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zwar in der Vorrede zum 1. Hefte geſagt, daß die Sammlung
auch Lieder von bleibendem Werth für's Leben enthalten foll,
doh dürfte es ſchwer fallen, viele derartige Lieder in gegen-
wärtiger Sammlung herauszufinden. Die Trallerliedhen mögen
hie und da in der Schule ganz gut an ihrem Plaße ſein,
vorausgeſeßt, daß ſie in Wort und Ton nicht leer und ſchal
find. Wir wollen ſie auch dem Kinde nicht entzogen wiſſen,
Sie mögen zur Unterhaltung dienen, die Müden beim Spazier-
gange neu beleben u. ſ. w. Einer mächtigen Einwirkung auf
das junge Gemüt ſind ſie jedoch nicht fähig, und ic dächte, die
tiefer gehenden, das Gemüt ergreifenden Texte müßten Die
Mehrzahl bilden , wenn der Jugend ein ſittliher Gewinn aus
dem Singen erwachſen ſoll.
Der Sammler von Jugendliedern, der von einer höheren
Idee geleitet wird , der genau das Feld kennt, das er bebauen
will, dem klar iſt, was in den Kreis der Jugend gehört, welche
Saiten er hier anſtimmen kann und ſoll, dem wird es nicht
ſHwer fallen , das Rechte zu finden und das Zuſammengehörige
auch wol zu ordnen. Eine gute Eintheilung erleichtert einer-
ſeits den Gebrauch eines Sammelwerks, anderntheils gibt ſie
Kunde von der Ein- und Umſi welchem Plan die Lieder in vorliegendem Heft geordnet wurden,
iſt nicht klar zu erſehen. Die Jahreszeiten ſcheinen die Ein-
theilung vermittelt zu haben. Do< wie dem au< ſei, manche
Seite des Jugendlebens, ſowie insbeſondere der Schule iſt nicht
berührt.
Was die Melodieen betrifft, ſo iſt auc< hier viel Schönes
und Trefflihes zu finden. Von den Melodieen des Herausge-
bers, etwa 18 an der Zahl, find einige ganz hübſ< und paſſend,
andere zu ho<, wie Nr. 26. Auf dem See, Nr. 52. Guten
Morgen , Spielmann, manche nichtsfagend , wie die Mel. zu
dem ſ<önen Gedicht von W. Hey, Nr. 69. Kindes-Cvangelium,
andere nur halb dem Herausg. gehörig. Nr. 14. z. B. Veil-
hen und Mädchen, enthält nur 4 Takte, die etwa Hrn. M.
zugehören, das Uebrige iſt der Refrain des trivialen Liedes der
Nancy aus Martha von Flotow. Nr. 73. Der Abſ von „W. Meyer nac< Mendelsfohn“ , d. h. die beiden erſten
Tacte ſind von Mendelsſohn , aus dem ſc<önen 4ſtimmigen Liede :
„Es fiel ein Reif in der Frühlingsna Hr. M., die nächſtfolgenden 6 wieder von Mendelsfohn , die 8
lezten von Hrn. Meyer. Zu dieſer Art von Compoſition kön-
nen wir Niemand für berechtigt halten. Entweder unverfälſcht,
oder gar nicht, das muß die Richtſ Compoſitionen Anderer , namentlich anerkannter Meiſter , ſein.
Dieſer Vandalismus iſt aber auch ein Unrecht gegen die Kinder.
Abgeſehen davon, daß ihnen bekannte ſcgöne Melodieen falſch
und entſtellt eingeprägt werden, erhalten, ſie Melodieen die
keinen Zuſammenhang, keine Einheit und keine Wärme mehr
haben. Dagsſelbe gilt von vielen der im Heſte aufgezeichneten
Volksliedern, die mehr und weniger willkürlih zugeſtußt er-
ſcheinen.
Unter den Melodieen, die beſtimmten Componiſten zugehö-
ren, zeihnen ſicß die von K. M. v. Weber, Silher, P. Sc Ana&er, Louiſe Reichardt u. f. w. aus. Daß bei Nr. 29.
