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den richtig aufgefaßten Gedanken im Ganzen richtig einzuklei-
den. Die 3. Stufe gibt Themata zur Bearbeitung, die in
Secunda vorher, in Prima bei der ZurüFgabe der Arbeiten
genau beſprochen werden.
Auf den beiden unteren Stufen können jedoc< bisweilen
den Schülern auch ſolhe Stoffe zur freien Bearbeitung gege-
ben werden , die nicht bloß innerhalb ihrer Anſc jondern au< innerhalb ihrer Erfahrung und ihrer unmittelba-
ren Anſchauung liegen.
Was die deutſ Secunda einzelne Werke unſerer claſſiſchen Schriftſteller, na
mentlich Gedichte geleſen. In Prima wird die Geſchichte der
deutſchen Literatur theils überſichtlich, theils und zwar in den
Hauptperioden ausführlicher behandelt; aus der Literatur ſeit
der Mitte des vorigen Jahrhunderts werden nicht bloß Pro-
ben mitgetheilt, ſondern namentlic) von Goethe"s dramatiſchen
Werken einzelne, wie Taſſo, Jphigenie, allſeitig erläutert,
Da die deutſche Orthographie wenig conſequent und ſehr
ſhHwankend iſt, ſo wird in den Fällen, in wel weiſe verſchieden iſt, dem Schüler die eine oder die andere
nicht als Fehler angere len, welche nach der Ableitung die richtigſte oder am meiſten
im Gebrau<ße iſt Do muß der einzelne Schüler ſich an
eine beſtimmte Schreibweiſe halten und darf nicht bald dieſer,
bald jener folgen. So vermeidet man den großen Uebelſtand,
daß der Schüler in verſchiedenen Klaſſen oder ſogar in der-
ſelben Klaſſe bei verſchiedenen Lehrern daſſelbe Wort verſchie-
den zu ſchreiben genöthigt wird,
Mythologie der Griechen und Römer, der Aegypter und
Nordländer. Zur belehrenden Unterhaltung für Töchter
aus gebildeten Ständen. Von Dr. Ch. W. Findeklee.
4. verm. und verb. Aufl. Halle, Knapp , 1854. 1Y
* und 485 S. 8. 15 Nar.
Das Büclein iſt aus abgeleiteten , mitunter trüben Quellen
geſc<öpft und ſein Vf. nicht claſſiſc<; genug gebildet, um allen
gerec und nie das züchtige Gefül verlegenden Darſtellung ſtößt man
do< nicht ſelten theils auf unnötigen gelehrten Ballaſt, theils
auf Unrichtigkeiten. Mit Namen, wie Titäa, wie Diodor die
Gäa nennt, Cölus als Latiniſirung des Uranus, Hippokampen
(Deepferde) , Adiantum (Frauenhaar) und ähnlichen hätte dex
Vf. ſeine Scülerinnen verſchonen dürfen, dagegen hätte er
ni nicht Thalta (die Grazie) gegen Theogon. 90, 7, ſchreiben, aber
die Giganten gleichzeitig mit den Erinyen aus dem von Kronos
vergoſſenen Blut des Uranos , und nicht nachträglich, weil die
Titanen von Zeus in den Tartarus geſtürzt worden, von Gäa
geboren werden laſjen ſollen. Vgl. Heſiod. Theogon. 185--187.
Vertumnus war nicht mit Mutinus (!) und Priapus (!) gleich
zu ſeen. = Minerva Ergäne iſt nac; der Quantität richtig
bezeichnet, aber nam der griechiſchen Betonung falſ<; es war
vielmehr Ergäne zu ſchreiben. An die Schilderung der Haupt-
gottheiten knüpfen fim kleinere Mythen, ganz zwe>mäßig; aber
in die Sage von Arion wird eingemiſcht, wovon Herodot 1,
24 nichts weiß. „Apollo offenbarte ihm in einem Traume die
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ihn bedrohende Gefahr." Dann hätte er ſicß ihr gewiß nicht
preisgegeben! =- Die Sieger bei den Iſthmien , lehrt Hr. F.,
wurden mit einem Fichtenkranze belohnt. Allein dies ward erſt
lange nac< der Zerſtörung von Korinth Brauch, vorher war es
ein Kranz von Eppi<. Vgl. Pind. Nem. 4, 88. Ol. 13, 31.
