Ällgemeine Schul-Zeitung.

Dienſtag , :29. Auguſt
185854
„N? 103.


Die Kaiſerc in dem neuſten Programm des großh. Gymnaſiums zu Mainz.
Am Schluſſe des Schuljahrs 18323 fanden im großh. Gym-
nafium zu Mainz vom 9. -=- 12. Aug. öffentlihe Prüfungen
und am 14. Aug, die mit einem Redeactus verbundene Preis-
vertheilung ſtatt. Zu beiden hatte der Director Dr. Grieſer
dur< ein Programm eingeladen, das auf den erſten 26 Quart-
jeiten eine Abhandlung vom Gymnaſiallehrer F. M. Gredy:
„Ueber die Kaiſerhronik, ein Gedicht des 12. Jahrh. Einige
Theile derſelben mit neuho kungen" und auf den folgenden 10 Seiten S enthält. Aus dieſen erſieht man, daß die Anſtalt in 8 Claſſen
366 Schüler zälte , von denen 269 Katholiken, 49 Proteſtan-
ten, 48 Jsraeliten, 242 geborne Mainzer, 91 aus anderen
Theilen des Großherzogthums, 338 Ausländer waren. Den
Unterricht ertheilten außer dem Director 11 ordentliche-, 3 Re-
ligions- , 4 proviſoriſche und Hilfslehrer und 1 Acceſſiſt; der
Lehrplan war folgender:






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vil. 2,10'- -| 81 4 - | 2 2 | 8|/- | - | 8 1 | 32
YI. 2/1 | -- | - 3 4 | -- 2 2 8 | - | - 8 1 2! 33
YL 2| 8 38 | -- 3 38 | -- 2 2 3 | -- 2 3 1 2 34
V. 2/|8/ 4] -- | 38|3. -/2)/2/2| 3838|] --| 2 |--1| 4| 2| 32
IV. 2..8|/14]--|3|!3/+|/2)/,21 22/104] 2|2/-111(2)| 3
IL 2,7/5/-/3|/|3/-/2)/3|/--| 4|/2/ 2|-1| 1/|(2) 32
II. 2/7/15/2/3|/|3/012))/ 2/1411 2| 2/-| 1/|(2)| 33
1. 2/71512'381L193/012l2/-(4|2|]-=-/-| 1/(2) 32





Die eingeflammerten Stunden find facultativ.
Der Hr. Vf. der voranſtehenden Abhandlung glaubt ſeine
Leſer „in eine wunderbar abwechſelnde Landſchaft mit anmuti-
gen Ruhepläßen und großartigen Fernſihten zu führen, über-
zeugt, daß ſie, wofern no< ihr Sinn für einfa ſtelte Schönheit empfänglich iſt, nicht unbefriedigt hinwegeilen
werden.“
Die Kaiſer geſponnenes Gedicht, ſcheint in der erſten Hälfte des 12. Jahrh.
in Oeſtreich von einem gelehrten Geiſtlichen verfaſſt, der jedoch
auc< von den Orten am Niederrhein und der Umgegend von
Trier einige Kenntniß gehabt haben mußte. Sie iſt im Jahr
1849 von H. F. Maßmann in 2 Theilen und wiederum von
Joſ. Diemer in Wien herausgegeben worden. „Sie zählt in
eigenthümlicher , mittelalterlich- und Kaiſer römiſchen, ausländiſchen , deutſ ſeit Romulus das römiſche Reich beherrſ einige Päpſte auf und fügt daran manche Erzählungen aus dem
claſſ. Alterthum, viele vaterlandiſche Sagen, vor Allem aber
einen reihen S ihren dichteriſ ſehr auseinander. Hr G. ſagt: „Wem Einfachheit bei Man-
nigfaltigkeit , Klarheit und Verſtändigkeit bei tiefer Empfindung,
Gemütlichkeit und Natürlichkeit bei Begeiſterung , Welt- und
Menſc Kraft und Gedrungenheit bei Lebhaftigkeit der Darſtellung und








bei einer für jene Zeit bedeutenden Geſchilihkeit der Durch-
führung, Anſprüche auf den Namen eines guten Gedichtes zu
geben ſcheinen, der wird mit uns die Kaiſerhronif auch als
ein dichteriſches Kunſtwerk ſehr hochſtellen.“ Um feine Leſer
für dieje Anſicht zu gewinnen, war Hr. G. bemüht, den Gang
des Gedichtes darzulegen, einzelne beſonders Theile vollſtändig aufzunehmen , in's Hohdeutſ gen und dur< kurze Bemerkungen zu erläutern. Er hatte „hier-
bei hauptſä mit der Kenntniß unſerer reichen Literatur Liebe zu derſelben
hervorrufen möchte.“ Troß dieſer wiſſenſchaftlich betrachtet ver-
dienſtvollen und ſehr danfenswerthen Arbeit hat Hr. G. mich
weder von einem höheren poetiſchen, no< von einem beſonderen
pädagogiſhen Werth des Gedichtes zu überzeugen vermocht.
Bei aller Merkwürdigkeit hinfichtlih ſeiner wunderlichen Ver-
flehtung geiſtlicher und weltliher Elemente ſcheint es mir viel-
mehr an dem gewöhnlichen Fehler der mittelalterlichen Poeſie,
einer oft unerträglichen Breite und Eintönigkeit zu leiden, ohne
durch Vorzüge ſc Zudem iſt in einer „Chronik“ die ohne Prüfung und Sichtung
Geſchic ander wirrende Zuſammenſtellung mindeſtens ſehr anſtößig und
oft wahrhaft komiſ<. Der poetiſche Chroniſt erſcheint dem Hrn.
GS. ſelbſt als parteiiſcher Erzälexr, wenn er, im Widerſtreit
mit der im JI. 1135, alſo gerade zur Zeit des Dichters , ge»

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