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entſprechend ausdru>svoll in jeder Stimme und korrect find.
Was aber ſoll das Liebeslied und namentlich die angeführte
Sorte in der Schule? -- So ſchön der Gedanke iſt, die Ju-
gend mit unſern beſten Volksliedern bekannt zu machen, ſo
muß dieß dom mit Vorſicht geſchehen und „Alles am re ten Ort und zur rechten Zeit“, iſt ein hier nicht genug
zu beherzigender Grundſaßb, Findet, ihr jugendfreundlichen
Sammler, denn nicht hinreichenden Stoff unter den Liedern,
die dem Vaterland, der Heimat, der Jugend, der Natur, der
Erbauung, dem Preiſe des Schöpfers gewidmet ſind? Laßt
alle übrigen beiſeit, modelt auch niht an den Texten, um ſie
der Jugend mundgereht zu machen, macht die Lieder zu nichts
anderem, als was fie urſprüngli< find. Sind ſolche der
Jugend nicht angemeſſenen Lieder ſchön, dann iſt jpäter auch
no< Zeit, und zwar dann erſt die rechte, ſie kennen zu lernen,
Laßt aber jedenfalls, wenn die rechte Luſt am Singen gedeihen
ſoll, die Jugend nichts ſingen, was nicht in ihren Kreis ge-
hört, nichts fingen, wobei niht Text und Muſik von Hauſe
aus innig verwachſen ſind, verzichtet lieber auf die j<önſten
Gedichte und die älteſten Melodieen ; ſorgt dafür, daß beim
mehrſtimmigen Singen alle Stimmen möglichſt melodiſchen
Fluß und einen dem Text entſprechenden Ausdru> haben, oder
gebt lieber alle Mehrſtimmigkeit auf.
Einige Drufehler, die mit unterlaufen, werden harmonie-
fundige Lehrer leicht verbeſſern. Sachverſtändige werden bei
Nr. 11: Ih fahr? dahin, und Nr. 26: Der liebſte Buhle,
angeblih aus dem 15. und 16. Jahrhundert, gerechten Zweis
fel hegen, ob Melodie und Tonſaß, ſo wie ſie hier ſiH finden,
wirklih ſo alt ſind, da die Kennzeichen jener Zeit ihnen
fehlen.
Der Jugend dieſe Sammlung zum Gebrau< zu übergeben,
müßten wir entſchieden mißbilligen =- den Lehrern aber und
Leitern yon Geſangvereinen ſei die Sammlung empfohlen ; weit
dieſe, wenn auch nichts Neues, doMG manches gute alte oder
Do< ſc oder in Gefang-Vereinen benußt werden kann, C. NM.
Zur Schulgeſchichte,
Berlin. In der Verſammlung der Geſellſ deutſ bielt Hr. Dr. Michaelis einen ausführlihen Vortrag über
die deutſ theils durch die Bedürfniſſe des Elementarunterric dur< den gegenwärtigen Standpunkt der Sprachwiſſenſchaft
und endliH dur< die Entwi&elung der Ausbreitung der Stol--
ze7ſchen Stenographie eine Vereinfahung unſerer Rechtſ bung dringend geworden ſei. Es haben ſich in Folge deſſen
au< in neuerer Zeit ſehr gewichtige Simmen für eine ſolche
erhoben, ſo namentliH< v. der Hagen in der Akademie der
Wiſſenſhaften, Jacob Grimm in der Vorrede zu dem deut-
ſ öſterr. Gymnaſien. Die von dieſen verſchiedenen Seiten her
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gemachten Vorſchläge wurden ausführlih erörtert. Bei der
Beſchränftheit des geſtatteten Raumes können wir nur einige
der wichtigſten Punkte hervorheben. Zunächſt wurde in Bezug
auf die Vocaliſation das Bedürfniß der Beſeitigung der Deh-
nungszeichen beſprochen. Der Vortragende will diejenigen ie,
welche aus urſprünglichen Diphthongen (ia, iu, io) hervorge-
gangen find, und welche noh in manchen Gegenden Deutſch-
lands diphthongiſch ausgeſpro gen ſoll für diejenigen ie, wel furzen i bezeichnet, ein einfaches i eintreten, wodur< wir
meiſt auf die frühere einfachere Schreibung zurü&sfommen. In
Bezug auf die Bezeichnung der Conſonanten erklärte ſich der
Vortragende zunächſt für die gänzliche Beſeitigung des th in
deutſ nation des einfachen conſonantiſchen Auslautes, zur Bezeimnug
der Schärfung (Kürze) des Vocals, namentli< auch für die
des f und f. Auch vor hinzutretenden Flezionslauten ſoll die
Gemination beibehalten werden. Endlich wurde eine conſe-
quente Unterſcheidung von ſſ und ß auch für den lateiniſchen
Druc als wünſchenswerth bezeichnet. =- Nach dieſem Vortrage
brachte der Ordner ſchließlich in Crinnerung, Daß die regel-
mäßigen Verſammlungen am erſten Donnerstag nac< dem 15.
jedes Monats ſtattfinden, und daß im Juli, wie bisher, auch
in dieſem Jahre keine Sißung ſtattfinden wird,
(Berl. Nachr.)
Bern, 21. Aug. Der Bundesrath hat diejer Tage den
Katalog der Schulausſtellung in London (f. A. S. Z.
Nr. 32 und 57) erhalten, an der ſi die Schweiz, Dank der
eifrigen Verwendung unſerer Verwaltung des Innern und der
Thätigkeit einzeler Cantonsregierungen und Privaten, in fehr
ehrenvoller Weiſe betheiligt hat, Gern würde man au< von
hier Abgeordnete hinſenden, wenn es die Rü>ficht auf unjere
Finanzen oder auf unſere Finanzkrittler geſtattete. Von prakt.
Gegenſtänden aus dem Gebiet der Volksſchule, die dort ver-
treten find , nennt man Modelie ſchöner und zwe>mäßiger
. Schulhäuſer und Schulzimmer , zwe&mäßige Turngerätichaften,
Hilfsmittel für den mathematiſ dergl. mehr. (Allg. Z.)
Genf. Vr. H. Gräfe, der in der pädagogiſchen Welt hoc frühere Director der Realſchule in Kaſſel, hat nun hiex eine Lehr » und
Erziehungsanſtalt begründet, die ihren Zöglingen außer einem von
deutſcher Gemütlichkeit getragenen Familienlebeu, Unterricht in allen zur
humanen Bildung, wie zur Vorbildung auf einen kaufmänniſchen oder
gewerblichen Beruf erforderlichen Kenntniſſen btetet. Die Erreichung
ihrer erziehlthen und unterrichtlichen Zwee wird weſentlich begünſtigt
dur< die bekanntlich überaus geſunde und reizende Lage der Stadt, dte
Bildung ihrer Bewohner, die zahlreichen Familien aus allen gebildeten
Ländern, die hier ihren Aufenthalt zu nehmen pflegen, die Verbreitung
ver englij desſprache oft als Umgangsſprache hier gehört werden, ſowie durc< viele
andere Bildungsmittel an Ort und Stelle.
Konſtantinopel. Höhere Lehranſtalten mit freiem Unterricht
und Pflege der Schüler gibt es hter 518; Elementarſchulen, ebenfalls
mit unentgeltlihem Unterricht 1257.
(Diſtr. Ztg.)

Verantwortliche Redactoren:
Dr. K. Wagner und Dr, K. Zimmermann. =-- Druc und Verlaa von K. W. Leske in Darmſtadt.

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