Allgemeine Schul-Zeitung.

Samstag, 11. November

Die vereinigte Gelehrten- und Bürgerſchule zu Cutin.
Ein Blatt aus Eutin wet liebe Erinnerungen in uns.
Dort an dom fiſchreihen See, in dem freundlichen Städichen
yar Joh. Heinr. Voß glülic gedichtet oder vollendet, dort iſt der Tondichter des Freiſ K. Maria v. Weber, geboren. Do hier gilt es, Anderes
zu berichten. Seine ohen genannte allen Ständen und beiden
Geſchlechtern gemeinſame Schule ſteht unter der Leitung des
Rector Dr. Chr. PBanſ<. Seine Mitlehrer ſind die H. H.
Hausdörffer und Collaborator H. W. Knorr für's Latein
und Franz Rottok für Mathematik und Phyſik, Geographie,
S Wolberg, Detlefs für die Bürgerſchule , Tann für An-
ſchauungsunterriht und Geſchichte. Die Schülerzahl um Dſtern
1854 betrug in Prima 17, in Secunda 11, in Tertia 25,
in Oberquarta 21, in Unterquarta 25, in der Oberklaſſe der
Knaben 1 31, U 58, in der Elementarkl. der Knaben [1 44,
H 57, in der Oberkl. der Mädchen 29, in der Elementarkl.
der Mädchen | 45, 11 51, zuſammen 414. Eine ſolche pa-
triar es iſt im guten Sinne gemeint) unter Einem DOberhirten bietet
zewiß auc< große Vortheile vor der Zerriſſenheit und Plan-
loſigkeit, die fich in großen Städten bei den vielen oft rü-
fihtslos nebeneinander beſtehenden Schulen ſo leiht und j9
vielfach ergibt. Es gilt nur die re folche verſchiedenartige Beſtandtheile zu einer harmonij heit zu finden und anzuwenden. Dieſe werden ſein ein rein
Hhriſtlicher Geiſt, ein warmer vaterländijher Sinn und ein
verſtändiger Lehreifer zur Erleuchtung und Veredlung der Seelen.
Dieſe 3 Cardinaltugenden des Erziehers ſcheinen dem Lehr-
förper der Eutiner Schule eigen zu ſein. Dafür ſpricht we-
nigſtens der wiſſenſchaftlihe Theil des Oſterprogramms (Ueber-
ſezung von Tacitus? Agricola, über die wir uns zu anderer
Zeit äußern werden), ſodann die Anſchaffungen für die öffent-
ſiche Bibliothek und nachfolgende in jenem Programm gegebene
Mittheilung über die Behandlung des deutſhen Sprachunter-
richts. K. W.
Auszug aus den Conferenz=Prototollen.
Außer einigen anderen Gegenſtänden war vorzüglich der
Unterricht in der deutſ Hung in den Conferenzen. Die rationelle Behandlung Der
deutſchen Grammatik wurde als weniger geeignet für die Volks-
ſchule, ſowie für die unterſten Klaſſen der Shulen über-
haupt anerkannt; dagegen iſt namentlich für dieſe leßteren das
Analyſiren nach der doppelten Beziehung der grammatiſchen
Form eines jeden Wortes und ſeiner Bedeutung im Saße zu
empfehlen. =- In allen Klaſſen werden die alten grammatis-
ichen Benennunaen , die aus der lateiniſ 185 4.
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ſind, gebraucht, theils weil ſie bei dem Unterrichte in den
fremden Sprachen doh erlernt werden müſſen, theils weil die
verſchiedenen Verdeutſchungen den Schüler nur perwirren, ohne
ihm den Vortheil zu bringen, daß er mit den deutſj men eine flarere Anſchauung des Begriffes gewinne. =- Die
allgemeinen Geſeze der Sprache werden am leichteſten an der
Mutterſprache erkannt, und das iſt eine Hauptbedeutung, welche
die deutſ Die oberſte Elementarklaſſe ſowohl der Knaben,
als au< der Mädchen. macht die Schüler mit den Wortarten,
mit Decetination und Conjugation, mit der Comparation und
dem Wichtigſten vom einfachen Sate bekannt. ' Aug werden
Uebungen über die Wortbildung angeſtellt.
In der Oberklaſſe der Knaben Abth. 11. und in
der Oberklaſſe der Mädchen wird das in der Clemen-
tarflaſſe Gelehrte wiederholt und überall erweitert , ſoweit es
hier geſchehen kann. Dann geht der Unterriht zum zujam-
mengeſeßten Saße über.
Der Unterriht in Quarta übt und prägt das in der
Elementarklaſſe Erlernte noh feſter ein, erweitert es und geht
zu dem zuſammengeſeßten Saße Über.
In der Oberklaſſe Abth. 1. findet Wiederholung und
Erweiterung ſtatt; ferner wird der zuſammengeſeßte Saß be-
handelt.
In Tertia wird der Leitfaden von Beer dem Untexr-
richte zu Grunde gelegt, und in 1 Stunde wöchentlic< wäh-
rend eines zweijährigen Curſus die Lehre vom einfachen und
zuſammengeſeßten Saße dur In Secunda wird die Schulgrammatif von Beder ge-
braucht, und wöcentlih einmal während eines zweijährigen
Curſus werden einzelne Abſchnitte derſelben erörtert,
In Vrima kann die deutſ regelmäßiger Unterricht8gegenſtand betrachtet werden; jedoch
wird , wo möglich, in einem Halbjahre des dreijährigen Cur-
fus wöchentlich einmal namentlih die Einleitung der Be&er"-
ichen Grammatik genau erörtert.
In Betreff der ſogenannten deutſchen Auffäße laßen
ſih für unſere Schule 3 Stufen unterſcheiden, wobei als
Hauptgeſichtspunkt feſtzuhalten iſt, daß der von dem Schüler
zu behandelnde Stoff der geiſtigen Entwi>elung und den An-
ſhauungen deſſelben möglichſt angemeſſen ſei, jedoM jo, daß
immer auch durch ſolche Uebungen der Anſc Schülers ſich erweitern und ſeine Denkkraft ſich ſchärfen kann.
Auf der 1. Stufe werden dem Kinde leichte Erzählungen mit-
getheilt, bei mehrmaligem Erzählen möglichſt mit denjelben
Worten, da in der Regel der Schüler mit der gehörigen Form
no< zu wenig vertraut iſt und die Abweichungen ihn leicht
verwirren. Die 2, Stufe, in manc den Stoff vorzüglih aus der Geſchichte, der Länder - und
Völkerkunde. Die höhere Forderung beſteht auch darin, daß
der Lehrer das zu Bearbeitende nicht vorlieſt, jondern ſrei
mittheilt , vvrausgeſebt, daß der Schüler ſhon im Stande iſi,

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