691
behandeln, und Text und Melodie der eingeübten Lieder als
ſicheres Cigenthum zu beſißen ; abgeſehen davon, daß do da , wo ausreichende Arbeitskräfte an der Schule wirken, der
Sinn für ſorgfältige Betra über
die Wunder der Erde und des Meers, ein Abriß der Geſchichte
unſers deutſmen Volks dem Schüler als nüßlihe Zugabe zu
den weſentlichen Bildungsmomenten mitgegeben werden ſoll,
Und wenn nun daneben von jedem Lehrer eine folche ſitts-
liche Thätigkeit gefordert wird, welche ſich in perſönlicher
würdiger Haltung, ſowie in unabläſſigem Vermahnen der Kin-
der zur Ordnung, zum Fleiß, zum Gehorſam, zur Geduld, zur
Beſcheidenheit, zur Friedfertigkeit, kurz, zu allen Fertigkeiten des
fittlihen Lebens äußern ſoll -- o, welche Arbeitslaſt ruht dann
auf den Schultern und Herzen jedes Lehrers, und welcher Muth
gehört dazu, um an der Vollendung ſol verzagen ; zumal da innere Anfechtungen, häuslihe Prüfungen,
Aergerniſſe, die von außen kommen, ſowie die Shwachheit und
Verkehrtheit in der kleinen Schülerwelt als dunkle Schatten,
als trübe Wolken gar oft durch ſeine Seele ziehen und ſeinen
freudigen Muth auf harte Proben ſtellen,
O, meine Lieben, in ſolhen Lagen gilt es, aus den rechten
Lebensquellen neuen Muth zu trinken ; ja, dann gilt es, ſich
zu verſenken in den Jnhali der heiligen Schrift, woraus hei-
liger Geiſt und göttliche Kraft dem ernſtlih Suchenden ents«
gegentritt; dann gilt es, in das Leben des Heilandes zu blien,
der alle Wege, auc< die Dornenwege in der Schule gebahnt
hat, jo daß wir dort ſeine Fußtapfen finden, die von Segen
triefen 3; dann gilt es, im Gebet zu ringen mit dem lebendigen
Gott und mit Jakob zu rufen: Herr, ich laſſe di< nicht, du
jegneſt mich denn! Dann gilt es, Herz, Geiſt und Sinn der
Kinder alſo zu treffen und zu rühren, daß eine belebende und
ermuthigende Kraft auc< von den Kleinen zurücſtrömt ; dann
gilt es, zu den Bergen aufzuſchauen, von welchen Hülfe kommt,
und auf die Höhe des Berufes ſic< zu ſtellen , welcher eine
unerſ<öpfliche Segensfraft in ſich ſc geiſtigen Geſichtskreis zu erweitern und die Geſellſchaft eines
Buchs zu ſuchen; dann gilt es, einer befreundeten, treuen Seele
das volle Herz auszuſc<ütten und eines Freundes Troſt und
Mahnung anzunehmen ; dann gilt es, an der Hand der Erfah-
rung zurüFzublien auf die wunderbare Dur Herr ſchon jo oft gewährt hat, und die er immer wieder denen
geben will, die auf ihn harren; dann gilts, den Schild des
Glaubens zu ergreifen, womit man .„.auslöſhen kann alle feu-
rigen Pfeile des Böfewichts" und der Verſiherung des Herrn
zu trauen: „So ihr Glauben habt als ein Senfkorn, ſo wird
euch nichts unmöglich ſein!“
1,
Zum andern ſoll der Geiſt, der in den Lehrern der Volks-
j ihnen ni Wenn ein Lehrer zur Erfüllung feiner ſchweren Pflichten
ſiM dadurc<; treiben und bewegen ließe, daß er vor dem Miß-
fallen und Tadel der Aeltern ſeiner Schüler, oder vor der
Mahnung und Beſtrafung ſeiner Vorgeſeßten fich fürchtet, oder
auch bejorgte, ohne angeſtrengte Thätigkeit ſeinen Ruf und
ſeine Ehre vor den Leuten zu verlieren == o, welc bild wäre das von einem Meiſter in der Schule, und welch ein
trauriges Abbild des guten Hirten , der ſeine Heerde geliebt
hat bis in den Tod!
