Dienſtag , 5. September
= ZZG 0-G-22 GGG ZZG GRRR
Lehrerverſammlung in Pyrmont.
Nachträgli< zur Ergänzung und Berichtigung deſſen, was
wir in unſerer Nr. 71 und 72 über die am 7., 8. und 9. Juni
in Pyrmont gehaltene „allgemeine deutſc berichtet haben, geben wir über dieſelbe auf den Grund der in
der „Allgem. deutſchen Lehrerzeitung“ Nr. 31 und 32 veröffent-
lichten Protokolle folgende nähere Mittheilungen. |
Vor Allem gebührt der Verſammlung die Anerkennung, daß
ſie durch ihre Haltung nicht nur Nichts gethan und zugelaſſen,
was irgend ein Mißtrauen in ihre rein pädagogiſmen Zwede
und ihre dienſteifrigen Beſtrebungen rechtfertigen könnte, ſon-
dern daß ſich vielmehr in ihr ein wolthuender Geiſt religivſer , vaterländiſcher Geſinnung, ein ernſter Eifer für Fort-
bildung, ein entſchiedener Sinn für Geſeßlichkeit und überhaupt
eine männliche Beſonnenheit geltend gemacht hat. Beſucht war
die Verſammlung im Ganzen von 833 Lehrern, von denen 1
aus S. Weimar, 2 aus S. Gotha, 3 aus Hamburg, 4 aus
Oldenburg , 9 aus Hannover, 43 aus Braunſ Lippe-Detmold und 37 aus Walde> waren. Die Begrüßungs-
rede hielt Pfarrer Röſener. Die erſte Beratung drehte ſich
um die Frage , auf welchem Wege die allg. deutſche Lehrerverſ.
exfreuliche Ergebniſſe erzielen könne. Ueber beide hat ſhon un-
ſexe Nr. 72 berichtet und geurtheilt, ob treffend, wiſſen wir
nicht zu ſagen. Ueber „Nuten , Weſen und Anfertigung einer
Sculſtatiſtik" entwi&elte Partikulier Herß aus Hamburg ſeine
Anſichten und wurden ſeine Anträge mit den Zuſäßen des Leh-
rers Schneider und des Cantors Kaßpohl aus Lage in
folgender Faſſung angenommen? „Die allg. d. Lehrerverſ. an-
erfennt die Wichtigkeit einer Sculſtatiſtik und will dahin wir-
ken, daß Regiſter von Thatſachen geführt werden, welche den
Zuſtand und die Leiſtungen der betr. Shule bezeichnen, und
daß jährlich aus dieſen Regiſtern vergleichende, ſtatiſtiſ ſammenſtelungen angefertigt werden. Die Herren Dr. M.
Sc ulze aus Gotha, Schneider und Kaßpohl werden ex-
ſucht , gemeinſam die Rubriken der zu regiſtrirxenden Gegenſtände
aufzuſtellen. Die Beauftragten legten in der Sißung des
nächſten Tages folgende Arbeit vor:
Hauptrubrifen: 1) S terrichtsmittel.
ad 1) öffentl. oder Privatſchulen, getheilte , ungetheilte,
gemiſ (ob vom Staat, der Kirche, Gemeinde , einem Patron oder von
milden Stiftungen gewährt)
ad 2) Wie viele Lehrer oder Lehrerinnen ?
(Frauen-). Nebendienſte (für Kirche oder Gemeinde).
alier. Vorbildung der Lehrer.
ad 3) Wie viele Schulkinder? Aufnahme in die Sc Wie viele verſtehen davon bei der Aufnahme hochdeutſch ?
Sculverſäumniſſe (erlaubte, unerlaubte).
Schulvorſtand
Dienſt-
1854
NE 106.

ad 4) Apparate, Lehr- und Lernbücher, Bibliotheken (Lehrer-,
Schüler-, Volks-) Conferenzen (freie, amtliche), Leſezirkel (ſelb-
ſtändige, offizielle). Welche Journale 2e. werden geleſen ? Bil-
dungganſtalten (Induſtrie- , Fortbildungs - , Kleinkinderſ Geſangvereine , Turnanſtalten, Schulfeſte (ernſte, heitere, ſtif-
tungsmäßige, freie).
Auf den Grund des von Tiedemann aus Hamburg ge-
haltenen Vortrags über den Geſ Volksſ wurden folgende Säße angenommen: |
1) der Zwe des Geſchichtsunterrichts in der Volksſchule iſt
a) die geſammte geiſtige Bildung zu fördern und b) die
Shulen für das Leben vorzubereiten (nam Tiedemann).
2) E68 fommt hierbei nicht ſfowol auf einen umfaſſenden Um-
riß der ganzen Geſch. , als auf eine lebensvolle Auffaſ-
ſung der wichtigſten Geſchichtsgruppen an, die dem Zweck
der Schule dienen und das Jntereſſe der Schüler weden.
(Schulze).
3) Der Lehrer muß zu dieſem Zwee ſich eine genügende
Kenntniß der Volkswirtſchaftslehre verſchaffen. (Tiede-
mann).
4) In ſolhen Shulen, in welchen für d. Unt. in d. Geſch,
feine beſonderen Lehrſtunden fich erübrigen laſſen, hat
derſelbe ſih an den Unterricht in der Geographie und der
Religionsgeſc 5) Die Vaterlandsgeſch. iſt zwar beſonders zu berücdſichtigen,
aber nicht einſeitig der allgem. Geſch. vorzuziehen. Als
Stufen werden aufgeſtellt : biograph., vaterländ. und all-
gemeine Geſch. (S 6) Gleiche Einſeitigkeit iſt rüFfichtlih einer Beſchränkung
der Geſch. auf bibl. und Religions8geſ<. zu vermeiden,
(S 7) Geographie und Geſ<. müſſen in wechſelſeitiger Beziehg.
* ſtehen, dürfen aber nicht völlig combinirt werden (Sulz e).
83) Die Verſammlg. empfiehlt die Methode für den Geſchi jo weit möglich. (Jenſen).
9) Wir haben beim Geſchichtsunt. die Kinder zu befähigen,
dur< Lectüre ihre Geſchic (Sculzt) zu erweitern und zu befeſtigen (Shaper).
In Betreff des Turnens wurde nach lebhafter Beſprechung
folgender Antrag von Steinberg aus Wolfenbüttel angenom-
men! „Die allgem d. Lehrerverſammlung empfiehlt das Turnen
nac Spieß für alle Schulen, ſowol für Knaben, als
Mäd Nach einer von Jenſen gehaltenen Anſprache über den
Geſangunterricht in der Volksſchule wurden folgende An-
träge angenommen:
1) Die gegenwärtige Verſ. empfiehlt der folgenden in ihrer
Mitte au< für die Pflege des mehrſtimmigen Geſanges
nac< Möglichkeit zu ſorgen. (Schulze).
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