Plut. Timol. 26. Dagegen ſpriat Pauſ. 8, 48 von einem
Fichtenkranze, = Die 4. Aufl. hat als Bereicherung einen
furzen Abriß der wendiſch-ſlaviſ bis 125. Au hier, wie im ganzen Buch , hätten wir eine
ſinnige Verarbeitung ausgewälter Hauptmythen der lexikaliſch
angehäuften Stofffammlung weit vorgezogen , indem die Töchter
aus gebildeten Ständen ſic<ß ebenſo wenig mit dem in Bo>s-
geſtalt erſcheinenden boshaften Berstuk, mit dem unſerem Hrn.
F-. ſelbſt noc< rätſelhaften Swaixtix und dem Mondgott Zisl-
bog, wie mit dem Mutinus und Priapus zu befaſſen haben.
newmana nfne «wiedmmeten den dure EETINDTETNI TEE
Unterhaltungen aus der alten Welt für Garten - und Blu-
menfreunde. Drei Vorträge , gehalten in den Verſamms-
jungen des Vereins zur Beförderung des Gartenbaus in
Gotha von EC. F. Wüſtemann. Gotha, Gläſer, 1854.
YI und 68 S. 8.
Prof. Dr. Wüſtemann, der treffliche Latiniſt, widerlegt
hier für fic< einen den Philologen oft gemachten Vorwurf, daß
ſie, wenn auch Kenner des Worts und der Form, von dem rea-
len Gehalt derſelben gewöhnli< nichts verſtänden. Mit großer
Sorgfalt und Sachkenntnis gibt er auf den Grund von Stel-
len beim älteren Plinius, bei Cato u. a. das Verfahren der
Alten beim Veredeln der Bäume an und begründet die
Anſicht , daß es fi< no< heute der Mühe lohne, manche Be-
obachtungen , die in den geſegneten Fluren Jtaliens in lang
entſ no< einmal einem prüfenden Urtheil zu unterwerfen. =- Der 2.
Vortrag über Papyrusſtaude und die Fabrication des
Papiers bei den Alten betrachtet eine Pflanze, die durch
ihre vielfache Verwendung im Alterthum einen großen Einfluß
auf das Leben der Menſchen, ja ſelbſt auf die Bildung des
menſ Unre<ßt die Trägerin der Wiſſenſchaft für das Alterthum ge-
nannt wird und Plinius ohne Uebertreibung ſagt, erſt durch ſie
jet das Andenken an Alles, was Menſc geworden , jo lohnt es allerdings der Mühe, die Bereitungsart
dieſes Papiers nac) den Angaben der Alten genauer kennen zu
lernen. Dies vermittelt denn der Hr. Vf. mit einer beneidens-
werten Ausdauer bei ſeiner in's Einzelſte und Kleinſte einge-
henden Unterſuchung und Beſchreibung, bei der ſelbſt ein anti-
fer Papierfabrikant ſtaunen dürfte , wie ihm ein gelehrter Pro-
feſſor das Handwerk abgelernt habe. Nachdem die Güte der
egypfijhen (jo ſchreibt Hr. W. ſtets, franzöſiſirend) und itali-
jHhen Papierſorten verglihen ſind, wird no tung des Papiers für die Cultur der Menſchheit hervorgehoben :
„Daß die Erfindung des Nilpapiers der Erfindung der Buch-
druderkunſt an Wichtigkeit faſt gleich zu ſeßen iſt, dürfte man
faum bezweifeln, wenn man erwägt , daß faſt ſämmtliche Bücher
der alexandriniſchen Bibliothek auf ſol waren. Die Anzahl der hier aufgeſpeiherten Rollen betrug
aber nac den ſichern Angaben der Alten, welche in den For-

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