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matiſiren fo man Fänden, wodurch über dem Entfernteren ſo oft das Nahe ganz
überſehen werde , abgeholfen, und dieſer Unterricht nicht bloß
belebt , ſondern auch nußbar für das Leben gemacht. -- Weiter
beſchloß man, die Gründung eines Lehrerleſevereins mit der
Beſtimmung, daß, wenn die Jahresbeiträge der darum
angegangenen Gemeinden zu den Anſchaffungen ni reichen ſollten, jeder Lehrer 24 kr. jährlich dazu verwilligen
ſolle. =- 2) die nächſte Conferenz zur Vornahme einer Unter-
ric erböte, da diefelben in die Statuten nicht aufgenommen waren.
Hr. Lehrer Veith zu Berſtadt übernahm eine ſolche. Leider
wurde aber dieje am 15. Juni d. J. vorgenommene Uebungs-
conferenz wegen ſehr ſchlimmer Witterung nur von 7 Mitglie-
dern und 2 Gäſten beſucht. Hr. Veith hielt, nachdem er über
das Glei hatte , noF einen Vortrag Über „die Abnahme der Liebe zur
Religion , und ob und inwiefern die Schule dazu mitgewirkt
habe.“ Man erkannte an, daß der Gegenſtand in unſerer Zeit
von beſonderer Wichtigkeit ſei , und daß die Arbeit von vielem
Nachdenken über den Gegenſtand zeuge, glaubte aber ebenjowol
wegen ſeiner Bedeutſamkeit, die nicht geſtattete, ihn zu Ende
zu führen , als auch wegen der geringen Anzahl der erſchienenen
Mitglieder ihn auf die folgende Tagesordnung no und für dieſelbe in dem Hrn. Lehrer Hahn zu Röthges einen
Opponenten beſtellen zu ſollen.
So hätte ic denn ein Bild Ihrer bisherigen beiderſeitigen
Conferenzthätigkeit vor Ihnen entrollt. Wir können uns dar-
über nicht täuſchen , daß unſere Conferenzen ſhon nach verſchie-
denen Beziehungen Früchte getragen haben, daß aber auch ein
weites Feld zu bearbeiten noh vor uns liegt, und daß, um es
an- und auszubauen, ein Jeder Etwas von dem Seinen geben
muß, denn das iſt billig, daß der, welcher ſelbſt empfangen
will, auß zum Geben bereit ſei. Je mehr Leben daher auf
unſeren Conferenzen herrſcht, je offener ſiß ausgeſprochen wird,
je mehr man frei von allen kleinlihen Perſönlichkeiten und reiz?
barer Eitelkeit ſtets nur die Sache im Auge hat, die gute
Sache, den ſ dung, um ſo mehr werden aus jolhem Verhalten unſere Con-
ferenzen und alle Mitglieder auf ihnen gewinnen. Laſſen Sie
uns Alle uns dazu die Hände bieten!
Zur Schulgeſchichte.
Berlin. Der evangeliſ einex unter dem 17. Juli an die k. Conſiſtorien erlaſſenen Cir-
cularverfügung darauf hin, wie die vermehrte Fürſorge, welche
in den letzten Jahren den Zuſtänden der Evangeliſchen in der
Diaſpora zugewendet worden iſt, an den verſchiedenſten Punk-
ten die Übereinſtimmende Wahrnehmung hat machen laſſen, daß
außer der geiſtlihen Stärkung, welche dem öffentlichen Leben
in der Diaſpora durc; die Ausſendung von Reiſepredigern,
Pfarrverweſern und Pfarrgehülfen zugeführt werden kann, ins-
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beſondere die Sorge für eine geordnete Unterweiſung der
Kinder in den Grundlehren des evangel. Bekennt-
niſſes von der vornehmſten Wichtigkeit iſt. Um den Beſikſtand
der evangel, Kirche in Anſehung dieſer durc lihe Beſtimmung ihr zugehörigen Kinder zu erhalten und zu
ſichern, erklärt die Cireularverfügung die Gründung eigener
Confeſſionsſ Cinrihtung von Wanderſchulen , unbezweifelt für das geeignetſte
Mittel. Da aber die Zuſtände in der Diaſpora zum Theil
von der Art ſind, daß Beides nicht zu erreichen iſt, ſo ſoll
wenigſtens darauf Bedacht genommen werden , daß die evangel.
