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gleichwie ein Förſter, dem's nicht ret,
daß ſein Revier ich überraſche.
Ei ſiehe, welch? ein toller Gruß:
das Eichhorn, koboldgleich, vom Aſte
trifft mich mit einer holen Nuß
und birgt ſi wieder ſchnell im Baſte! == =-
2.
Böhmen.
Ein ſeltſam Land! Es hebt ſich hier,
es fenkt fi< dort, =- ein wild Revier,
von Berg und Thälern ſchroff zerklüſtet.
Felsfämme ſind der Adler Horſt;
dumpf rauſ der ſic) an öden Halden lüftet ;
Waldſtröme ſchreien jäh im Fall
durc< ewig ſtille Einſamkeiten:
Zauber beſ.ileiht eu< überall
in dieſen wunderbaren Weiten !
Dazwiſchen aber geigt und ſingt
ein ſ oft in den Thälern und den Bergen;
es rauſ bald ſ von Rittern , Frauen, Hexen, Zwergen.
Wohin ihr kommet, nah und fern,
da hört ihr Zauber , Sagen, Wunder,
8.
Die Zigeuner.
Mein Lied bringt eu< in andre Welt,
zu einem Volk, das Wald und Feld
zu feinem Wohnſitz auserkoren,
das ewig in die Ferne ſtreift,
das raſtlos hier- und dorthin ſ nicht wiſſend, wo es ward geboren.
Es lacht, es ſingt, es geigt, es ſpringt
Nachts um die luſtgen Reiſigfeuerz;
Tags ſchläft es. Alle Zeit verbringt
es nur dur< leichte Abenteuer.
Wo iſt ſein Reiß, wo iſt ſein Staat?
In aller Welt! -- Wo hält es Rat?
Auf brauner Haide! =-- Nenn den Namen!
Die flüchtigen Zigeuner ſind's,
die wilden Söhne jedes Winds!
Es iſt ein weit verſtreuter Samen.
Ihr Lager findet ſiß zumeiſt
auf ſc drum liebt ihr ungebundner Geiſt
das wald- und hügelreihe Böhmen.
Die träge Ruh, die matte Raſt
iſt nicht für ſie, ſie ziehn in Haſt
der Wandrung Seligkeit zu ſchlürfen.
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Sie klopfen ſelten an ein Thor;
auf allen Fluren ſprießt empor,
was ſie zur Lebensluſt bedürfen.
Ein buntes Flickwerk iſt ihr Kleid,
ihr Shmu> iſt glänzend eitler Flitter,
do< dünkt ſich Edelfrau die Maid,
der Burſche dünkt ſich edler Ritter.
Sie heben voller Stolz und Mut
ihr Haupt empor, wie jeder thut,
der ſim berühmet hoher Ahnen.
Dem tiefen Drient entſtammt
iſt ihr Geſchleht. Ihr Auge flammt,
wenn ihre alten Lieder mahnen
an die vergangne ſ<öne Zeitz;
ac Do jo macht ſie no< die Seele trunken.
Wie fabelhafte Märchen ſind
ſie ſelbſt. = = == == == == ==
Dieſen Bildchen reihen wir no< ein Wort. an die Leh-
rer von Müller an:
Kein Morgen leuchtet aus der Naht,
fein Abend ſtralt zur Ruh dem Tage,
es blinkt fein Thau, kein Stern in Pracht,
daß er dem Kind ni drum dien es Euch zur höchſten Luſt,
daß Ihr des Zöglings junge Bruſt
für die Natur re und öffnet für die *ſ<öne Welt,
für Aether, Wald und Fluß und Feld
den Sinn , der blumengleich erblühet!
S>..1
Liederbücher.
1) Liederbuch für Schul - und Volksgeſang in Worten und
Weiſen , als Grundlage des Geſangunterrichts in Bürger-
und Landſ Alters eingerichtet und hr8g. von W. Meyer. Ill. Hft.
75 Lieder und 10 Canons. Hannover, Hahn, 1854.
(Ueber Heft 1. und U. vgl. A. S. Z, Nr. 6 und 28).
Die Auswahl der Gedichte in vorliegendem Hefte iſt theil-
weiſe eine glüFliche zu nennen. Es fehlt ni und an trefflichen, alten und neuen Liedern. Wir erwähnen z. B.
Nr. 2. Ermunterung, von I. G. Jacobi, Nr. 3. Wer's weiß,
von R. Reini>, Nr. 5. Die Monate, von Bittkow, Nr. 6.
Frühlingsgeinzug, von W. Müller, Nr. 21. Das Glü>s der Vögelein,
Nr. 30. Es iſt ein Schnitter, der heißt Tod , Nr. 41. Das
koſtbare Blümchen, von C. B. Garve, Nr. 48. I< bin vom
Berg, von Uhland, Nr. 53. Es kann ja nicht immer ſo blei-
ben, Nr. 54. Freut euch) des Lebens, Nr. 56. Was frag' ich
viel na; Geld und Gut, Nr. 57. An die DorfgloFe, Nr. 74.
Die Hoffnung, von Em. Geibel.
Bei der Aus8wahl der Gedichte im Ganzen iſt eine Vorliebe
für leichtere und freundlichere Texte ni

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