Allgemeine Schul - Zeitung.

Donnerstag , 23. November
meer Gene eiiie a aue Cote een ee
AliclaſſiſMe Literatur.
Ausgewählte Reden des Demosthenes. Erklärt von
A. Westermann. 1 Bdchen: Olynth. Beden,
3 Reden gegen Phil. , Rede vom Frieden, über die
Angelegenheiten im Chersones. 2. Aufl. Leipzig,
Weidmann 1853. (12 Ngr.) II. Bdchen: Rede vom
Kranze u. gegen Leptines. (15 Ngr.) Il. Bdchen
Reden g. Aristr., Kon., Eubulid. (10 Ngr.)
Tätige Einleitungen über Demoſthenes im Allgemeinen
und zu den einzelnen Reden, mit hiſtoriſher Kritik und mit
wiſſenſchaftlicher Sicherheit verfaſſt, ſtellen den Leſer vorerſt
auf den rechten Standpunkt der Betrahtung und Beurtheilung;
ein ſorgſam abgewogener Text in der bekannten ſc<önen Aus-
ſtattung der Weidmann'ſ ten, gleihmäßig auf das in Sprache und Sache zu Beobachtende
und Schwierige gerichteten Anmerkungen geben auch dieſer Aus-
gabe Anſpruch auf ehrenvolle Anerkennung und machen ſie zu
einer ſehr empfehlenäwerte Schulausgabe. Nicht bloß Scdüler,
auch Lehrer können beim Schulgebrauch mit ihr ausreichen. Den
Schülern werden Erleichterungen für die Conſtruction und die
rihtige Deutung einzelner Wörter und ganzer Stellen geboten,
welche die ſelbſtthätige Vorbereitung nicht aufheben. Zn der
Aufnahme von Conjecturen in den Text iſt Hr. W. ſehr vor-
ſichtig , indem er es vorzieht, in den Anmerkungen Vorſ niederzulegen. Er geht darin vielleiht zu weit, wie er denn
z. B. Olyntih. 1, 3 das „kaum verſtändlihe und im Medium
ganz ungebräuchlihe“ ToE8EWnTa niht hätte halten jollen.
S. 20 hatte W. in der erjten Ausgabe aus Verſehen 7&>Vr
vor evt im Text weggelaſſen , aber in den Anmerkungen als
im Text befindlich erklärt, und wie das Wort im Text nicht
haltbar iſt, ſo muſte au< ſeine Mitberüſi ten etwas Gezwungenes und zu Gekünſteltes hervorrufen. In
der 2. Ausgabe ſteht das unſelige r&dr nun wirklich auc im
Texte. Damit iſt Widerſpruch im Text entſtanden und wird
dieſer durH Annahme eines bedingungsweiſe ausgeſprochenen
Verlangens, wie auc) Sauppe meinte, nicht gelöſt. Das Nein
und Ja in demſelben Sage: Non iuheo hanc pecuniam mi-
litarem esse, Sed exercitum parari et hanc pecuniam mi-
litarem esse wird auH dur< die folgenden Worte nicht bes
greiflich; ohne rvr ergibt ſih aber bequem und vollkommen
befriedigend und klar der Sinn: J< beantrage nicht, die
Theatergelder in Kriegsgelder zu verwandeln, aber ich erachte
für nötig: 1) die Ausrüſtung von Soldaten, 2) daß Kriegs-
gelder vorhanden ſind (eeys), 3) deren re daß ſie nämlich denen zugewendet werden, die des Krieges Laſt
und Gefahr tragen. --
Zwedmäßig wird der Scriftſteller gewöhnli< dur gleihung von ihm ſelbſt angehörigen Stellen erläutert; wo
ſolche authentiſche Beleuchtung niht vorhanden iſt, «treten Stel-
1854
„AM 140-+

ſen anderer Schriftſteller ſubſidiariſch ein , oder wird auf Krü-
ger's Grammatik verwieſen. Des Redners Geiſt und Sinn wird
mit Schärfe ermittelt und hervorgehoben , namentlic< das Spre-
Hende und Treffende ſeiner aus dem praktiſchen Leben gegriffe-
nen Vergleichungen zum klaren Bewuſtſein gebra 3. B. in dem ſc Ausdrücke ſo gedeutet worden ſind: „0 &ws, leichtſinnig. Ent
7073 118. T0x.] Der Artikel bezeichnet die Sache als eine
bekannte, oft genug vorkommende. HSohe Zinjen waren im
Alterthum etwas Gewöhnliches; an's Unglaubliche aber grenzt
der wucheriſche Zins von 14 Obolen tägli< auf die Dracqme
bei Theoyphr. Char. 6. 7 &oxie iſt das urſprüngliche , das
Stammvermögen , Haus und Hof, das der Schuldner dem
Gläubiger verpfändet. &nxt noAAm] Dabei ſ der zum Grunde liegende Begriff ein allgemeinerer iſt (ſ. 8, 58),
do< in dieſer Verbindung 70x vor. Vgl.“ 20. wird der Ge-
halt des Ganzen ſo zuſammengefaſſt , „Demoſthenes vergleicht
die Athener mit leichtſinnigen Verſchwendern: Philippos iſt der
Wucherer, der hohe Zins, den ſie ihm zahlen, die preisgegebe-
nen auswärtigen Beſizungen , der Genuß, den ſie dadurc< ex-
kaufen, die Ruhe für den Augenbii> , das Stammvermögen
endlih, das auf dem Spiele ſteht, das Vaterland ſelbſt.“
Durch ſolhe den Geiſt aufſuchende Behandlung des Redners in
Sculen wird Demoſthenes, wozu er vor allen berufen iſt, der
trefflichſte Lehrer und das beſte Vorbild eines klaren , bündigen,
beweisfräftigen und obſiegenden Redners, wie vorzugsweiſe Eng
land manchen ſeiner Söhne im Parlament mit Demoſtheniſchem
Verſtand und Mark ſprechen hörte und weithin wirken ſah.
Das Gymnaſium mit ſeinen verſchrieenen Alten wird demnach
durch recht fleißiges Leſen und in ſich Aufnehmen des Demo-
ſthenes weſentlich zur Nationalbildung und EntwiFelung redne-
riſcher Talente mitwirken. Dazu kommt der große Ertrag po-
litiſ manns , und die fittlihe Stärkung des Charakters, die aus
jedem Lebensact des großen Redners gewonnen werden kann,
welche das Studium des Demoſthenes zu einem ſo höchſt exr-
ſprießlichen für das Jünglingsalter machen. K. W.
Demosthenis orationes, provemia, epistolae ex re-
cengione G. Dindorfii. Voll. Ul. Partes 6. Ed,
Secunda correctior. LipSiae, Teubner, 1850 u. 1851.
(1 Thlr. 7x Ngr. Die einzelnen Abtheilungen zu ver-
hältnismäßigem Preiſe käuflich.)
Der gelehrte, als Kritiker namhafte Herausgeber bietet uns
nur den Text des Redners ohne irgend eigene Vorrede oder An-
merkungen. Er darf dem Sprichwort vertrauen: Vino vendi-
bili nibil opus est Suspensa hedera. Die einzige nicht
griechiſche Zugabe iſt: Reiskii index bistoricus in Demosthe-
nem correclus S. 407 -- 445 des 3. Bds. Der Text iſt,
wie in der ganzen Teubner?ſ ausgeſtattet und correct gedru>t und innerliM nach dem heuti-

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