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Jeſus Chriſtus (S. 111); er dringt überall auf einen leben-
digen, in Denken und Thun fich bewährenden Glauben. Je
mehr aber dieſer unbegreifliher erſcheint es, daß der Vf. wenigſtens hier und
da (z. B. S. 25 und 118) einen Seitenbli> auf die Kir lehre nicht hat unterdrü&Fen können. Wozu das hier, bei Sch ul-
reden, vor Schülern ?
Der Vf. hat es in geſchi>ter Weiſe verſtanden , neben Stel-
len aus der bh. Schrift auc< ſentenziöſe Ausſprüche der röm.
und grieß. Scriftſieller mit in ſeine Vorträge zu verweben
oder an ſolhe ſie anzuknüpfen, und durc< öftere Hinweiſung
auf die vor- und nach auf die Ortsgeſchichte ſelbſt , eine anziehende Unterlage für ſeine
Erörterungen zu gewinnen. Ueberdieß haben die die Gegenwart
gerade bewegenden Zeitfragen eine folhen Reden angemeſſene
Beſprechung und Würdigung gefunden, wie z. B. die deutſ<-
katholiſ den Verfaſſungsfragen , der Ruf na<ß „ die wegwerfenden Urtheile Über den Werth der humaniſtiſchen
Studien 2c., und man begegnet hier überall einem reifen, beſon-
nenen, ruhigen Urtheile , wenn auch mit ſolH' vorübergehenden
Bemerkungen die Fragen ſelbſt doZh nicht entſchieden werden
können , ſondern noc< immer Fragen bleiben.
Jedenfalls hat der Vf. „die Belehrung und Aufklärung,
die Beſſerung und Erbauung der Jugend“ überall bei ſeinen
Vorträgen vor Augen gehabt und dieſen Zwe> in den meiſten
Fällen gewiß auc< erreicht. Sollen wir die Vorträge bezeichnen,
die uns na< Anlage, Durhführung und Friſhe der Darſtellung
am meiſten angeſprochen haben, ſo ſind es folgende: „Unſer
Glaube an die Hülfe des Herrn beim Hinbli> auf das Vater-
land“, =- „wie im Lauf des zurüFgelegten Schulhalbjahres für
alle Schüler ſih Arbeit gezeigt habe" -- „wie kommt es, daß
ſo Viele die Sorge für den Leib Über die Sorge für die Seele
ſeßen 2" = „was können die Gymnaſien ſ no< weit mehr aber ihrem Weſen und ihrer Beſtimmung naß
vor Allem von ihren Zöglingen verlangen ?“ = „von dem Man-
gel an Strenge gegen ſich ſelbſt“ u. ). w. Lucius,
2) Kurze liturgiſ Nach der Ordnung des Kirc Schweder, Lehrer an der Stadtſchule zu Mittenwalde.
Berlin, Shulße, 1854. 8. 208 S. und mit dem „Ab-
dru> der Sprüche , Feſtandac die Kinder, 24 S.
Die liturgiſ Kirche und Schule, wenn es auch no den wenig, oder no< nichts geſhehen iſt. Man jcheut die
Mühe , die damit verbunden iſt, und hält das Unternehmen für
gefährlich dem Predigtprinceip, oder mit dem altproteſtantiſchen
Princip überhaupt unvereinbar (z. B. Altlutheraner, wie Dr.
Kraußold in ſeiner Agende, 1853). Viele haben auch noch
feine Kenntniß von der Sache, oder wenigſtens keine klare
praktiſche. Manche glauben , es gehöre ein kunſtgeübter Chor
dazu , der ſic; auf dem Lande nicht finde. Hier und da iſt die
Sache längſt im Gebrauche geweſen in Kirche und Schule, ehe
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vor kurzem allgemeiner die Rede davon war auf Veranlaſſung
des Berliner Domchores. In der S turgie ſ durch den Rector C. Reinthaler, der viele derartige S ten edirt hat; in der Kir Greiz, in dem braunſ Pfarrer Wirk, der ebenfalls dergleihen Schriften herausgege-
ben hat. Ihnen reiht ſich nun der Vf. vorliegender S Pul li-
turgien würdig an. Seine Arbeit iſt wohl gerathen und ver-
dienſtlich; ver Gang ſehr einfac<, und das Ganze nicht ſ einzuüben und auszuführen. Wir theilen eine Probe zur BVer-
anſ dem Trinitati8ſonntage. (Es heißt da (S. 144 ff.):
„Montag und Dienstag.“
Geſang: „Gott des Himmels und der Erde 26.“ V. 41-4.
Chor: Er ſagte aber zu Etlichen, die ſich ſelbſt vermaßen 2c.
(Vorleſung des Sonntagsevangeliums. Luc. 18, 9--14
am Montage).
Ein Kind: Unſer Herr Jeſus ſpri het, der wird erniedriget werden, und wer ſich ſelbſt er-
niedrigt, der wird erhöhet werden. Evgl. Luc. 18, 14.
Chor: Gott widerſteht den Hoffärtigen, aber den Demüti-
gen gibt er Gnade. 1 Petr. 5, 5.
Lehrer: Freies Gebet, oder Pf. 147, 1--11, oder: Vater
laß mich Gnade finden 2c. (3 Verſe aus einem Liede von
Chr. G. v. Breitenau).
Alle Kinder: Amen.
Halb hor (Knaben oder Mädchen), Montags: I< glaube
an Gott 2. = Chor: Herr, gib uns Glauben 2c.
(Dienstag : So ſpricht der Herr: Z< bin der Herx 2.
Chor: Herr, du haſt geboten 2.)
Lehrer: Bater unſer, der du 2c.
Geſang: Führe mich, o Herr, und leite 2c. (V. S.).
Das iſt die Liturgie dieſer Woche für den Montag und
Dienstag, dann folgt die für Mittwo< und Donnerstag, Frei-
tag und Sonnabend. So dur<'s ganze Jahr, mit Ausnahme
der Ferien. Der Anhang bringt ſpecielle Liturgien für Weih-
nachten, das Reformationsfeſt und den Geburtstag des Königs.
In der Einleitung ſpricht ſich der Vf. ausführlich über Einrich-
tung und Ausführung ſeiner Liturgien aus. Sie ſeien hiermit
bejtens empfohlen.
Zur Schulgeſchichte,
Wien, Mai. Seftens des Unterrichtsminiſteriums tſt vor kurzem ein
Reſcript wegen der Verwendung von Lehr- und Hülfsbüchern in
den S richts- Einheit keinem Director die Einführung eines neuen Shulbuchs
ohne vorherige Genehmigung des Miniſteriums geſtattet ſein, == derge-
ſtalt, daß, wenn in Zukunft ein nicht approbirtes Buc< „in Anwendung
gefunden würde, der Director und der Lehrer , welche dieſes Unfugs
ſchuldig ſind, verhalten werden würden, auf ihre Koſten die Schüler
mit einem geſtatteten Buche zu verſehen.“
(N. Pr. 3.)


Verantwortliche Redactoren:
Dr. K. Wagner und Dr. K. Ztmmermann. -- DruF und Verlag von K, W. Leske in Darmſtadt.

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