692
Ja, wollt ihr ein Rohr ſehen, das vom Winde hin und
ber bewegt wird, oder einen Miethling, deß die Heerde nicht
eigen iſt, fondern der um ſc auf einen Lehrer, der keine Liebe und Begeiſterung für ſeinen
Beruf hat, und bei dem die fortgeſeßte Liebe, die Treue, nicht
zu finden iſt. Ja, wo nicht die heilige Gottesliebe, die Chris
ſtus in die Herzen feiner Jünger ausgegoſſen hat, wo nicht
die aufopfernde Heilandsliebe , die uns zu gut ihr Herzblut
vergoſſen hat, wo nicht die emſige Bruderliebe, welche auch
dem verlornen Schafe nachgeht, bis daß ſie es finde, wo nicht
die zarte Kinderliebe, wel ſegnet, herzliche Freude hat, wo nicht die Liebestreue, wel:
her das Größte nicht zu fhwer und das Geringſte nicht zu
klein dünft um des Herrn willen, die Lehrer und Schulanſtal-
ten durchdringt und erfüllt, da iſt auc die Schule nicht das,
was ſie ſein ſoll: ein Garten Gottes mit Pflanzen der Gee
rechtigkeit , ein wohlgehegter Weinberg Jeſu Chriſti, ein rau-
ſh Üübertün Steppe ohne lebendige Quellen, ein zerſc dürren Aeſten und nacktem Boden!
O, meine Freunde, jolche öde, dürre und ſc ten wollen wir den unſaubern Geiſtern überlaſſen, die nach
dem Ausjpruch des Herin ſich dort ruhelos umhertreiben und
dagegen täglich in tiefen Zügen aus dem Quell der heiligen
Liebe trinken, damit „alle unſere Dinge in der Liebe geſche-
hen“ und der Geiſt der Treue in jeder Schule unſers Landes
zur ungetrübten Herrſchaft komme.
Ja, wie der Herr unabläſſig und freudig gewirkt hat, ſo-
lange “es Tag für ihn war, ſo foll jeder Morgen, wo wir
zu neuer Arbeit aufgewe>t werden, uns auch innerlich erweckt
und willig zu der Arbeit in unſerem Berufe finden; wie dex
Herr nicht müde wurde, auch wenn der Strahl des Mittags
heiß brannte , allen Mühſeligen und Beladenen, allen Heils-
begierigen und Hülfeſuchenden zuzuſpreßen ? „JF will euch er-
quien , iG will zu euch kommen und euch geſund machen“, fo
ſol die Liebe uns ireiben, alle Tage die Shäke des Geiſtes
und des Herzens den lernbegierigen Schülern aufzuthun und
mit der Fa&el der Wahrheit und der Erkenntniß immer tiefer
in ihre Seelen hineinzuleuchten; wie unſer Vorbild in liebe-
voller Hingebung das Kreuz getragen hat und dur< Leiden zur
Herrlichkeit emporgedrungen iſt, fo wollen auch wir die Geduld
Jeſu Chriſti anziehen und unſere ganze Liebeskraft dem Aker
werke Gottes weihen, ſei es aum unter ſ jhmmerzlimen Thränen, denn „die in Thränen ſäen. werden mit
Freuden ärndten"z; wie der Herr ſeiner ſelbſt nicht geſchont, wie
er fein Leben nicht lieb gehabt, ſondern es hingegeben hat für
ſeine Freunde, ſo foll auch uns kein Opfer an Zeit und Kraft
und Geſundheit zu groß ſein für das große heilige Werk, dazu
wir berufen find, denn wir wiſſen es ja, daß, „ob unſer äußer»
licher Menſ< auch verweſet, der innerliche doM von Tag zu Tag
erneuert wird“ in der Kraft von oben; wir wiſſen es, daß „die
Liebe nimmer aufhört“ und ihr Segen in Ewigkeit bleibt, und
wir wiſſen auh, daß der Dichter re „An mir nnd meinem Leben iſt Nichts auf dieſer Erd, was
Chriſtus mir gegeben, das iſt der Liebe werth!“ O, darum
heget das Gold der Treue, ſiebenfaM bewährt, in einem feinen
Herzen, ja, bleibet treu im Kleinen, wie im Großen, damit am
Tage der Entſcheidung Jedem das große, gnädige Wort gelte :

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.