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Kame
A
Darmſtadt, 26. Januar.
1861.

Die Volksſchule in Frankreich.
Die politiſchen Blätter brachten vor einiger Zeit die Nach-
richt, daß der Miniſter des öffentlichen Unterrihts in Frank-
reim, Rouland, ſich mit dem Gedanken einer Reorganiſation
der Volksſchule trägt und zu dieſem Zweck einen Preis für die
beſte Denkſchrift über die Bedürfniſſe der Volksſ Volksſ damit Ernſt fein ſollte == worüber man aber geneigt ſein
möchte, no< einige gelinde Zweifel zu hegen, denn bis jezt
wenigſtens hat der JmperialiSmus gerade no< nicht allzu viele
Beweiſe ſeiner Aufrichtigkeit gegeben -- ſo kann ſim Frank-
reim dazu nur Glück wünſchen, denn hier liegt das Volksſchul-
weſen in einer Weiſe danieder, von der man ſiH in deutſchen
Landen kaum eine Vorſtellung maßen kann. No es in Frankreich eine große Zahl ländlicher Gemeinden, die gar
keine Schule haben, und aum da, wo es fol dieſelben nur einer kleinen Zahl von Kindern zu Gute, ſ9 daß
man nicht zu viel ſagt, wenn man behauptet, kaum die Hälfte
der Franzoſen könne leſen und ſ uns ganz unentbehrliM erſcheinenden Fertigkeiten iſt ſo allge-
mein, daß die Conſeribirten ihre Kameraden, die fich im
Beſitze derſelben befinden, als Jutriguanten bezeichnen, weil bei
ihnen das Avancement nicht ausbleiben fann,
Die Volksſ ter verſieht , datirxr in Franfreih von 1789, Bis dahin war
Alles dem Zufall und den religiöſen Brüderſchaften Überlaſſen,
welch letztere wohlverſtanden fit) nur mit dem Unterricht der
bemittelten und bevorrechtigten Claſſe be'aßten, Die Amwiſſen-
heit und Rohheit in den unteren Schichten der Geſellſchaft
überſtieg daher alle Begriffe und macht allein die Gräuelthaten
der blutigen Jahre 1792 bis 1795 erklärlih. Die conſti-
tuirende Verſammlung und der Nationalconvent begriffen zuerſt
die Wichtigkeit der Volkserziehung in ihrem ganzen Umfange
und madchten ſich mit allem Eifer an die Organiſation des öffent«-
lihen Unterri Nahrung das vornehmſte und erſte Bedürfniß iſt und daß in
dieſem Punkte weder gemarktet, noFH geſpart werden dürfe, und
votirte deßhalb für den öffentlichen Unterriht Millionen über
Millionen, ſelbſt auf die Gefahr hin, daß für andere Bedürf-
niſſe Ni raum von 1789 bis 1794 der Zuſtand der Volksſchule in
Franfreih von Jahr zu Jahr, aber ſhon mit dem Jahre 1795
begann die Reaction, das Direetorium, das ſo Vieles vernach:
läſſigte, verwandte auch keine Sorgfalt auf die Erhaltung und
Pflege der jungen Pflanze der Volksſhule. Cbenſo wenig that
bekanntlich Napoleon X. etwas für die Erziehung des Volks,
die Reſtauration gründete ein paar Schulen, auc die Juli-
regierung befaßte fſi< mit dem Volksſc Bonaparte hatte, als er zum Präſidenten erwählt wurde,
nichts eiliger zu thun, als das Skulgeſeß des Jahres 1830
wieder aufzuheben und die Volksſchule in den Zuſtand von vor
1789 wieder zurüczuſchrauben. Jedoch die Sache verdient
es, daß man ſic etwas eingehender mit ihr beſchäftige, und ſo
wollen wir es uns erlauben, die Entwielung und den Ver-
fall der Volksſ durchgehen.
Die Zeit der Blüthe von 1789 bis 1794,
1791, Ein Beſc flärte den Unterricht im ganzen Umfang der Monarchie für
unentgeltlic< und ſtellte ihn unter die Aufſih Staates, |
1792. Es wird denjenigen, die ſiH mit dem Jugend-
unterricht befaſſen, unterſagt, einen andern Titel, als den eines
Volksſ den alle religiöſen Orden, Brüderſc geſchloſſen.
1793, 30. Mai. Ein Beſchluß des Nationalconvents be-
ſtimmte die Errimtung von mindeſtens einer Volksſ jeder Gemeinde mit mehr als 400 Bewohnern. Kleinere Ge-
meinden vereinigen ſim zur Begründung einer gemeinſchaftlihen
Sc die erwac<ſene Jugend beiderlei Geſchlechts ſoll wenigſtens ein-
mal in der Woche öffentlichen Unterricht erhalten.
21. Detober, Außer Leſen und Schreiben wird auc< der
Unterricht im Rechnen, in der Geographie von Frankreich, im
Feldmeſſen und in den Elementen der Naturwiſſen] haſten in
den Kreis der Volksſ 23. Detober. Die Beſoldung der Volksſ auf mindejtens 1200 Franken nebſt freier Wohnung feſtgeſeßt.
(1200 Franken find gleih 320 Reichsthaler, was heute etwa
einem Einfommen von 500 Reichsthalern entſprechen würde).
29. November. Der Nationalconvent regelt durc< ein Gez
ſes die Penſionsverhältniſſe der Volksſchullehrer, den Aeltern
wird die Pflicen,
und förperlihe Uebungen und Anleitung zu -den Feldarbeiten
werden im den Unterrihtsplan aufgenommen,
Die Zeit des Verfalls von 1795 bis 1859.
1795, 25. ODetober, Die Zahl der öffentlihen Schulen
wird auf eine in jedem Kanton reducirt, die Unentgeltlichkeit

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