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Scutllehrerſeminarien : in Hannover 1757; in Breslau 1767,
wo bereits 1765 ein katholiſches gegründet war ; in Meiningen
1778 dur< Freigebigkeit des Herzogs und Beiträge der Frei-
maurerloge; 1779 in Kaſſel, 1781 in Kiel dur< Betreiben
des (Brafen von Bernſtorff und Geſchenke der ſchleswig-holſtein?:
ſchen Ritterſchaft; 1783 in Gotha; 1787 in Weimar, nah-
dem Herder ſeit 1780 darauf hingearbeitet hatte ; 1785 in Dres-
den; 1794 in Weißenfels; 1797 in Hildburghauſen u. A. In
Altenburg wurde 1787 das Seminar eröffnet.
Seminare nannte man dieſe Anſtalten, aber ſie verdienten
faum dieſen Namen. Sie waren ſo ſtiefmütterlich dotirt und
immer nur Anhängſel von Gymnaſien, Realſchulen, Waiſen-
häuſern, daß oft nur, wer zum Studiren untaugliM war oder
ſonſt ni bereitet wurde Der Anfang war au< hier außerordentlich
dürftig. Ernſt Il, hatte 1772, 27 Jahr alt, die Regierung
angetreten. Er übernahm das Regiment als eine ſ ſc ſenſchaften gelebt, Offen, grad, ohne RüFhalt war ſein Cha-
rakter. Er begehrte von ſeinen Freunden aufgemuntert und
angefeuert zu werden, mehr Gutes zu thun, als um des We-
nigen willen, wie er ſagt, das er wirkli; thue, gelobt zu wer-
den. Ex klagte über den ihm anhängenden Fehier, Andrer
Einſichten mehr zuzutrauen, als ſeinem eigenen Gefühle, das
oft ihn richtig geleitet hätte und da, nachzugeben, wo mehr
Standhaftigkeit und Beharrlichkeit an der eignen Meinung
nöthig fei, Wohlwollen, Gerechtigkeit und Menſ feit ſind Grundzüge ſeines Weſens und Wirkens, Als er 1795
ſein Contingent fünffac< ſtellen mußte, rüſtete er Dragoner
aus. Darüber erklärte er: Eigentlih hätte iM 4600 Mann
zu ſtellen ; nun gilt ein Reiter gleih 3 Mann, aber ein Rei-
ter koſtet gleih 4 Mann. Stelle im Reitier, ſo brauche ich
536 Mann, erſpare Mannſ widerſtand allen Verſuchungen, die England auch ihm bereitete,
mit vortheilhaften Anerbietungen für überlaſſene Truppen. Er
liebte ſein Volk. Sparſam war er in allen unnüßen Dingen,
um freigebig bei nüßlichen fein zu können, Bei denen, die
Wichtiges für unwichtig halten, galt er für verſ denen dagegen, wel Sobald er in Gotha die Beſezung von Sculſtellen geregelt
und von unerträglichen Wiſlkürlichkeiten befreit und den Grund
für beſſere Lehrerbildung mit Errichtung eines Seminars gelegt
hatte, 4779, da verwilligte 1784 zur Errichtung eines Scullehrerſeminars
200 Gulden.
Der Plan war folgender: 12 Seminariſten werden auf-
genommen, von ihnen wird immer der mit den beſten Zeug-
niſſen erlangter Geſchilichkeit angeſtellt, oder falls dieſer aus-
ſchlägt, ein anderer; Anciennitäi gilt nur bei gleicher Fähig-
feit und ſittlicher Führung, Von 12 Exſpectanten tritt an des
abgegangenen Seminariſten Stelle der älteſte nac) vorgängiger
Prüfung, Unter denen, die ſic) zu Exſpectantenſtellen melden
und geprüft werden, wird der würdigſte unter die Exſpeckan-
ten aufgenommen, Die 12 Seminariſten wohnen in Alten-
vurg, die 12 Exſpectanten auf dem Lande. Ein Geiſtlicher
und ein oder mehrere Candidaten geben unter Aufſicht des Ges
neral-Superintendenten wößentlih 8 Stunden; an den Wai-
fenfindern lexnen die Seminariſten katehiren. Außerdem
erhalten ſie 2 Screib-= und Rechen: und 1 Singſjunde wöchen?-
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lim, Alle Vierteljahre wird an den General»Superintendenten
berichtet und jährlich ausführlim an das Conſiſtorium,
(Fortſezung folgt).
