Allgemeine Schul-Zeitung.

Dienstag , 28. November
Philoſophie im Alterthum.
1) Ueberſicht der griechiſh-röm. Philoſophie von K, Prantl.
(10 Sgr.)
2) Plato's ausgewählte Werke. Deutſch von K. Prantl,
1. Bdhen: Phädon. (5 Sgr.) 11]. Bdhen: Gaſt-
mahl. (5 Sgr.) (Bilden die 2., 3. und 7, Lief, der
bei Hoffmann in Stuttgart ſeit 1854 erſ lung grieß. und röm. Claſſifer, ſ. A. S. Z. Nr. 140)
S. 1219.
„Sin gefallenes Jahrhundert um das andere“, bemerkt un-
ſer Jean Paul in ſeinem Titan, „empfängt von den Griechen
die Gnadenmittel der moraliſchen Stärkung.“ An dieſer hu-
moriſtiſc jeden Falles das Wahre , daß beſonders in dem philoſophiſchen
Deutſ modernen Weigsheit eintritt, immer wieder die alten, na-
mentlim< die grie ihnen ſic wieder zu erholen und zu ermannen. Nachdem die
Philofophie dur; Kant über die empiriſch rationale Theorie
der Phänomene wieder geſiegt hatte, war ſie lange die Königin
und Chorführerin aller Wiſſenſ wurde ſie vergöttert, von ihrern Gegnern zwar verwünſcht, aber
gefürchtet und wegen der Protection in hohen Regionen be-
neidet. Auf dieſe ſchönen Tage ſind Zeiten ſ harte Anklagen und Entmuihigung gefolgt. Wie dieſes kam
und fommen mußte, darüber hat ſich Ref, ander8wo ausführ-
licher verbreitet. (f. Grundriß der Geſ<, der Phil, für
Schüler der oberſten Claſſe von Gymnaſien und
für angehende Studirende, nebſt Betrachtungen über
die Vergangenheit und Zukunft der Phil. Eine Ge-
dähtnißſ Schulen zu Worms , Worms bei Daniel Schmidt, 1854.) --
Es iſt aber nun einmal das Hauptmerkmal des edlen menſ<-
lihen Geiſtes, daß er ohne Denken nicht, ſein kann; nur der
gemeine, animaliſ Bhilofophen humoriſtiſ<; in den Mund legt: Oft ſ i< und habe an gar Nichts geda ni Gedanken. Damit leßtere erſtere nicht überwältigen , gibt es
kein anderes Mittel, als das Denken nicht einzudämmen , denn
umdämmtes Watfſer ſtagnirt 2c. == Es wird nun zwar nicht
nur in Künſten und Wiſſenſ allen Handwerken und gewöhnlichen Verrichtungen ; gute Künſt-
ler, Werkleute 2. ſind keine andere, als denkende oder fin-
nige; aber die Wiſſenſchaft, wel alles Denken in Bewegung erhält und vor aller Stagnation
bewahrt, iſt die, welche wir mit dem griechiſchen Namen Phi-
lofophie benennen. Es gibt Zeiten, in wel<ßen der edler
denkende Theil der Menſc kens nichts Neues denken kann, oder nicht weiter, als die Vor-
185 4.

PN? 142.
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welt denken will; aber dann muß er, ſo unabweislich und ſo
unveräußerlic iſt das Denken für den Menſ ſhon Gedachte bedenken oder nachdenken. = (Es iſt demnach
ebenſo erklärlich , als exfreulic< , daß in unſerer Zeit , in welcher
wiederum das eigentliche Phrontiſterion verlaſſen ſteht, wieder
die alten Koryphäen des Denkens, namentlich der Fürſt der-
ſelben, Plato, fleißig zur Hand genommen werden, ex, deſſen
Hauptmerkmal iſt, daß er nicht jowol ein Denkſyſtem, als
vielmehr vorzugsweiſe Denken lehrt. Seit kurzer Zeit ſind
nämlich niht nur einzele Dialogen desfelben mehrfach über-
ſeßt, ſondern ſeine ſämmtliche Werke ſind auc<, und zwar
vielfa Hr. Aug. Arnold, Berlin 1885 u. 1836 eine ſolche Ge-
ſammtüberſeßung an , wovon i< nur 2 Hefte kenne; ferner
Hr. G. F. Dreſcher, Gießen 1848, deſſen 1. Bd, die Apo-
logie, den Krito, Phädo und das Gaſtmahl enthält (in dem
dortigen Gymnaſialprogramm ließ derſelbe 1850 no< den Eu-
typhro folgen); von der Ausgabe: Plato's Werke, grie-
fungen, Leipzig 1850, W. Engelmann, ſind bereits 14 S ten des Philoſophen erſchienen, worunter ſih auch der Phädo
befindet; von Plato's Sämmtlic Hieron. Müller, mit Einleitungen begleitet von K. Stein-
hart, Leipig, 1850 (BroFhaus), ſind bereits meines Wiſſens
drei Bände erſchienen. Hierzu kommt nun das hier vom
Rf. angezeigte Unternehmen, mit deſſen Beurtheilung die ver-
ehrliche Red. mich betraut hat.
Fragen wir nicht: war nach mehreren fehr zwe&mäßigen
Umriſſen der Geſchichte der alten Philoſophie (für einen der
zwedmäßigſten ver ganzen Geſchichte der Philoſ. gilt unſtrei-
tig der von Hrn. Dr. A. Shwegler, Stuttg. 1848) ein neuer
nöthig , war namentiich na mungen des Plato eine neue nöthig? =- Wie man hinſicht-
lim des Dichtens geſagt hat: ſinge, wem Geſang gegeben,
ſo darf man au ſchreibe über ſie und Überſeße ſie, wem ein Verleger gegeben
iſt. Zudem hat das oben angezeigte Unternehmen ſeinen beſon-
deren und eigenen Standpunkt bezeichnet: Durch die beabſich-
tigte „Auswahl“, dur< Format, durch die Wobhlfeilheit des
Preifes iſt es offenbar nicht für die eigentlichen Gelehrten be-
rechnet. . „Die angekündigte Sammlung Grieß. und Röm.
Claſſiker hat (ſo lautet am Umſchlag die ausdrüFli rung), den Zwe>, demjenigen Publicum , welßes aus Dichtung
und Proſa Unterhaltung und Bildung ſc<öpft, der alten Spra-
hen aber ni zum Genuß zu geben. Durch vorzügliche Ueberſezungen, welche
ohne Ueberfluß gelehrter Zuthat das Original mit allen ſeinen
Eigenthümlichkeiten in deutſ gießen , ſowie durch gediegene Einleitungen, welche raſch in die
antike Welt verſezen und einen leichten Ueberbli> über die Ent-
widelung und das ganze Gebiet der einzelen Gattungen der
Literatur verſchaffen, foll es der gebildeten Leſewelt möglich wer-

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