181
Erinnerungen an alte Wahrheiten.
Nur die Bahn des Glaubens, des Gehorſams und der Ge-
duld macht uns fähig, Lehrer und Erzieher zu werden.

Lehrer! Du darfſt nicht erſt den Frühling erwarten , um
Blumen zu ſehen; in deiner Schule iſt ein ewiger Frühling,
wenn du nur die Sonne biſt, welche Keime zu weden Kraft
Jat.

Die große Sünde unſerer Pädagogit liegt darin, daß der
Unterricht und die Lehrer Alles leiſten ſollen , die Eltern aber
ſo wenig als möglich thun und glauben no wenn ſie Geld für die Kinder ausgeben. =- Gar oft, jeßen
wir hinzu, wäre zu wünſchen , daß die Eltern weniger thun
möchten, als fie thun, ließen ſie doG nur den wadern, ver-
ſtändigen Lehrer gewähren und frei ſchalten in ſeinem Gebiete,
wenn er Neſſeln, Dorn und Diſteln ausjätet, um den edeln
Pflanzen Luft zu machen. Welcher Kinderfreund hätte nicht
ſhon die Thorheit und den Unverſtand der Eltern beklagen
müſſen , wel Mißbilligung, oder mittelbar dur Mangel an kräftiger Unter-
ſtüzung entgegentreten und durch ſolche verderblihe Schwachheit
die Liebe in Haß gegen ihre gehätſchelten Lieblinge verwandeln ?
em ven woman m een emen arenen EE
Man ſieht wohl ein, daß die Kinder viele Sorgfalt exfor-
dern, darum ſorgt may noh beſonders für Privatſtunden und
einen ganzen Tag voll Unterricht. Aber Vater und Mutter
wollen das nicht ihun, was nur Vater und Mutter der Natur
gemäß thun können. Ruhe und Friede zu Haufe, dex Anbli
der Arbeit und häuslihen Genuſſes wirkt auf die Kinder, wie
ein Frühlingsſtral auf ſc ſpräche der Eltern geben den Kindern mehr Verſtand, als alles
Vergleißen und Unterſcheiden in der Shule.
Die Eltern müſſen begreifen lernen, wel ſie begehen , wenn ſie den Lehrer zum Opfer für des Volkes
Sünde machen , es muß ihnen klar werden, daß der Lehrer, ge-
gen die Eltern betrachtet, nur eine untergeordnete Kraft iſt bei
der Bildung des Kindes, daß das Vaterhaus die erſte, und
die Schule die zweite Stelle einnehme, wovon jeßt mißbrau weiſe das Umgekehrte ſtattfindet. Aus den Häuſern dringt die
Tugend in die große Welt, die meiſten großen Männer hatten
edle Eltern , namentlich hatten faſt alle =- heilige, ſromme
Mütter , alſo zu Hauſe edle Vorbilder.
Eine neue Mitgabe auf die LebenSreije.
Gedankenperlen zum Betrachten und Beachten, Sammlung für fin-
nende und ſinnige Freunde von M. G. W. Brandt, zum
Beſten der Anſtalt zur Ausbildung der Kinderpflegerinnen in
Nonnenweier bei Lahr im Großh. Baden. Frankfurt a/M
bei Heinrich Ludwig Brönner. kl. 8. 91 S.
Ein recht empfehlenswerthes Büchlein nac< Zwe und In-
halt, Sein Inhalt? Eine Sammlung von geiſtreichen
182
und geſunden Sentenzen von Männern aus verſchiedenen Zei-
ten und verſchiedenen Völkern. Man findet hier den Talmud
neben Luther citirt, Zinzendorf neben Pascal; hier ſteht ein
alter Spruch neben einem Produkt der neueſten Zeit. Doch
darf man nicht glauben , als ob hier eine Laienbibel für eine
flache, farbloſe Religion dargeboten würde, Jeder Ausſpruch athmet
das Büchlein zur eigenen Anregung benutzen ; auß kann unter
Umſtänden dieſer und jener Spruch in Predigten feine wirljame
Stelle finden. No< mehr aber möchte das Sc willkommen ſein , welhe für Stammbücher , Album u. |. w.
paſſende Sentenzen ſuchen. Hier wird ihnen Vieles geboten,
was gedanfenſchwer , ſinnreih und nüßlicher iſt, als die ſa-
den Reimereien und oft unzüchtigen Scherze, welche gar
häufig gebraucht werden. Vielleicht möchte eine andere Anord»-
nung, als naß den Wochentagen, den Vorzug verdient haben.
Man hätte leichter die Sprüche nach ihrem Inhalte aufſuchen
können. K. St.
Zur Schulgeſchichte.
London. Bei Ritter Dr. Bunſen war am 28. Januar
ein kleiner, aber ausgezeihneter Gelehrtencongreß, um über die
Frage in's Reine zu kommen: ob ein allgemein anwendbares
Syſtem, die Alphabete fremder, namentlich außereuropäiſcher
Sprachen dur< römiſ möglich und zwedienlih ſei. Außer Dr. Max Müller (dem
bekannten Herausgeber des „Rigveda" , einem Theil der Wedas
oder heiligen Bücher, auf Koſten der oſtind. Compagnie) und
Dr. Berß, der die Berliner Akademie bei diejer Gelegenheit
vertrat , waren mehrere engliſche Gelehrte, wie Sir John He r-
ſ< el, Prof. Owen, anweſend. Bunjen jagte in ſeiner Ex-
öffnungsrede: zwei große Erſcheinungen ſeien in diejem Jahr-
hundert aufgetaucht =- das allgemeine Alphabet, wie es
von Volney als allgemeines Bedürfniß hingejtellt worden war,
und die große Über die ganze Erde ausgebreitete proteſtan-
tiſche Miſſionsbewegung. Die erſte erhielt ihren mächtigſten
Anſtoß durch das Studium des Sansfkrit, mit ſeinem wundervollen
ſymmetriſchen Lautſyſtem und ſeinen lebendigen Traditionen Über
die Ausſprache, mit deſſen näherer Kenntniß eigentlich das verglei-
hende Sprachſtudium erſt begonnen habe; denn Phonologie und
Etymologie ſeien unzertrennlich. Bei der 2. finde man, daß
jede Miſſionsgeſellſ die kein Alphabet aufzuweiſen hatten, gewiſſermaßen ihrer eige-
nen Inſpiration folgen mußte, um fi< ein fol Die verſchiedenen in jenen Jdiomen veranſtalteten Bibelüber-
ſezungen beweiſen dieß zur Genüge. Sein Freund, der mit-
anweſende Geiſtlihe Hr. Venn, fei dadurch auf den Gedanken
geleitet worden , Verſuche zu wagen , wie die Eingebornen Afri-
ka's ein fo zu ſagen philofophiſ und wirklich habe man damit einen glüFli „Mir, ſagte B. , hat ſich die Nothwendigkeit eines ſol gemeinen Syſtems mit jedem Jahr ſtärker aufgedrängt, eines
Syſtems, das ein phyſiologiſches Princip zur Grundlage und
ein praktiſches behufs deſſen Anwendung beſißt. Ein ſolhes
Syſtem (von Dr. M. Müller) iſt Ihnen zur Prüfung überge-
ben , ein zweites hat Prof. Lepſius ausgearbeitet: er iſt am
21. yon Berlin abgereiſt und wird Ihnen ſeine Arbeit am 30.

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.