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Das Schullehrerſeminar in Altenburg.
In einem früheren Berichte über das Schulweſen unſeres
Landes wurde auß die Reorganiſation des Scullehrerſeminars
beſpro der Weiſe Erwähnung gethan. Damals befand ſich die Anſtalt
jelbſt noM in den Räumen des Gymnaſiums, und es konnte
nur auf die nahe bevorſtehende Einweihung des neuen Semi-
nargebäudes hingewieſen werden. Dieſe Einweihung iſt nun
bereits feit längerer Zeit erfolgt, und es liegt mir deßhalb ob,
das Verſäumte nachzuholen und auf die Feier jenes Tages ge-
nauer einzugehen. Jn den Mittagsſtunden des 17. April ver-
ſammelten fim in dem zur Feier des Tages feſtlich geſ Orgelſaaie die Zöglinge und Lehrer der Anſtalt, und hier fand
denn in Gegenwart des Herzogs und der hohen Behörden des
Miniſteriums und Conſiſtoriums, ſowie eines anderweitigen
kleinen Zuhörerkreiſes die Einweihung ſtatt, Ersffnet wurde
dieſelbe durM den rhythmiſ Herren, den mächtigen König der Ehren“. Daran reihte ſich
die Rede des Herrn Generalſuperintendenten Dr, Braune, die
namentli< durc< ihren geſchi Zuſtände des Volksſ Anfänge eines Sullehrerſeminars, ſowie durc den eingehen-
den und, da das Material hierzu zum Theil in den Akten ver-
graben lag, ſc Wiege des Großen geweſen iſt, das höchſte Intereſſe bietet,
und die iM mir deßhalb auc< nicht brucſtüFweiſe, ſondern in
ihrem ganzen Umfang und Zuſammenhange wiederzugeben er-
laube. Sie lautete, wie folgt:
„Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir iſt, Sei-
nen heiligen Namen! Lobe den Herrn, meine Seele, und - ver-
giß ni heute an dieſer Stelle jubeln.
ſtattliche Gebäude 7 weder die Kunſt und der Geſchmack, der es
hergeſtellt, no< die Größe der Geldmittel, die darin verwendet,
noH die Gunſt der Lage, in der es ſich freundlich erhebt. Das
find Aeußerlichkeiten, die mit dazu treten, die wichtigen Kleinig-
keiten, die ſchwer entbehrt werden 3 ſie bewirken, daß man nur
Nichts vermißt; fie find der ſchön gegliederte Leib einer Seele;
fie find aber au<4 fo augenfällig, daß ihrer nicht vergeſſen wer-
den fann; fie bedürfen nur genannt zu werden. Sie geben
aber nicht der Seele den Schwung des Dankes gegen Gott
und den lebhafteſten Rhythmus in dem Lobe Seines Heiligen
Namens.
Grund davon iſt nicht das
Mit dieſem Seminargebäude tritt in die Seele der Ge-
danke an Alles, was uur für die Volksſchule und die Bildung
ihrer Lehrer geſ der Empfindung des Dankes anſ unſers Gottes höher und mächtiger fich hebt, Verſagen kann
ic) mir es nicht, ih mag es auch nicht erſparen, in vergangene
Zeiten zurückzugehen, damit recht klar werde, wofür wir, und
wie ſehr wir Urjam haben, Gott dem Herrn zu danken und
Ihn zu preiſen. So kurz wie möglih werde i< die Thats»
fachen gruppiren ; ich muß freilih bis 1787 zurüFgehen und
die Zeitbewegungen Überhaupt bezeichnen, da do< deren Wellen
in der freundlihen und wohlgeſchüßten Bai unſerer Altenburgis-
ſ rimtigen und wichtigen Bemerkung aus, die der Profeſſor der
Philofophie , Staatsrath Couſin , nac< ſeiner bekannten, den
Volksjhulen geltenden Reiſe dur< Deutſchland ausgeſprochen
hat : Um zu beſtimmen, was eia gutes Seminar ſei, muß man
wiſſen, was eine einfa ſhuien einer Nation joſlen dur Sinne des Volks und im Seminar das Chriſtenthum den | erſten
Plaß einnehmen. -
Alfo voran das Bild einer Volksſ gen Jahrhunderts, Das Sculzimmer iſt eng, niedrig, elend ;
das Schulhaus das ſchlechteſte im Dorfe. Aber das Schlimmſte,
die Squlſtube iſt Wohnſtube und Werkſtätte und wenigſtens
für einen Theil des Federpviehs Stall, Der Schulmeiſter, ein
Profeſſioniſt, nac< manderlei Streif- und Querzügen , ohne
irgend eine Vorbereitung zum Amte, blos um eine feſte Wohn»
ſtätte und eine ſichere Einnahme zu haben, angenommen und
angeſtellt, Die Kinder find ziemli< alle da. Nun teitt der
Sculmeiſter, einen Haſelnußſto> zwiſchen den gefaltenen Hän-
den, das Käppchen unter dem Arm vor ſeinen Tiſch und die
Morgenandacht beginnt. Zehn bis zwölf Kinder plärren, eins
nam dem andern, fajt ganz unverſtändlich alte Gebetsformu-
lare her, und dann folgt der leiernde Geſang von 2 Strophen,
wobei ein paar Knaben, welche nicht derb genug. mitſangen, je
eine Ohrfeige erhielten. Nun beginnen die Lectionen. Die
Lehrbücher poltern über Bänke und Tiſche vor; jeder liest ſein
Penſum, diesmal aus dem Propheten Daniel , leiernd oder
ſtotternd oder radbrehend , jeder etwas über 2 Minuten, dann
flettert er auf feinen Plaß zurüf. So vergingen dreiviertel
Stunden. Die Syſlabirſchüler folgen; ſie haben den Katechis-
mus; dießmal ans dem Amt der Sclüjfſel; jeder nicht ganz
zwei Minuten 3; es dauerte eine halbe Stunde. Nun kommen
die Buchſtabirſhüler. welche paarweiſe vor- oder rü>wärts ihre

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