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für etwa nicht eingehende Geldbeiträge einzeler Mit-
glieder. -
2) Je nach den Verkehrsverhältniſſen der betreffenden Lehrer
bilden ſim kleinere oder größere Leſezirkel. In der Re-
gel erſtree der Leſezirkel fih Über ein ganzes Kir 3) Die zu leſenden Schriften werden jährlih dur<ß Abſtim-
mung ſämmtlicher Mitglieder gewählt.
4) Bei der Wahl der Scriften iſt auf die betreffende Kirch»
ſpielsbibliothef für Schullehrer Rückſicht zu nehmen.
5) In der Regel ſei die Leſezeit bei den Zeitſchriften Eine,
bei den Büchern mehrere Wochen.
6) Ein, auf etwa 2 Jahre gewählter Bibliothekar ſchaffe
die vom Verein gewählten Schriften an, ſeße ſie in Cir-
eulſation und nehme nach beendigter Circulation ſie wie-
der in Empfang, Sein Amt verwalte er unentgeltlich.
7) Ob von einem Leſeverein die geleſenen Schriften zu ver-
ſteigern odex aufzubewahren ſeien, iſt von den Verhält-
niſſen desſelben abhängig.
8) Freiheit des Austretens aus dem Leſezirkel mit dem
Schluß eines jeden Jahres, na Bibliothekar gemachter Anzeige.
Für die Leſer der „Allg. Shul-Ztg.“ mögen hier noh die
vom Leſezirkel handelnden 88. der „Statuten des pädagogiſchen
Vereins in Altona und deſſen Umgegend“ hinzugefügt werden :
„Vom Leſezirkel, 8. 19. Der Verein unterhält einen Jour-
nalzirkel , an welchem ſämmtliche ordentlihe Mitglieder einen
gleihmäßigen Antheil haben, Die Koſten dieſes Journalzirkels,
in welchen zugleich gelegentliche Brohüren und andere zur Cir-
culation beſtimmte Schriften gegeben werden fönnen , werden
von der Kaſſe des Vereins getragen. 8. 20. Die Wahl der
- Journale .geſchreht dur< die Abſtimmung ſäammtlicher ordentlichen
Mitglieder. Die Brochüren wählt der Bibliothekar nach Ver-
einbarung mit dem Vorſtande. Die Circulation wird unter der
Leitung des Bibliothekars durc< einen Boten beſorgt, dem für
feine Bemühungen ein jährliches Honorar aus der BVereinsfaſſe
bezahlt wird,
Altona, den 17. Juni 1854. P. H. Reimers.
Zur Sculgeſchichte.
Stuttgart. Es iſt ſchon oft der Nußen der Turnübun-
gen für das weibliche Geſchlecht mit Re und dabei die ſchädliche Einwirkung auf die körperliche Ent-
wi>elung und Erſtarkung ſowol im Allgemeinen, als beſonders
auf den RüFgrat erwähnt worden, welche das Übermäßige Ver-
weilen in der Luft der Shulſtuben und auf den Schulbänken
im Gefolge hat. Hierzu kommt no< die zwewidrige Erzie-
hung außer der Schule, welche fich bei den ſogenannten beſje-
ren Ständen durc< Verweichlihung und unnatürliche Dreſſur
der Kinder auf Koſten geſunder , körperlicher und geiſtiger Er-
ziehung derſelben geltend mac „gute Erziehung“ nennt. Kein Wunder, daß bei einer ſolchen
abgeſ des Rücgrats, welche unjfere orthopädiſchen Anſtalten füllen,
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in großer Zahl auftreten. Wir glauben eine Pflicht zu erfül-
len, wenn wir als eine ſehr häufige Urſache jener unglücklichen
Verkrümmungen den Umſtand bezeichnen, daß in vielen
Lehranſtalten die Kinder auf Siße ohne Lehne ge-
ſet werden, was hauptſächlich bei Mädchen geſchieht, in der
Abficht , denſelben eine „gute Haltung“ anzugewöhnen. Man
trägt hierin die an ſich lobenswerthe Sitte, ſich in Geſellſchaft
einer anſtändigen Haltung zu befleißigen, mit Unre Verhältniſſe der Kinder über, wel der Erwachſenen. Der kindliche Organismus iſt ein in der
Entwi>elung begriffener, zumal ſeine KnoFen und Bänder ſind
weich, nachgiebig, ic des Rücgrats , und dieß trifft in erhöhtem Grade bei Mädchen
zu. Bei ſtundenlangem Sißen auf Bänken ohne Lehne muß
aber der Rückgrat außer ſich ſelbſt die Laſt des Kopfes und
vieler anderen Drgane ſtüßen und tragen, eine Anſtrengung,
welcher er auf die Dauer nicht gewachſen iſt. Die Folge da-
von iſt, daß das Kind nicht mehr im Stande iſt, ohne auf
das Aeußerſte zu ermüden, eine grade Haltung zu beobachten,
es ſucht ſich durc< eine Neigung na< vorn oder ein Senken
auf die eine oder andere Seite zu helfen, kurz, es wird zu
einer frummen Haltung gezwungen, und durc< die tägliche
Wiederholung iſt die Verkrümmung bald fertig, beſonders bei
ſ ohnehin immer müde ſind. Die Verkrümmungen des Rügrats
ſind nam dem Zeugniß Sachverſtändiger in der Regel auch bei der
beßten orthopädiſ einer gänzlichen Heilung fähig, und es iſt daher von größter
Wichtigkeit, ihrer Entſtehung, zu welcher es ſonſt noF Urſachen
genug gibt, nac Kraften vorzubeugen, und dahin gehört ganz
beſonders ein bequemes Sißen der Kinder auf Sißen mit
RüFenlehne. (Schw. Kr.)
Bayern. Hohes Alter von Sullehrern. Die Augsburger
Flora behauptet, daß in dem bayeriſgen Kreiſe S und Neuburg gegenwärtig 20 Shullehrer find, die zuſammen
1702 Lehensjahre zählen, nämlich einer iſt 80 Jahre, 2 je
81 Jahre, 2 je 82 Jahre, 2 je 83 Jahre, 4 je 84, einer
iſt 85 Jahre alt, 2 je 86, einer 87, 4 je 88, einer 89 und
einer 91 Jahre alt. Aber hoffentlih ruhen dieſe nun alle
aus von ihrer Arbeit und haben fie an jüngere Kräfte abge-
treten.
Großherzgth. Heiſen. Senkungen: 1) Von den
Dael'ſhen Erben zu Mainz 300 fl. an die Freiſchule im
ehemaligen Karmeliterkloſter daſelbſt; 2) von Joſ, Kirſchbaum
zu Dittelsheim zu Sculzwe>en ſeiner Gemeinde im Kreiſe
Worms ohne Unterſ kath. Pfarrer Berthes zu Heidesheim, dem Filialort Waern-
heim zu Kirhen- und Sculzwe>en ein Haus im Werth von
1400 fl.
-- Aus Bensheim drüst man ſeine Freude aus, daß nun im
Gymnaſium in 2 St. wöcentlih Unterricht im Engliſchen ertheilt
wird, klagt aber über den Mangel an allen Werkzeugen und Geräten,
die zu einem fruchtbaren Unterricht in Phyſik und mathemat. Geo-
graphie unerläſſlich ſeiten, ebenſo, daß ſeit mehreren Jahren der Turn-
unterricht unterblieb.

*
Verantwortliche Redactoren: Dr, K. Wagner und Dx. K, Zimmermann, = Dru und“ Verlag von K, W. Leske in Darmſtadt,

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