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Kuhlgaß und der unter ſeiner Leitung ſtehenden, dermalen von
80 Schülern beſuchten Anſtalt zu dem gefeierten Jubiläum
unſere Glüwünſche darzubringen, -- au< den Schreiber des
Urtikels freundlich zu grüßen, und zuleßt unſere Verwunderung
über die von dem taubſtummen Klempnermeiſter Jakobs zu
Buxdehude, früherem Zögling der Hildesheimer Anſtalt, ver-
faſſte und beim Jubiläum gehaltene Rede auszuſprehen. Wir
haben auch ſchon re -- „ſo was iſt nom nicht dagewefen.“ Hätte Hr. Rößler nicht
„auSdrüFlich erwähnt“, daß die Arbeit „durchaus“ des ge-
nannten Mannes „eigenes Product“ ſei, ſo hätte ich es wirk-
lich nicht geglaubt. --- Dr. Matthias,
Netrolog.
Pfarrer Albert Bißius in Lüzelflüh , der au< in Deutſch-
land unter dem Namen Jeremias Gotthelf beliebte Volks-
ſchriftſteller , iſt am 22. Det. Morgens nac< 5 Uhr an einem
Stifluß geſtorben. Er war 1797 im Pfarrhauſe zu Murten
geboren , ſtudirte in Bern und ſpäter in Göttingen Theologie,
und lebte ſeit 1832 als Pfarrer in Lükelflüh im Emmenthal.
Troß mancher Mängel in ſeiner Shreibweiſe vereinigte ex doh
alle Vorzüge eines ächten Volksſchriftſtellers ſo ſehr in ſich, daß
man fich bei näherer Bekanntſchaft mit ſeinen Werken auf's
tiefſte von ihm angeſpro genden Wahrheit, mit welchem Reichthum ſ<öpferiſcher Kraft
weiß er uns nicht die verſchiedenartigſten Charaktere und Le-
benSverhältniſſe des Berner Volkes zu ſchildern! Mag er uns
die patriarhaliſhe Geſtalt eines fernhaften gottesfür Bauern oder die Laſter des Geizes, der Trunkſucht und des
Jahzorns vorführen, mag er uns in die Behaglichkeit eines
reihen Bauernweſens oder in die wüſte Wirtſchaft verkommner
glaubens- und liebesarmer Menſchen verfeßen, überall fült
man jfeiner Zeichnung an, daß ſie mit wunderbarem Geſchi>
aus dem vollſten Leben gegriffen iſt. Dabei ſteht ihm ein
ſolher Reichthum an Bildern und Sprichwörtern, ſolch eine
Kenntnis der kleinſten Züge aus dem Leben des Volkes , ſeiner
Sitten und Unſitten, ſeiner Vorurtheile und ſeines edleren
Gehalts zu Gebote, daß dadurch das TroFenſte und Alltäglichſte
bei ihm intereſſant wird. Er ſ Bauern ganz in deren Denk- und Redeweiſe, meiſtens ſogar in
deren Dialekt. -Bißius kann wegen ſeiner Meiſterſchaft in der
Auffaſſung des Volfsmäßigen ein ächter Volksdihter genannt
werden ; feine männlich- zum wahrhaften Volksleh rer. Dasſelbe Ziel. das einſt Pfar-
rer Oberlin bei ſeiner praktiſchen Thätigkeit vor Augen hatte,
nämlic< das Volk aus ſeinem zum Theil ſelbſtverſ dur< Anregung ſeiner Thatkraft herauszuziehen, dasſelbe ers-
ſtrebt auch Bißkius in ſeinen Schriften. Ueberall ſucht er daxr-
zuthun , daß der Menſc< nicht anders aus der Not und Sorge
fomme, als wenn er auf Gottes Kraft vertrauend, rüſtig und
redlih ſeine Pfliht thune; überall zeigt er, aus dem Leben
jelbjſt, daß dem Fleiße, der im Glauben und der Gottesfurcht
ſeine Triebkraft hat, unbedingt der Segen Gottes folge. Un-
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ter ſeinen zahlreichen Werken 30g zuerſt der „Bauernſpie-
gel“ die öffentliche Aufmerkſamkeit auf ihn; das Beſte ſeines
Sinnes und Weſens legte er jedoc< jedenfalls in ſeinem „Uli
der Knec nieder. Jakob Grimm ſpricht ſich in der unlängſt erſchienenen
Vorrede zu ſeinem deutſchen Wörterbuche , an der Stelle, wo
er von dem hohen Werthe redet, den die Kenntnis aller hoh-
deutſ folgendermaßen aus: „Von jeher ſind aus der Schweiz wirk-
ſame Bücher hervorgegangen, denen ein Theil ihres Reizes
ſc ſ den vorwaltet , Jeremias Gotthelf (Bißius) kommen an Sprach-
gewalt und Ausdru> in der Leſewelt heute wenig andere gleich.
