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wir = da die oben genannten Sachen vielfa< ſchon bekannt
find =“ Nr. 51 „das Vöglein in der Wiege“ mit, dem wir
no< gerne Nr. 55 „Vom fleißigen Bächlein“ beifügten, wenn
es der Raum erlaubte.
- Das Vöglein in der Wiege.
Unter Zweigen,
die ſich neigen,
ſ Durch die grünen
Laubgardinen
Sonne nach der Wiege ſchaut.
In der Wiegen
feh ich liegen
dort ein kleines Bögelein ;
und es ſtre>t ſich
und es reckt ſich
in dem Neſtchen warm und klein.
Und zur Seiten
ſingt voll Freuden
Mütterlein ein Wiegenlied;
und ihr Singen,
und ihr Klingen
durch den ſtillen Abend zieht.
Leiſe gehet,
leiſe wehet
durch die Zweige hin der Wind;
auf und nieder,
hin und wieder
ſchaukelt er das Vogelkind.
Vöglein reget
und beweget
leis im Schlaf die Flügelein,
träumt vom Fliegen
in der Wiegen
und von Duft und Sonnenſchein.
UI. Sieder und Bilder aus dem Menſc IV. Wiegenlieder, 5 Nrn, =- würdige SeitenſtüFfe zu den herr-
lichen Wiegenliedern von R. Reini> und Hofmann von Fallers-
leben.
Die außere Ausſtattung entſpri und ſo empfehlen wir das Buch allen Lehrern und Eltern, wie
Jedem, der Sinn und Verſtändnis für eine e Poeſie hat, auf's beßte. An den Dichter aber die freundliche
Bitte, mit ſeiner ſhönen Gabe au dienen zu wollen ! ..kL
Schulfeſt auf Mauritius.
Auf der Inſel Mauritius bei Madagascar iſt, wie die
Biene auf dem Miſſionsfelde erzählt, ein der den Miſſionären eine Kir Schule erbaut hat, um den Heiden das Wort Gottes zu ver-
fündigen. Am 13, Dezbr. 1853 wurde die Kirche eröffnet
und die Shulprüfung darin gehalten. Alle waren verſammelt,
und le Brun, der Miſſionär, eröffnete die Feierlichkeit mit einem
Gebet, worauf ein Schulmeiſter eine Rede über die Vortheile
der Grziehung und die Wichtigkeit, den Kindern Gutes zu
lehren, vortrug. Dann wurden die Namen der Kinder ge-
nannt, die fich am beſten aufgeführt und das Meiſte gelernt
hatten. Sie wurden geprüft und mußten ihre Screibebücher
vorzeigen. Jn einem Theile des Raumes waren die Preiſe
ausgeſtellt, worauf die glänzenden Augen der ſ beſonders gerichtet waren. Da lagen ſchön gebundene Bibeln
und andere Bücher für die beſten Kinder, und neben den Bü-
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Hern noFH andere Dinge , die ſonſt nicht gewöhnlich jind, in
unſern deutſhen Sulen ausgetheilt zu werden, nämlißh Blu-
menkränze von Roſen, Oleander, Jasminen und anderen der
ſchönſten Blumen des ſonnigen Klimas. Dieſe Gegenſtände,
das könnt ihr glauben, zogen Herzen und Augen an ſich.
Do dern einige mit der Sorge, ſie möchten nichts davon erhalten;
das waren die, welche nicht fleißig gelernt oder ſi< nicht gut
betragen hatten. Doch mögen ſie den Entſchluß gefaßt haben,
das nächſte Jahr ſich beſſer zu halten, um auch einen Preis
zu bekommen. Der beſſeren Kinder Angeſicht war, wenn gleich
jhwarz, doch hell glänzend genug, daß ſie mit funkelnden Augen
auf die Tafel, wo die Preiſe lagen, hinſahen, ſich wundernd
und neugierig, wer wol von ihnen die ſ<önen Bücher und
Kränze bekommen würde, Doch das junge Volk war nicht
allein gegenwärtig, ſondern auch ihre Väter, Mütter , Groß-
väter und Großmütter füllten den Raum, und ſahen ganz
glücklich aus, wenn ſie ihrex Kinder und Enkel Namen leſen
hörten. Dieſe Alten hatten nie der Wohlthat einer Shule
genviſſen, denn fie waren Sclayenz aber nun freuten fie ſich
des Glüdes ihrer Kinder. Die Prüfung war nun geendigt
und die Preisvertheilung begann. Ein Name wurde genannt
und die Führung des Kindes beſchrieben. Augenbli&lich hörte
man ein Geräuſch im Saal, und ein kleines Mädchen oder
ein Knabe, geleitet von der Mutter, bra< auf von ſeinem
Siße und kam zum Tiſch. Der Miſſionär gab den Preis und
den Kranz der Mutter, daß ſie das Vergnügen haben ſollte,
ihr Kleines zu belohnen und zu krönen z und es iſt ſhwer zu
jagen, wer ſich mehr freute, ob das Kind oder die Mutter.
Bei einem Kinde empfing die Großmutter den Preis und den
Kranz und ſeßte ihm denſelben auf, Wie müſſen dieſe alten
Leute den Unterſchied zwiſchen einſt und jeßt, die finſtern -
Tage ihrer Jugend , und die ſ Kinder und Kindeskinder gefühlt haben! Wie werden fie Gott
gedankt haben, daß er die Miſſionäre geſendet hat! Wenn
doch in allen Heidenländern ſolhe Schulen wären!
Zur Schulgeſchichte.
Dldenburg, 10. Septhr, Die Stellung, welche die kathol. Geiſt-
lichkeit zu dem bevoritehenden „Sculzeſeße“ einzunehmen gedenkt, wird
durch einen vor furzem mit Genehmigung des Biſchofs von Münſter
erfolgten Srlaß des biſchöft. Officialats bezeichnet, wonac< nicht nur für
die Wahl der Abgeordneten zum nächſten Landtag öffentliche Gebete
ausgeſchrieben und die Berheiligung als eine heil Gewiſſenspflicht der
Wahlberechtigten bezeichnet wird, ſondern auch in allen Schulen anzer
dem gewöhnlichen Gebete und ebenfalls während dex Dauer des Land-
tags von den Kindern gemeinſchaftlich gebetet werden ſoll, „auf daß cs
dem Allmächtigen gefallen möge, alles Unheil abzuwenden und die
Schule in der ſeitherigen Verbindung mit der Kirche zu
erhalten.“ (Allg. 3.)
Bayern, Sept. In München, Augsburg, Nürnberg, Ingolſtadt
und Negensburg ſind wegen der Brechruhr alle Schulen geſchloſſen und
überhaupt alle tf. Kreisregierungen ermächtigt worden, die zeitweilige
Schiießung in den von der Brechruhr betroffenen Orten zu verfügen,
ſobald dieß nac) Gutachten von Sachverſtändigen zwe>mäßig und noty-
wendig erſcheint. .

Verantwortliche Redackoren: Dr. K. Wagner und Dx. K. Zimmermann. =- Dru und Verlag von K, W. Leske in Darmſtadt,
Hierzu eine literariſche Beilage der Herder*'ſ

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