Allgemeine Schul- Zeitung.

Samſtag , 9. September
1854
„YE 108.



Erzherzog Stephan.
Dem Verdienſte ſeine Kronen!
Aus Naſſau. =- In Nr. 73 der Allg. S unter den Beiträgen „Zur Schulgeſchichte“ eine Mittheilung,
die der liebevollen Herablaſſung Sr. k. Hoheit des Erzher-
z0g8 Stephan (in Schaumburg) zu der Sculjugend gedenft
und in wenigen Zügen ein Bild dieſes hochherzigen Fürſten
entwirft. I< bin im Stande, dieſes Bild etwas weiter aus-
zuführen; will aber dabei niht ausmalen , wie väterlic< geſinnt
der Erzherzog für ſeine Untergebenen iſt, nicht berechnen , wie
bedeutende Summen er zur Hebung und Linderung der Armut
verwendet, nicht erzälen, wie er bald da, bald dort ein länd-
liches Feſt veranſtaltet, auf dem ſich ſeine Leute bei und mit
ihm vergnügen ; ich will auch niht dabei verweilen, wie es ihm
eine Luſt war , eigenhändig ein Zimmer für die jungvermälte
Tochter ſeines Verwaltungsbeamten zu weißen und zu tapeziren,
und er nicht abließ, zu forgen, bis das Zimmer recht einladen-
des Ausſehen hatte. Das Alles will ih nur angedeutet haben
und einzig des Fürſten Verhältnis zur Jugend und ihren Leh-
rern etwas näher ſ Für die Kinder ſeiner Diener hält er zwei Lehrer, die er
mit Rat und That unterſtüßt. Alle möglichen Lehr-Hilfsmittel
ſchafft er an, wohnt dem Unterricht öfters bei, bald jelbſt un-
terrichtend , bald bloß zuhörend. Iſt die Schule geſhloſſen,
ſpielt er mit der jungen Schar, hält es ſogar nicht unter ſei-
ner Würde, ſich mit den Kleinen auf dem Boden herumzutum-
meln. Naht die liebe Weihnachtszeit, ſo läßt er ganze Wagen
voll Spielſachen , nüßlicher Geräte, Bücher u. dgl. naG Shaum-
burg kommen, wält das Schönſte und Entſprechendſte aus,
pußt mit liebender Sorgfalt einen großmächtigen Chriſtbaum
auf =- und ſchlägt dann die heißerſehnte Stunde, dann weidet
ex ſich in ſtiller Seligkeit an dem Jubel der überglülichen
Kinder.
Aber nicht bloß für die Kinder ſeiner Hofbeamten und
Diener hat der edle Fürſt ein Herz voll Liebe: der ganzen
Grafſchaft iſt er Jugendfreund. Ex wohnt allen Sculprüfun-
gen bei und nimmt an der geiſtigen Entwi>elung der Zöglinge
den regſten Antheil, Die Lehrer erfreuen ſich nicht nur anſtän-
diger Beſoldungen, ſondern finden fich bei treuer Dienſtführung
hochgeachtet und geſhäßt. Einen der zuleßt in der Grafſ Angeſtellten ließ er in 4ſpänniger Hoffutſc nen Stelle abholen; Anderen ſchafft er theuere naturwijjen-
ſchaftliche 26. Schriften an und ſucht ihnen -- da ex ſelbſt eine
ſehr gediegene wiſſenſchaftlihe Bildung beſißt =- freund/ lichſt das Verſtändnis derſelben zu eröffnen oder do dium zu erleichtern. Einer Sc er den Lehrer in einer gedrü&ten Stimmung. Kaum hat ex
dieſe bemerkt , ſo forſcht er auch ſchon heimlich nac< der Urſache
und hört, daß der Mann durc< die Schuld eines Anderen um

er <== 2 22 2Z=T
ein ſauer erſpartes Capitälhen gekommen. Nac< Shaumburg
zurügekehrt , ſendet er dem Lehrer die verlorne Summe als
„Zeichen der Zufriedenheit“ mit den Leiſtungen des Mannes.
Schön iſt's wolzuthun, aber dreifach ſchön, wolzuthun auf ſolche
Weiſe ! = Damit mag's genügen; das Mitgetheilte beſtätigt es
hinlänglih, was die erwähnte Mittheilung ſagt: „Erzherzog
Stephan findet feine Aufgabe und ſein Glü> darin , hei Spar-
famfeit an ſich, in weiſer Freigebigkeit und gemeinnüßiger Thä-
tigkeit GlüF> und Freude um ſich zu verbreiten.“
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Geographiſches.
Der vor Kurzem in 2 Auflage erſchienenen wunderlieblichen
Dichtung von Wolfgang Müller: „Prinz Minnewin. Ein
Mitteſommerabendmärchen. Köln, 1854. Verlag der M. Du
Mont-Scauberg'ſhen Buchhandlung“ entnehmen wir folgende
Genrebild 1.
Waldeinſamkeit.
Mein Ovenwald, du biſt ſo grün,
wie bringeſt du das Herz zum Blühn! --
Wer Wälder liebt, der wandle mit!
I< lenke jeßt den rüſt'gen Schritt
zu dunkelgrünen Baumbezirken.
Die Eichen ſtehn in ſtolzer Kraft,
die Buchen blank mit glattem Saft,
es leuchten hell die weißen Birken,
Aus allen Kronen kommt ein. Duft
ſo herb und friſch und ſtark geſ rings rauſcht es dur< die Morgenluft:
Das-Alles tönt uns ein Willkommen.
Gleich wie berauſcht zieh? ihm die Bahn?
hinſtürmend durc; den Thymian,
erwe> ic< wilde Wolgerüche;
die goldnen Käfer fliehn empor,
der bunten Schmetterlinge Chor
verläßt die füße Kräuterküche;
in's fabelhafte Farrenfraut
entſchlüpft die Eide die Schlange, die dem Lärm nicht traut,
ſchnellt in's Geſtein gleich einem Pfeile,
Auch in den Wipfeln wird es frei:
es flieht mit gellendem Geſchrei
der Häher hin, die Plaudertaj am feſten Holze klopft der Specht,

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