder führt uns A. Hoehne in dem
vorliegenden Sh ben, ihre bibliſ Dichter angibt. Im Ganzen ſind auf dieſe Weiſe 38 Lieder
behandelt, natürlich ſolche, die einen „beſonderen Anlaß haben,
bei welchem die ewig wirkende Quelle derſelben, der heilige
Geiſt, ihnen das Maal des Glaubens und der Unvergänglichkeit
aufdrüFte.“ Die Arbeit iſt im Allgemeinen zu loben, die
Darſtellung lei “Bücher für Lehrer und Sculen..
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Vf. Studien über ſeinen Gegenſtand gemacht hat. So bereit-
willig wir dieß anerkennen , fo müſſen wir dom au eingeſtehen,
daß ſic) uns beim Durchgehens des Schrift aufgedrängt hat: „Viel Geſchrei und wenig Wolle!" Poetiſche
Gedankenbreittreterei ſoll oft den Gehalt des Inhalts erſetzen;
damit iſt aber wenig. gedient.
Die äußere Ausſtattung des Scrifthens iſt preiswürdig.
8) Joſeph, ein idylliſch - epiſches Gedicht in fünf Geſängen
von K. Dieterici. Tangermünde, 1853. Dru und.
Verlag der G. Dreger?ſ Begeiſtert dur< Klopſto>s Meſſias, greift der Dichter in
die Saiten, zu ſingen „den Mann, den Bruderneid aus der
Heimat trieb in ein fremdes Land -- do< der Herr erbarmte
ſich feiner, macht ihn mächtig und groß und lehrt ihn als Rache
die Großmuth“, == wenn auch nicht in rauſhendem Lied, doch
in den ſanfteren Klängen des epiſchen Jdylls. Daß ſich Jo-
fephb wol zum Helden eines folchen eignet, iſt keine Fragez
ebenſo wenig, als die Wahrheit der Bemerkung, daß ein ge-
Iungenes epiſches ZdylUl eine ſ gewöhnliches Talent erfordert. Wir kennen nur ein Gedicht
diejer Gattung , welches jenes Prädikat verdient; Dieterici's
Joſeph iſt dieſes nicht, ſondern Goethe's Hermann und Doro-
thea , womit das erſigenannte aber darin einige Aehnlichkeit hat,
daß auch bei ihm die Verſe theilweiſe etwas ſchlecht ſind. Nun
ſagt Platen über Goethe's Gedicht:
Holpricht iſt der Hexameter zwar; do bleiben der Stolz Deutſchlands, bleiben die Perle der Kunſt..
Nur den erſten Theil dieſes Urtheils möchte ich für den in
Rede ſtehenden Joſeph unterſchreiben, das aber darf ich mit
gutem Gewiſſen behaupten, daß man. dieſen immerhin mit
Vergnügen leſen und ihm eine genußreiche Stunde
verdanken wird. *) S...1.
Zur. Schulgeſchichte.
Berlin, Der Miniſter für geiſtliche, Unterrichts - und Medicinal-
angelegenheiten hat den Re alſ wald die Befugniß beigelegt, Entlaſſungs=Prüfungen abzuhalten.
M. P. 3.)
Poſen. Am 14. Zuni ſtarb dahier der Provinztäal-Sc D. Dr. Chriſtian Lucas, na< langen Leiden am Sclagfluß. Ex
iſt bekannt als pädagogiſcher Schriftſteller und Verfaſſer verſchiedener
==99>
Aus dem Anhaltiſ jüngſthin wieder die obere Leitung des geſammten Volksſchulweſens über-
tragen: worden, hat alsbald ein Rundſchreiben an .alle Geiſtlichen und
Scullehrer erlaſſen, in welchem es die Erſteren ermahnt, „zurückzutre-
ten auf den alten Felſengrund des Kirhenbekenntniſſes und ſich der
ihnen von Gott gegebenen Ueberordnung über die Lehrer nicht zu über-
heben," Den Leßteren hingegen, „ſich der ihnen gebührenden Unter-
ordnung nicht zu weigern.“ Zugleich wird die Wiedereinführung der
Generalviſitationen in Ausſicht geſtellt. (D. A. Z. +

*) Die Ausmalung der Verſuchung hätten wir weggewünſcht. D. R.

man 1/ A “GE Ef AM! us TESTE MA. 22 IAN m.k
Verantwortliche Redactoren:
Dr. K. Wagner und Dr. K. Zimmermann.
--“ Drutf und Verlag:von K. W. Leske in Darmſtadt.

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