Schulreden von Dr. Franz Heinen, Düſſeldorf 1860,
Shaub'ſje Buchhandlung. 148 Seiten.
Die Herausgabe dieſer Reden, welche urſprüngli< nicht
zum DruF beſtimmt waren , iſt zunächſt veranlaßt durc< die
Einweihung des neuen Gebäudes der Düſſeldorfer Realſchule,
welcher Anſtalt der Verfaſſer als Director ſeit mehr als 20 Jah-
ren in geſegnetem Wirken vorſteht, Die Reden treten zunächſt
mit dem ſ liebe Gabe für Herz und Erinnerung zu ſein, welche in enger
Beziehung zu der Anſtalt geſtanden haben oder noh ſtehen, wie
das Widmungsblatt des Verfaſſers „Seinen lieben Schülern
und ihren Aeltern“ beſagt, Es iſt aber in denſelben von dem
gereiften, vielerfahrenen, tiefernſten, freien und frommen Sc manne ſo viel gründlih Durc von allgemeiner Lehre und pädagogiſchen Maximen niedergelegt,
daß das Büchlein wohl. berechtigt iſt, die engen Schranken,
weiche das leſende Publikum gewöhnlih den Gelegenheitsſ ien und Reden ſtellt, zu dur niht für unangemeſſen, die Leſer dieſes Blattes auf dieſe kleine
Schrift eindringli< aufmerkſam zu maden.
Die erſte Feſtrede, anknüpfend an die Geburtstagsfeier des
Königs Friedrich Wilhelm Ul., 1837 , weiſt na< einem bes-
geiſterten Rü>bli> auf die mädtige, jchwungvolle Erhebung des
Vaterlandes in den Freiheitskriegen auf einen Mann hin, wel-
her in einem frühern Jahrhundert eine der ſc<önſten Blüthen
unſers Vaterlands und eine der herrlichſten Zierden der Wiſſen -
ſchaft geweſen fei, auf einen Mann, welcher als der erſte Preuße
von der herrlichſten, der geiſtigen Kraft ſeines Volkes Zeugniß
abgelegt habe, auf den kühnen undgdo des Sternenhimmels Kopernikus, Um deſſen Verdienſte klarer
herauszuſtellen , entwiFelt der Verfaſſer in“ einem ſehr intereſ»
ſanten Ueberbli> die Anſihten vom Weltgebäude vor Koperni-
fus, wie ſich dieſelben von den älteſten Zeiten her durch Ent=
widelung der Beobachtung erweitert haben ; ſchildert dann das
Leben des Kopernikus, äußeres und inneres in einander im
Zufammenhang mit der ganzen geiſtigen Bewegung ſeiner Zeit
auf dem Gebiete der Naturerforſchung, und wie Kopernikus
dtirh die Widerſprüche der früheren Syſteme auf ſein neues
geführt wurde, daß „die Sonne, als die Leuchte des Weltalls, in
der Mitte ſtehe, lenkend die ganze Familie der kreiſenden Ges
ſtirne, den geflügelten, blinkenden Merkur, die freundliche, mor-
genbringende Venus, die nährende Erde, den gewaltigen Jupi-
ter, den falten Saturn“; wie Kopernifus dann viermal 9 Jahre
im Armuth, nicht geizend nac< Unſterblichkeit, troß Flehens und
Bittens feiner Freunde, ſein unſterblices Werf vor der Welt
verborgen gehalten habe, und erſt als T70jähriger Greis auf
dem Todtenbette, einige Tage vor ſeinem Tode, das erſte ge-
drute Exemplar Überreicht erhalten habe. Die ganze Rede iſt
von dem Gefühle des Rechts freier Forſ demüthiger Frömmigkeit zugleiß, wie Beides vereinigt uns auch
in dem großen Meiſter entgentritt, dyr

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