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derung Hefiods von den Hekatonhiren verwieſen werden, die
um eine Generation älter angegeben werden, als die aus dem
vergoſſenen Blut des Uranos entſtandenen Giganten. = 70.
Sententiarum mearum „ſolcher Anfichten, einer Anſicht,
wie ih ſie hier aufgeſtellt habe“, iſt nimt mit der Hrn. N.
ſonſt eigenthümlichen Beſtimmtheit und Schärfe gedeutet. Warum
nicht wörtlih nehmen: Zeuge meiner Sprüche iſt 26. Horaz
hatte 2 sentenlias gefällt: 1) vis consili expers mole ruit
Sua mit feinem Gegenſaß vim temperatam di quoque pro-
vehunt, für welchen fein Beiſpiel gegeben, aber Auguſtus ge-
dacht wird, und 2) idem odere vires omne nefas animo
moventes. Als Zeugen für die Wahrheit des erſten Spruchs
werden aufgeführt : der hundertarmige Gyes und die monstra
Gigantum. für den 2. Spruch der Tentator Orion virginea
domitus Sagitta, der incontinens Tityos und amator Piri-
thous. -- II1, 8, 6 yoveram „denfe quuim haec apparabam“,
das wäre ſehr zur Unzeit gewejen, vielmehr quum a Libero
Servatus essem. Gegen Iinsztitulae == quae didicit war nichts
zu ſagen, und iſt dieſe Metapher leichter als quae coepit,
was nicht durch's Paſſiv ausgedrü&t ſein kann.
Der 2. Theil, Sat. und Ep. erl. von Krüger, hat die
no< größeren Schwierigkeiten nicht minder gut überwunden und
vereinigt alle Vorzüge einer tüchtigen Sc Schüler wird die Arbeit, der er gewachſen iſt, in der Regel
niht geſchenkt; nur dur< Winke und Verweiſungen zu einem
richtigen Ergebnis geleitet, vor Irrungen bewahrt und durch
Angabe des für ihn nicht Findbaren erleichtert ; mehr als das
Sprachliche wird das Sachliche, Jdee und Plan eines Gedich-
tes, die ſittlichen und focialen Zuſtände der Zeit, des Dichters
Natur, ſeine Verhältniſſe zu ſeinen Zeitgenoſſen beleuchtet. Zu-
erſt wird der Urſprung und das Weſen der horaziſchen Satiren
erörtert, die na< Art der alten att. Komödie nichts anderes, als
humoriſtiſ<;e Zeit- und Sittengemälde find. Als Text liegt
der von Th. Schmid revidirte der Jahn'ſ Grund , iſt aber an einzelnen Stellen naM der neuen Haupt'-
imen Ausgabe, Leipzig bei Weidmann, 1852, berichtigt worden.
In bedenklichen Fällen hat Hr. K. ein geſundes, feines Urtheil
bewärt, z. B. Sat. 1, 2, 81 und 1, 108 die alte, auch von
Reiſig und Wüſtemann vertheidigte Le8art = Sit licet voc,
Cerinthe, tuum! -- und Illuc, unde abii, redeo: nemo
ut avarus richtig beibehalten und gedeutet. Die Erläuterungen
unter dem Texte find mit großer Sachkenntnis, ſforfäitigſter
Benutzung der Vorarbeiten , namentlih Orelli's, Heindorf-Wür
ſtemann?s und Dünßer's, feinſinnig und mit liebenswürdiger
Beſcheidenheit abgefaſſt; nicht gleihmäßig bei Alem und Jedem
ausfürli< , ſondern mit pädagogiſchem Tacte nur bei dem ver-
weilend , was für die Schüler wichtig, leſens- und beherzigens-
wert iſt, dagegeir Über anſtößige Stellen, wie im 2. Theile
der 2. Satire , züchtig hinwegeilend. Sein Commentar reicht
für einen felbſtthätigen S matifer überſieht Hr. K, keine grammat. Schwierigkeit ; entwe-
der löjt er fie ſelbſt auf, wie Sat. 1, 1, 1093: nemo ut se
probet, 3, 6: proficeret, 3, 120: ut caedas, non vereor,
oder er verweiſt wenigſtens auf ſeine, zuweilen auch Zumpt's
Grammatik. Dadurc< befähigt er denkende Schüler zu geiſt-
ſ Berichtigung bedarf. Durchweg wird des Dichters Abſicht,