„Wachtelwacht“ der Name Beethoven, nebſt ?, ſteht, kommt
wol daher, daß Beethoven den „Wactelſ B. ſcheint an der vorliegenden Melodie fehr unſ Troß den gerügten Mängeln, dürfen wir dem Herausg. das
Lob ſpenden, daß er in KLiebe geſammelt und gepflanzt hat.
So mögen denn auch ſeine Lieder Liebe und Duldung erfahren
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und ſeien aum von uns namentli< allen ſelbſt ſorgfältig und
umſichtig prüfenden Lehrern beſtens empfohlen. CG. MN.
2) Neuer Liederhain. Sammlung mehrſtimmiger Lieder für
Schule und Haus. 2. Abth.: Jünglings- und Männer-
lieder, für Männerſtimmen geſeßt. 1. Heft (38 Nummern),
Il. Heft (32 Nummern). Hannover, Hahn, 1854.
Gegenwärtige Sammlung will „den herrlihen Shaß unſe-
rer Volkslieder dur) die Jugend zum lebendigen Eigenthum
unſeres Volkes machen.“ DSie will „nur ſolche Lieder und
Weiſen enthalten , welche von der Jugend gern geſungen werden.
Den eigentlichen Volksliedern will ſie aus der Gattung des
ſogenannten Männergeſangs eine Anzahl der ſchönſten Lieder
beigeben, wel reihen ſollen.“ Die Sammlung enthält wirklich manches treff-
lihe Volkslied, manchen herrlihen Männer Volksliedern bringt ſie: (Heft 1.) Aennhen von Tharau, Wohl-
auf no< getrunken, Jeßt gang' i an's Brünnele, Die Shwäl-
ble ziehen fort, Es ritten drei Reiter, Scweſterlein, So her-
zig wie die Schwaben, Steh ich in finſtrer Mitternacht u, |f. w.
(Heft 11.) Vom hoh'n Olymp, Soviel Stern am Himmel, Der
Mai iſt gekommen , Muß i denn zum Städtele 'naus, Es zo-
zen drei Burſche, Es fiel ein Reif, Kein ſ<ön'rer Tod, Hoch
vom Dachſtein u. f. w. Von andern Geſängen hat ſie aufge-
nommen: (Heft 1.) Was iſt des Deutſchen Vaterland , von Rei-
hardt, =- Märznaht, Kapelle und Sonntagslied von Kreuzer,
-- Integer vitae, von Fleming, =- Unter allen Wipfeln,
von Kuhlau, =- Wanderſ von Stunt , Jäger-Abſchied von Mendelsſohn u. ſ. w. ==
(Heft 11.) Morgenlied und Felſenkreuz von Kreußer, der ziem-
lich ſchwere Studentengruß, von Berner, =- Freiheit, die ich
meine, von Groß, =- DO ſäh' i< auf der Haide dort, von
Küken, =“ Raſ Schwert, von K. M. v. Weber, --- die Himmel rühmen, von
Beethoven, -- (4ſtimmig von H. Schäffer), Sommerlied von
Mendelsſohn u. |. w. . .
Sind au< manche herrliche Weiſen und Tonſäße hier ver-
einigt, nur etwa die Hälfte dürfte ihres Textes halber fich
ſpeciell für die Jugend eignen. Lieder , wie:
Es hat e Baur e Töcterli,
Mit Name heißt es Baäbelt,
(Es hot zwei Zöpflt, "gelb wie Gold ;
Drum iſt ihr auch der Dursli hold u. ſ, w.
oder?
Sie ging zum Sonntagstanze,
Schsn tlang Muſikgetön,
Und fie im grünen Kranze,
Sie war ſo wunderſchön.
Heut, dacht? ic< , kannſt du's wagen,
Du kannſt ja mit ihr gehn,
Ihr dieß und jenes jagen
Und ihr dein Herz geſtehn u. ſ. w.
werden ſi< wol ſonderbar genug im Munde eines Sc ausnehmen. Wäre die Sammlung für Männergejang-Vereine
beſtimmt, , hätten wir im Allgemeinen gar nichts gegen mehr-
ſtimmige Liebes-Volkslieder einzuwenden, wenn die Texte nur
nicht fade, die Melodieen von Bedeutung und die Tonſäße

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