349
poſitiven Kenntniſſe darzuthun, daß ſie, unwürdiger und
verderblicher Oſtentation fremd, die gleihmäßige Ent-
wielung ihrer Kinder als ihre höchſte Aufgabe erkennen,“
Es find 17 Jahre, für die Geſhic bedeutſame Jahre, vorübergegangen, und über manche Beſtim-
mung dieſes Regulativs mögen wir uns wundern, aber im
Allgemeinen iſt nor heute viel aus ihm zu lernen, und es wäre
ein Glü> geweſen, hätten es die Rectoren befolgt.
Die Behörden wandten auc dere Sorgfalt zu ; aber dieſelben waren nicht lebensfähig.
Es lag dieß in der Natur der Sache; die Gefahr aller
monarchiſchen Inſtitutionen traf aum ſie; ihr Gedeihen hing
von der beſonderen ſittlichen wiſſenſ Tüchtigkeit der Reetoren ab; Männer aber, welche ſi; nach die-
ſen drei Richtungen auszeichnen, werden in einer ſolchen unter-
geordneten Thätigkeit nicht gern verbleiben ; die polniſchen Ael-
tern verloden und reizen zu jenen unwürdigen Oſtentationen,
vor welcher das Provinzial-Sc und viel bedeutendere Gründe liegen in den Schülern. Eine
kleine Stadt von 2000 Seelen hat do< nur ſehr wenige
Kinder , welche die Gymnaſialcarriere durhmacen ſollen, und
dieſe wenigen ſind gemeinhin nicht im gleichen Alter. Es ſind
alſo unter 20 Schülern einer ſolchen Rectorſhule kaum 6,
weldze wirklich als Sextaner und Quintaner angeſehen werden
können. BVielleiht ſind ihrer noh weniger, denn wer einmal
ſein Kind ſc es lieber bald das ganze Gymnaſium von unten auf abſol-
viren. Die andern 14, von denen im oben jpra<, kommen
nur in die Rectorclaſſe, um der überfüllten, oder, weil ein-
reſp. zweiclaſſfig, ni aus dem Wege zu gehen. Sie laſſen ſic) das Latein gefallen,
juchen aber das, was ſonſt die erſten Claſſen guter Stadtſchu-
len geben. Da haben Sie zwei ganz disparate Momente, zwei
Schülergruppen, welche nac< Alter, Lernzweck u. |ſ. f. ſpeciſfiſch
unterſ dex Individualität der Localverhältniſſe haben nun die Schulen
einen verſchiednen Verlauf genommen.
Mane find geradezu im Sande verronnen; d. h. ſie haben
es nie zu einer irgend erheblichen Schülerzahl gebracht, zulegt
hatten fie 3, 4 Schüler und wurden eingezogen, Daran hat
natürlich die Untreue der Lehrer eine große Schuld. I< weiß
nicht, ob es ganz wahr iſt, was man ſich hier erzählt, daß
der katholiſMe Provincial-Schulrath auf einer Reviſionsreiſe
einen Rector während der Schulſtunden mit einem Knaben pro-
menirend getroffen und, als er nac der Sc wort erhalten habe, hier ſei die Schule. Das kann über-
trieben jein, aber wahr iſt es, daß in manchen Städten neben
der Rectorijihule Privatinſtitute für Knaben entſtanden, daß bei
einem Etat, der jährlih 15 Thlr. für Lehrmittel, 46 Thlr.
für Extraordinaria auswarf, eine Schule na< Ablauf von 15
Jahren kein Jnventarienſtü> hatte, als Schultiſc faſſer. In beſonderen Fällen iſt hier die Behörde ſtrafend ein -
geſchritten. Das Gewöhnliche, wir müſſen hinzufügen, das
Natürlichſte und Erwünſchteſte war, daß von jenen obengenann-
ten beiden Elementen das reale ſiegte, die Rectorclaſſe mit der
*
320
Volksſhule in eine organiſche Verbindung trat und ſol das allgemeine Schulweſen des Ortes weſentlich gefördert wurde,
eine Einrichtung, bei der auch diejenigen nicht benachtheiligt
worden, welche einſt auf Gymnaſien gehen wollten. Es gab
no< einen dritten Fall, wo der Rector die Aufgabe der Schule
erweiterte und fie als eine höhere Lehranſtalt überhaupt, eine
Vorſchule für das Gymnaſium quand möme anſah. Wir haben
eine ſjol Kleinen, ein kenntnißreicher, unermüdeter Arbeiter, von früh um
6 bis Abends 7 lehrend, Lehren, Lernen, Wiederholen, Gehen,
Kommen der Schüler ging neben einander. (Es waren Knaben
und Mädchen, Juden, Polen, Deutſche; die eintretenden Polen
des Deutſchen niht mächtig, die eintretenden Deutſchen ſc Sextaner und die erſten Schüler handhabten ihre Logarithmen,
lajen Homer und Livius. Die Aufnahme in die Obertertia
und Unterſecunda, in ganz beſonderen Fällen in die Obex-
fecunda der evangeliſchen, wie der katholiſchen Gymnafien, nicht
bloß unſerer Provinz, war den Abgehenden fiher. Solch eine
Scule mag ſelten ſein; ſie iſt auch hier eingegangen, denn der
Rector hat eine andere beſſere Stelle erhalten, und ſeinem Nach-
folger dürfte wohl die Behörde die Freiheit, welche ſie auf
Grund jeiner ſeltenen Begabung und Tüchtigkeit jenem gewäbrte,
nicht wieder laſſen,
So viel ic< vernommen habe, ſtehen mit Ausnahme zweier
Städte alle Rectorclaſſen , die etwa noc< beſtehen, auf dem
Sterbeetat. In Rückſi Rectoren als Elementarlehrer angeſehen.
Stuttgart, Auf Veranlaſſung der königl. württemb.
Centralſtele für die Landwirthi von Schreiber und S colorirte Wandtafeln landwirthſc licher Thiere herausgegeben. Zeichnung und Farbe find ſehr
gelungen. Die eine Tafel enthält kleinere Säugethiere, die
andere Reptilien. Die Thiere find in ihrer natürlichen Größe
abgebildet, auch iſt ein das Verhalten dieſer Thiere zur Land-
wirthſ tafeln eignen fich. vorzugsweiſe zum naturgeſchichtlichen Unter-
richt, und wird die hierdurc lehrung dazu beitragen, der unnatürlichen Verfolgung der nüßz-
lichen Thiere entgegenzuarbeiten und ihren Schuß zu befördern.
Sind dieſe Tafeln zunächſt für ShHulen beſtimmt und empfoh-
len, um den Kindern den Nußen und Schaden der Thiere
re wachſenen ihre aufmerkjame Betrachtung zu empfehlen ſein.
„Kann man do<“ --- bemerkt das badiſche landwirthſchaftliche
Centralblatt = „no< häufig hören, wie die Kröten die Erbe
ſen freſſen und die Fröſche den Salat, die Maulwürfe und
Spißmäuſe die Graswurzeln abbeißen, und ſi< bei jeder Gele-
genheit Überzeugen , wie unſere unſ höchſt gefährlich verfolgt werden,“
Die Verlagshandlung hat ſich erboten, beide Blätter, auf
Leinwand gezogen, mit Stäben zum Aufhängen verſehen und
gefirnißt, um 3 fl. bei directer Beſtellung gegen Nachnahme
des Betrags abzugeben. |

Berantwortlicher Redacteur: Dr. K. Zimmerma un
. -- DruF und Verlag von C. W. Leske. tn Darmſtadt.

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.