Friedrich StraF,
das Bild eines edlen Menſchen, namhaften Gelehrten und ho verdienten Schulmannes,
entworfen vom Director Friedr. Aug. Menke in Bremen, *)
Nur Wenige begleiteten am Abend des 27. Juli 1852 zur
Ruheſtätte die ſterbliche Hülle eines unſerer edelſten und ver-
dienſtvollſten Mitbürger, des emerit. Vorſtehers der hieſigen
Vorſchule, Prof. Dr. Chriſtian Friedr. Lebreht Stra>. Tau-
ſende würden ihm dieſen Tribut der liebevollen Anhänglichkeit
und Verehrung gezollt haben, wenn nicht die geehrten Ange-
hörigen es der anſpruchloſen Beſcheidenheit des Verſtorbenen,
der im Leben alles Auffehen und Gepränge ſtets gemieden
hatte , für angemeſſener erachtet hätten , die Beſtattung desfel-
ben ſo geräuſchlos, wie möglich, geſchehen zu laſen. Allein
dem. „Bremiſchen Beobachter“ würde es wol zum gerechten
Vorwurfe gereichen , fühlte er ſic) nicht aufgefordert zu einigen
Worten des Andenkens bei dem Hintritte eines Mannes, der
als Menſ< , als Gelehrter, als Dichter, als Erzieher ſo allge-
meiner Achtung und Liebe genoß, und der namentli< auc in
einem Zeitraum von mehr als 8 Decennien dem S unſrer Vaterſtadt eine Wirkſamkeit widmete, deren Segen noh
ſpäten Geſhle>tern zu Gute kommen wird,
Jndem wir das Verdienſt einer ausführlichen Biographie
und der Darſtellung ſeiner äußeren Lebensverhältniſſe hier nicht
in Anſpruch nehmen, ſei es uns erlaubt, in einer kurzen Cha-
rakteriſtik vas theure Bild desſelben uns zu vergegenwärtigen.
Er verdient es; denn er war eine durc< und dur< edle Natur,
was bei der Kindlichkeit ſeines Gemütes, der Lauterkeit ſeines
Sinnes und Offenheit ſeines Charakters leicht erkannt werden
konnte. Die Wahrheit war ihm das heiligſte Gut, dem er mit
entſchiedenem Ernſt der Seele von früheſter Jugend nachſtrebte.
Sie war das Ziel ſeines Forſchens, die Richtſchnur ſeines Hans
delns. Daher kein Falſ Heuchelei, Mit klarem Geiſte ſuchte er früh ſich's zum Be-
wuſſtſein zu bringen , welches hienieden ſeine Stellung fei zur
allwaltenden Vorſehung, zu feinen Mitmenſchen, zu dem bejon-
dern Lebensberufe , dem er fich widmete. Dies verſchaffte ihm
eine ſichere Begründung der Religioſität , der Menſchenliebe, dex
Pflihttreue. Daher unwandelbar treues Beharren bei den ge-
wonnenen Grundſäßen , daher Über ſein ganzes Weſen ausge-
goſſener ſtiſler Friede , Ruhe , Beſonnenheit , Maßhalten , Har-
monie, die ihn in dem wirren Treiben des Lebens, in welchem
oft die verſchiedenartigſten Anſichten ſim geltend zu machen
juchten , leicht und ſicher die Vermittlung finden ließen. Was
er zu glauben habe, darüber war er mit ſicß einig; aber fern

*) aus dem „Bremiſchen Beobachter“ wieder abgedruFt im Vorwort
zu StraFs Ueberſezung von Plintus Naturgeſchichte,




von aller Frommthuerei oder Unduldſamkeit ehrte er mit Be-
ſcheidenheit die abweichenden Anſichten , worin Andere ihre Be-
ruhigung fanden. Wie das Gebäude feiner religiöſen Ueber-
zeugungen feſtſtand, iſt einem Jeden bekannt, der ſich erquit
hat an dem frommen, wahrhaft gottſeligen Geiſte, der aus ſei-
. nem Eloah und den Stunden der Einjamkeit den Leſer
anweht, und an der darin ſich ausſprehenden Empfänglichkeit
für alles Gute, das von allen Seiten die ewige Güte dem
Menſc aufzunehmen verſteht. Und dies Verſtändniß beſaß St. in ho-
hem Grade und bethätigte es namentlic) auch in der liebevollen
Pflege feiner Blumen, die ihm nicht nur eine Offenbarung der
göttlihen Güte und Freundlichkeit waren und ihm eine ſc Crholung gewährten, ſondern auc< häufig Gelegenheit darboten,
Andere zu erfreuen.
Mit ſeinem religiöſen Sinne hing eng zuſammen ſein men-
ſhenfreundlihes Gemüt. Seine Herzensgüte war unermüdlich ;
in wolwollendem , dienſtfertigem Entgegenkommen ließ ex ſich
nicht irre machen , mochte es auch einmal mit Liebloſigkeit aufs
genommen und mit Undank vergolten werden. Seine Freund»
ſchaft war redlich , warm , zuverläſſig. War ein Miſſverſtänd-
niß mit Einem, den er ſonſt achtete, oder hatte er abſihtslos
ihm wehe gethan: da eilte er gewiß die Hand zur Verſöhnung
zu bieten und wartete nicht, bis etwa gelegentlich das gute Ver-
nehmen fih von ſelbſt wieder herſtellte. Auf eine ſeltene Weiſe
frei von Eigennuß und Gewinnſucht *) und freigebig mit dem,
was ex zu geben vermochte, nahm er jeden Beweis von Wol-
wollen mit Dankbarkeit auf und ſc Sinne des Gebers, als der eigenen Würdigkeit zu. Dieſe ſeine
Demut war nicht etwa, wie bei ſo Vielen, eine gleißneriſche
Hülle des Hohmuts, angelegt, um Anderer Anerkennung her-
vorzurufen , ſondern ehrli< und aufrichtig. Denn jo mild und
nachſichtig er in der Beurtheilung der Fehler Anderer war , [9
ſtreng war er gegen ſich ſelbſt und war fern von dünkelvoller
Selbſtgefälligkeit. Streng war er auch in ſeiner ganzen Le-
hensweiſe, einfa des Luxus. Denno und Genüſſe. In heiteren Kreiſen war er ein fröhlicher Theilneh-
mer der allgemeinen Luſt und liebte es, ſie zu heben, zu wür-
zen, zu veredeln durch irgend einen gemütlichen, ſinnvollen Kern-
ſpruch oder einen kleinen Vortrag, wie er dem vollen Herzen
entquoll, ohne ſtudirten Kedeſ macerei. Do< zu ſolher Art der Ausſpannung ließ ihn ſeine
Arbeitſamfeit , ſein unermüdlicher Thätigkeitstrieb ſelten kommen.

minen mn
R) Dieſe aus der edelſten Pietät und Kieberalität hervorgehende Un-
eigennüßigkeit bewies er auch z4 B dadur<, daß er auf das für
die verſchtedenen Ausgaben des deutſchen Leſebuchs ihm ausgezahlte
Honorar zu Gunſten der Witwen - und Waijenkaſſe der Lehrer Ver?
zicht leiſtete, weil er es nicht über fich vermochte, Arbeiten, denen
er für die Schule ſich unterzog, ſich außerordentlich bezahlen zu
laſſen.

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