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ſeine Pfade“; == iſt das ſchöner, verſtändlicher, treuer, als bei
Luther überſeßt? =-
Nachdem wir uns bei dem erbaulihen Theile der Blätter,
als dem ohnſtreitig wichtigſten, ſo lange aufgehalten haben,
wird es nöthig ſein, das Uebrige um ſo raſcher zu erledigen.
Es wird mancherlei zur Belehrung und zur Erheiterung gebo-
ten aus den verſchiedenſten Fächern des menſchlichen Wiſſens
und es iſt das Alles gewiß für die Taubſtummen
recht nüßlich und angenehm zu leſen, wenn icß auh nicht
überall (-- was wol auch nicht vonnöthen iſt =-) eine directe
Beziehung zwiſchen dem Dargebotenen und eben gerade einem
Taubſtummen ſehe. Etwas lang dürften gerathen ſein „die
QLufrerſcheinungen“ in 6, „die Reiſe von Gmünd nach Meran“
nach oft langen Unterbrehungen in 11 bis 12 Nummern, ohne
daß fie in Nr. 15 jezt zum Scluſſe gefommen wäre. Zu
dem Zwedmäßigeren rehnen wir z. B. die Mittheilungen Über
die Zeitverhältniſſe: „die Türkei“ 1, 2; „die Seeſc Sinope“ U. 2 u. ſ. w.z verſchiedene, zum Theil von Hill er-
zählte Anecdoten und Auffäße, wie die folgenden: Muth eines
12jährigen Taubſtummen, =- Tagesordnung für Taubſiumme,
--- die Wohlthat des Unterrichts für Taubſtumme , =- Mitthei-
lungen aus dem Leben der Taubſtummen, =- das Wanderle-
ben, == das taubſtumme Kind, = die Selbſtbiographie des
taubſtummen Frhrn. v. Shüß, =- Aufgepaßt u. ſ. w. = Die
brieflichen Mittheilungen , in denen ſich zuweilen auch die Freude
über das Erſcheinen der Blätter ausſpricht , haben ein Intereſſe
meiſt nur für die, denen die Briefſteller bekannt ſind; die bib-
liſchen Fragen, eigentlih Rätſelfragen aus der Bibel, fetzen
theilweiſe eine ſo genaue Bekanntſchaft auß mit unbedeutenden
Specialitäten der bibl. Geſchi ob ihrer viele von den Taubſtummen gelöſt werden. Die 25.
Frage lautet z. B.: welhe 3 Männer haben Badenſtreiche be-
kommen , weil ſie die Wahrheit gefagt haben ? Man denkt 19-
gleich an Chriſtum, man erinnert ſich vielleicht au< no< an
Mi ha, den Zedekia ſchlug, aber wenn der dritte Mann nah
Hiob 16, 10 niht Hiob war, dann weiß ich ihn wirkli im
AugenbliF ſelbſt niht aufzutreiben. Werden aber die Taub-
ſtummen ſo bibelgelehrt ſein, daß ſie ſolhe Dinge leichter ra?
then ? und wenn ſie's nun gerathen haben, was haben ſie deß
für großen Gewinn? zu einem Object bloßer Beluſtigung 2.
ſcheint aber die Bibel do; niht gemac dazu ſind andere Rätſel geeigneter, ==
Möge der Hr. Hrs8g. der Blätter und ſeine ſtändigen Mit-
arbeiter aus der Ausführlichkeit, mit welcher im hier Einzeles
beſpro<ßen habe, auf die Theilnahme ſ Ganzen ſchenke =- ic< habe nur die beßten Wünſche für es
und ſie.
„ Religionsgunterricht für evangel, Taubſtumme von U, K.
S hHöttle, Oberlehrer der Taubſtummenanſtalt auf dem
Argauerſtalden bei Bern. Bern, 1854, Chriſt. Fijcher.
1 und 103 S. 8. 1 fl.