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Plan und Gedankenfolge ſcharf in's Auge gefaſſt und der junge
Leſer von vornherein gewöhnt, einen ſeine Lebensanſ und Grundſäße förderlichen Gehalt in ſeinem Schriftſteller auf-
zuſü leiht allzu pünktlic) (nur in der Versbezeichnung der einzelnen
Gruppen von Sat. 1, 1 ſind einige Verſehen untergelaufen) und
ausfürlih. Er hätte wol der nachdenkfenden Vorbereitung der
Schüler und der Ergänzung der Lehrer etwas mehr Übrig laſſen
dürfen. Zu ſolcher zuweilen über das Shulbedürfnis hinaus-
gehenden Ausſtattung veranlaſſte Hrn. K. vermutlich die Rü>-
ficht auf Leſer außerhalb der Schule. Ihnen wollte ex „einen
Beitrag zur Erleichterung des richtigen Verſtändniſſes liefern,
der , in ſo fern er ſich abſichtlich von dem ſpeciſiſc< Philolo-
giſchen fern hielt, als eine familiaris interpretatio dem Dih-
ter vielleicht auc< unter den Nichtphilologen Freunde zu erwer-
im Stande ſei.“ Vermiſſt haben wir nichts Weſentliches, an-
knüpfen und hervorheben ließe ſich viel Jntereſſantes , was jedoch
in einem Commentar keinen Raum finden kann, 3. B. des
Dichters Ausſpru< : Nam vitiis nemo Sine nascilur, der in
die jeht vielberegte Frage über Erbſünde, oder urſprüngliche
Reinheit des Menſchen eingreift und einer bekannten Behaup-
tung Lord Palmerſton's widerſpri iſt ſehr cor-
rect, Sat. 1, 3, 84 iſt nam : Paulium mißföllig. Zum Schluß
die Bemerkung, daß Sat. 1, 4, 21 ultro deiatis capsis, wie
Hr. K. richtig gefült hat, nicht nam Wüſtemann's allzufeinge-
ſpiter Behauptung dem Fannius , ſondern ſeinen Schmeichlern
zuzuſchreiben iſt und zwar, wie mir ſcheint, deshalb , weil nach
W's Deutung die Worte mea nemo Sscripta legit ohne Be-
ziehung fein würden, nac< der anderen Auslegung dagegen in
dieſen Verſen ein doppelter Gegenſaß ſprechend hervortritt: der
ÜherglüFliche Fannius, der im Beifall ſeiner Bewunderer ſc und der niedergeſ ſodann die Huldigungen und Demonſtrationen des Publicums
dem Fannius gegenüber und die Gleichgültigkeit der Leſewelt
gegen Horaz (nemo mea Secripta legit). Die Dichter bilden
per chiasmum die äußeren Glieder, der Enthuſiasmus der
Zeitgenoſſen für jenen und die Kälte gegen dieſen die inneren
Glieder der Gegenſäße. K. W.
Zur Schulgeſchichie.
Berlin, Oci. Das Sculcollegium der Provinz Brandenburg hat an
den Magiſtrat ein Reſcript gerichtet, in welchem es auf die von dem
Maler Kieſewetter während ſeines langjährigen Aufenthalts unter den
aſiariſchen Völkern yon ihm angefertigten zahlreichen Bilder aufmerkſam
macht, da ſie die ethnographiſchen Verhältniſſe derſelben auf das Lehr-
reichſte zu veranſchaulichen im Stande ſind. Das Schulcollegium em-
pfiehlt dieſe Bilder zur Beſihtigung dur< Schulen, und veranlaßt die
Schuldeputation, die Vorſteher und Vorſteherinnen der hieſigen höheren
Knaben- und Töchterſchulen auf dte Ktieſewetter'ſchen Arbeiten hfnzu-
weiſen. (Berl. Nr.)
--“ Die hier beſtehenden Nettungsanſtalten für ſittlic verwahrloſte
Kinder reihen zur Abhtlfe des Bedürfniſſes nur theilweiſe aus. Es
wird deßhalb die Errichtung eines Rettungshauſes beabſichtigt und ſind
angeſehene Perſonen bereits an die Spiße des Unternehmens getreten.
(Berl. N.)

Verantwortliche Redactoren:
Dr. K. Wagner und Dr. K. Zimmermann. =- Dru und Verlag von K. W. Leske in Darmſtadt,

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