Allgemeine
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    Samzstag , 16. September
    1854
    „N? 111.

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    Raiurfunde.
    Das Thierleben der Alpenwelt. Naturanſichten und Thier-
    zeihnungen aus dem ſ Friedr. vy. Tſ Geſ. 2. verb. Aufl. Mit 24 Abbildungen von EC
    Rittmeyer und W. Georgy. 1. Thl. Die freilebende
    Thierwelt. 11. Thl. Die zahmen Thiere der Alpen.
    Leipzig, I. I. Weber, 1854. gr. 8. 5 fl. 24 kr.
    Derſelbe claſſiſ ſen in Peru“ ein unübertroffenes Gemälde eines merkwürdigen
    Landes und ſeiner ſocialen Verhältniſſe verdanken, legt hier
    eine in Jahresfriſt nötig gewordene neue Auflage jeines zwei-
    ten Werkes vor, das dur< Sachkenntnis, Detailzeihnung,
    geiſt- und gemütvolle Behandlung, anmutige Darſtellung und
    fünftleriſch treffliche ZiUluſtrationen die mannigfac<ß wedjelnden
    Gebilde der Schöpfung in dem Alpenlande auf das lichtvollſte
    und anziehendſte darſtellt. Wie Tſchudi's ehrenwerther Ahne,
    Aegidius Tſchudi, in ſeiner Schweizer Chronik die Thaten
    dex Eidgenoſſen mit warm theilnehmender Seele ſchildert, j9
    Ftellt uns hier der Enkel den Sc wundervolle Natur des Schweizerlandes vor Augen mit ihren
    Reizen und Schrecken und namentlich das Leben der gejamm-
    ten Thierwelt . die ganze Stufenfolge deſſen, „swaz kriuchet
    unde fliuget und bein zer erde biuget“ *), was in Lüften
    und im Waſſer lebet, was auf Bergen und in Thälern hau-
    Jet „von dem gewaltigen Geteradler an, der fi auf Morgen-
    wolfen wiegt, bis zu dem Gletſherfloh, der in den Haar-
    ſpalten der öden Eismeere ſich regt, von der flüchtigen und
    vorſichtigen Gemſe bis zu den mikroſkopiſchen Gebilden des
    rothen Sc nau, oft für uns neu, wie er denn z. B. geſehen hat, daß
    der Igel ſich wirklich Früchte und andere Nahrungsmittel auf-
    ſpießt und damit fortrollt; beſonders ergößli< iſt auch die
    alte Kukuksgeſchi Aßzung den ächten Kindern des Neſtes wegzuſ durch neue überraſchende Thatſachen veranj Und wenn er die Formen der unbeſeelten Schöpfung , den
    Zug der Winde, den Lauf der Gewäſſer, die Gewalt der Wet-
    ter, die angeborne Art und das Gebaren der Thiere anj li< bis zum Malen geſchildert, dann erhebt er die Seele in
    poetiſcher und tiefreligibſer Betrachtung zu dem göttlihen Geiſte,
    der in unermeſſlicher Weisheit durc< ſein: Es werde! Alles
    zum gegenſeitig fördernden Leben berufen hat. So kommt
    es, daß den Leſer bei hohem geiſtigem Genuſſe eine Luſt
    an der Schöpfung, Freude über vielfachen Auſj
    *) Walther v. der Vogelweide. Ausg. ». Lachmann, S. 5.

    die Ueberzeugung erfüllt, daß er ſelbſt ein wolbedachtes Glied
    des weiſeſten , liebevollſten Weltorganismus iſt.
    Je tiefer der Vf. in das Weſen ſeines Stoffes hineinge-
    bli>t hat, deſto freier iſt er von dem Wahn, es dur zu haben. Beſcheiden räumet er ein: „Noch heute ruht ein
    tiefes Geheimniß über den Alpen. Ihr wunderjamer Aufbau,
    die Schichtung ihrer Geſteine, die Bildung ihrer Firndiademe
    und Gletſcherwüſten, ihre Theilnahme an dem wechſelnden
    Kreislaufe der Naturperioden, ihr Verhältniß zu den lebendi-
    gen Organismen, ihre exſte und leßte Geſchichte -- alles das
    find faum in der Löſung begriffene Rätſel. Gewaltige Ge-
    birgsmaſſen ſind no< von feinem Menſc erheben namenloſe Hörner in die Luft, die nie eines Menjſ Stimme, nur der ſauſende Flügelſchlag des königlihen Barti-
    geiers bewegt hat. Stundenlange Cismeere wölben ihre ehr-
    nen Fluten, die nie ein Wanderer berührt oder nur geſehen
    hat. Das thieriſche und pflanzliche Leben ihrer ſteinigen Glet-
    ſcherinſeln hat keine Forſcher belauſcht. Manches in den zer-
    viſſenen Armen der Hochalpen ruhende Thal hat kaum eines
    Jägers Fuß betreten und iſt unbekannter, als die Küſte der
    entlegenſten Inſelgruppen oder das Uferland des Nils und
    Miſſiſſippi. Und ni das wir vor Augen und unter den Füßen haben, iſt uns no<
    lange keine erfannte Welt; wir ſtehen erſt an den Pforten
    des Wiſſens und nur Wenige ſind es, die ernſtlich anpo und Einlaß begehren.
    Und doh iſt das, was wir dieſen wenigen ehrwürdigen
    Arbeitern im Dienſte der Weisheit verdanken, ſo großartig,
    oft ſo ſtaunenswerth und verheißungsvoll " Wie die Berge
    ho< und einſam über das Flachland hinaufragen, ſo ragen
    "ie Gedanken Gottes, die in ihnen ruhen, über das alltäg-
    liche Lehen und Gemüt, und wir würden wol tief auſatmen
    und die Hüllen unſerer ſo oft in kleinlicher Verbildung ruhen-
    den Weltanſhauungen brechen, wenn wir unjeren Ideenkreis
    und unſer Gemütsleben öfter an jenen ewig jhönen Origina-
    lien, an jenen kryſtalliſirten Shdöpfungsgedanken des Weltgei-
    - ſtes auffriſchen und ausweiten wollten.“
    Der erſte Kreis umfaſſt die Bergregion (2500---4000' ü.
    M.), deſſen Cap. 1. Allgemeine Charakteriſtik derfelben, darin
    unter vielem anderen Trefflihen die hö<ſt gelungenen Bilder
    von den Waſſerfällen, dem Fön, den Runſfen und ihren Scred-
    niſſen; Cap. 2. Das Pflanzenleben ; Cap. 3. Das niedere
    Thierleben; Cap. 4. Die montane Vogelwelt; Cap, 5. Die
    Vierfüßer des unteren Gebirgs und als Ginzelbilder 11 bio-
    graphiſche Zeihnungen bejonders intereſſanter Thiererſcheinun-
    gen. Der 2, Kreis umfaſſt die Alpenregion (4000--7000'
    3. M.), der 3. die Scneeregion (7000--14000' ü. M.) -
    und ſind die zu betrachtenden Gegenſtände nac< Begriffen wie
    oben gruppirt. Statt weiterer Anpreiſung mögen hier 2 grd-
    ßere Auszüge folgen, damit das Werk ſfetbſt Den Meiſter 199e-

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