Kinder nicht ohne eine Gegenwirkung den EindrüFen überlaſſen
werden , die ſie in einer fremden Confeſſionsſchule empfangen.
Da die Gegenwirkung in den Familien ſelbſt ſich keineSwegs
allgemein findet, ſo gibt der Oberkirhenrath Andeutungen , in
welcher Weiſe ſie herbeigeführt werden kann. Bereits in einem
früheren Erlaſſe von dem 25. Auguſt v. J. war darauf hinge-
wieſen worden, daß die Geiſtlihen in der Diaſpora da, wo ſie
nicht ſelbſt regelmäßige ſonntägliche Gottesdienſte abzuhalten im
Stande find, einen ten Hausvater aufzufinden
bemüht fein möchten, um den ſich die wenigen Evangeliſchen
des Drts ſammeln und ſich in einem erweiterten Hausgottes-
dienſte durch Leſung einer Predigt, Scriftvorleſung, Geſang
eines Liedes und gemeinſ Aufforderung hat an manchen Orten bereits gute Früchte zu
tragen begonnen, und es wird die Ueberzeugung ausgeſproen,
daß daraus mehr und mebr eine geſegnete erwachſen werde. Dieſelbe Weiſe wird nun auch für die Unter-
weiſung der evangel. Kinder in der Diaſpora dringend empfoh-
len. (Berl. Nachr.)
Augsburg. Dr. Chriſtoph v. Smid, der als glüd-
licher, zu praktiſcher Frömmigkeit erziehende, beſonders durc<
ſeine Kindlichkeit und Gemütlichkeit in den weiteſten Kreiſen
berühmte Jugendſc den lezten Monaten durc< den Verluſt theuerer Familienglieder
erſchüttert, iſt am 3. Septbr. nach kurzem Krankenlager auch
dahingeſchieden. Der Segen und die aufrichtige Verehrung
vieler Tauſende, niht bloß in Deutſ Eine franzöſiſche Ueberſezung ſeiner Erzälungen ward ſ 1842 für den Grafen von Paris veranſtaltet; andere franzöſ.
und engl. Ueberſezungen folgten nam. Schmid war am 15.
Auguſt 1768 zu Dinkelsbühl in Mittelfranken geboren. Sein
80. Geburtstag wurde in Augsburg mit einem finnigen Feſt
begangen. Seine ſchöne Eigenthümlichkeit tritt am reinſten
und lieblichſten in ſeinen früheren Schriften (Oſtereier , Weih-
nachtsabend , Kanarienvogel, Täubhen, Ludw. der Auswande-
rer 20.) hervor, wogegen einige ſpätere ( Roſenſto> , Karthäufer-
kloſter , Adelh, v. Thalheim) confeſſionelle Färbung und Ten-
denz haben. Do< wird in allen das Walten göttlicher Gereh-
tigkeit auf Erden zur Anſ London. (Zur KLiteraturgeſch.) „Paſcal's Geiſt war der Geiſt des
h. Bernhard, aber die Feinheit ſeines Witzes , die Reinheit, die Energie,
die Einfachheit ſeiner Rhetorik haben niemals ihres gleichen gehabt,
außer in den großen Meiſtern attiſcher Beredſamkett.“
Macaulay 11, 74.

Verantwortliche Redactoren: Dr. K. Wagner und Dr. K. Zimmermann. =- Dru und Verlag von K. W. Leske in Darmſtadt,

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