Laut Vorwort will der Hr. Vf. mit ſeiner Sc dreifachen Zwe erreichen. „Erſtens da, wo der Lehrer aus-
ſchließliHh es iſt, der dem Taubſtummen den Retigionsunterricht
zu ertheilen hat, ſoll ſie ihm nac< Stoff und Form eine Arbeit
ſein, die er feinen Schülern in die Hand gibt und feinem
Unterricht zu Grunde legt. Zweitens da, wo der Taubſtummen-
lehxer nur vorbereitend den Religionsunterricht ertheilt, der
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Geiſtliche aber ihn vollendet, ſoll ſie das Bedürfniß des Taub-
ſtummenlehrers befriedigen und zugleicß eine Grundlage fein,
auf der dann der Geiſtliche leiht und ſicher weiter haut. Und
drittens ſoll fie für Zöglinge, die das Inſtitut verlaſſen, eine
Mitgabe ſein, die ihnen die erhaltenen Religionswahrheiten
bleibend aufbewahrt, ſo daß das in dieſer Hinſicht Gewonnene
für ſie na In 70 Abſchnitten behandelt der Vf. ſeinen Gegenſtand
und zwar, nach den 17 erſten Paragraphen =- von Gott, jei-
nem Weſen, ſeinen Eigenſchaften 2c. =- na kleinen lutheriſchen Katechismus ; die zehn Gebote 8. 18--29 ;
das Glaubensbekenntniß von Jeſu Chriſto 8. 30--39 3 des-
gleichen vom heiligen Geiſt 8. 40--48; vom Gebet 8. 49--61 3
die Sacramente 8. 62--68; die Schlüſſel des Himmelreichs
oder das Predigtamt 8. 69, 703 hier und da, aber nicht dur gehends zur Erläuterung wörtlihe Anführungen aus dem iuth.
Katehismus. Man ſieht es dem Büchlein an, daß es, wie
es auh in der Vorrede heißt, „aus dem praktiſchen Unterrichte
entſtanden iſt“, und ich glaube nicht, daß = einzeles Wenige
vielleiht abgerehnet =- ſih in demſelben Etwas findet, was
der Faſſungsfraft der Schüler in Oberclaſſen, für die das
Büchlein beſtimmt iſt, niht angemeſſen wäre. Der dogmatij Standpunkt des Vf. ſcheint der lutheriſc<-orthodoxe; jeine fitt-
lihe Richtung hat Anflüge von rigoriſtiſ 3. B. ſagt er beim dritten Gebot: „fleiſhli durch welche der Sonntag auch entheiligt wird, ſind z. B. Tanz
und andere Vergnügen.“ Dagegen ſagt Luther u. A.: „wo
es züchtig zugehet, laſſe ich der Hochzeit ihr Re brauch und tanze immerhin, Der Glaube und die Liebe läßt
fi nicht austanzen no< ausfißen, ſo du züchtig und mäßig
darinnen biſt. Die jungen Kinder tanzen ja ohne Sünde;
das thuye auch und werde ein Kind, ſo ſchadet dir der Tanz
nicht“ --- und Ref,, obgleich ſelbſt kein Tänzer, hält es im
angegebenen StüFe weniger mit Hxn. Sc man muß nur niht aus Allem eine Sünde machen! lieber Gott!
wir haben deren leider ſ an uns, wir brauchen fie wahrhaftig ni zahl künſtlicher zu vermehren. Wem der Ernſt des Lebens
die Luſt. am Tanzen no hin -- „ein Tänzchen in Ehren, kann Niemand wehren!“ =-
Uebrigens wird das Büchlein mit Vortheil gebrau fönnen und einem jeden Taubſtummenlehrer empfiehlt es fich
ſchon darum, weil es mit dem Verfahren eines geachteten Col-
legen bekannt macht in einem Gegenſtand, der allerdings „die
wichtigſte Stelle unter den Aufgaben des Taubſtummenunter-
richts" nicht allein, ſondern überhaupt des Unterrichts einnimmt.
Shade, daß das Büchlein ſo theuer iſt; wäre es minder
ſplendid gedru>t =- 33zeilige große Octavpſeite = jo hätte
leicht der Preis um die Hälfte, oder doM um ein Drittel er-
mäßigt werden können, und das wäre der Verbreitung des
Buches gewiß nur förderlich geweſen. Bücher find ein Be-
dürfniß, aber wohlfeile Bücher auß! =-
Erwähnen wir nun zum Scluſſe no< einen Journalauſjaz :
Mittheilungen über die Taubſtummenanſtalt zu Hildesheim
und die Feier ihres 25 jährigen Jubiläums am 4, Sept.
1854 von Hauptlehrer Cd. Rößler
in Nr. 212 der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung, jo ge-
ſchiebt dieß, um nachträglih no< dem würdigen Director

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