In den folgenden Bänden des Wörterbuchs wird man ihn öf-
ter zugezogen finden, und es iſt zu wünſchen, daß ſeine kräftige
Ausdrucksweiſe dadurc Weiter ſind von Bizius folgende Sriften erſchienen: Bilder
uind Sagen aus der Shweiz. 1-5. Solothurn 1842--44;
Erzälungen und Bilder aus dem Volksleben der Shweiz, 1--4.
Berlin 1850--53; die Käſerei in der Vehfreude, Berlin 13850;
Erlebniſſe eines Schuldenbauers , Berlin 1834; Dursli, der
Branntweinſäufer, und Dr. Dorbach, der Wühler, Berlin 1852,
welche beiden letzteren auch in unſerer A. S. Z. Nr. 117 be-
ſprochen worden ſind.
Zur Schulgeſchichte.
Darmſtadt, Oct. Zu einem 3wöcentlihen Lehrgang im Scul-
turnen find folgende Lehrer aus Frankfurt ſeit dem 23. Oct. hier an-
weſend?: Vom Gymnaſium pr. S Hr. S königsſc St. Katharinenſ ſter Zu dieſen kommen von hieſigen Lehrern der Realſchule: Herr
Chriſtmann, Hr. Ahl; Privatlehrer Hr. Retnes, Hr. Brehm
und Hr. Stahl, welche alle zuſammen theils durch Anſchauung in den
gewöhnlichen Turnſtunden der Schüler und Schülerinnen, theils fn den
Abendſtunden dur< Selbſtühung unter Spieß die theoretiſche und prak:
tiſche Befähigung gewinnen wollen, demnächſt in ihren Sculen dte Let-
tung des Turnunterrichts zu übernehmen. Wir müſſen in der That in
Betracht des ſchon früher aus Frankfurt Berichteten , das Streben der
Frankfurter, hinter der Nachbarſtadt im Turnen nicht zurüFzubleiben,
rühmend anerfennen und wünſchten überall ſolchen Wetteifer in rüſtiger
Jugendbildung wahrzunehmen. K. W.
Karlsruhe Am 9, Oct. ſtarb auf der Rüreiſe vom Frankfur-
ter Kir Rin, Pfarrer in dem benachbarten badiſchen Dorfe Grenza philologiſher und theologiſcher Schriftſteller lieferte er ſc terſuchungen über neuteſtamentliche Kritik und Eregeſe, über den Verf.
der dem Cornelius Nepos zugeſchriebenen Biographieen, neuerdings in
eigenthümlich intereſſanter Auffaſſung ein durch ſeinen Tod unterbroche-
nes Werk über die griechiſche Mythologie. Auf praktiſchem Gebiete ent-
wielte Rin> eine beſonders lebhafte Thätigkeit für die conſtituttionelle
Selbſtändigkeit ſeiner Landesfir von 1813 bis 1820 war ex als proteſtantiſcher Geiſtlicher in Venedig,
ſeit 1835 in Grenzach angeſtellt. (Baſler 3.)
EEE
Verantwortliche .Redactoren? Dr. K, Wagner und Dr. K. Zimmermann. = Dru und BVerlaa von K. W. Leske in Darmſtadt,
Hierzu eine literariſche Beilage von Frdr. Vieweg und Sohn in Braunſchweig.

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