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den, denen ſie angehörten, bereitwillig entrißtet wurde, Woh-
nung, Beköſtigung und Verpflegung erhielten. Bald zeigte
ſich indeſſen das Bedürfniß , ein feſtes Lokal für die Anſtalt
zu erhalten, und nachdem anfänglich die unter Xr. as 8 in
der „kleinen Burg“ belegene „Stiftscurie“ für eine jährliche
Miethsentſhädigung von 100 Thalern gegen halbjährige Kün-
digung eingeräumt war, wurde dieſelbe der Anſtalt im Jahre
1852 für die Summe von 3000 Thalern käufli<ß überlaſſen.
In dieſem Gebäude befindet ſi die Anſtalt noch jezt.
Sie wird gegenwärtig von 19 Zöglingen beiderlei Geſchlechtes
benußt, welche unter Leitung und Aufſicht des zeitigen Pro-
viſors, eines Lehrers, einer Pflegemutter und einer Wirth-
ſchafterin dort wohnen und Beköſtigung, Unterriht, Wohnung
und Verpflegung erhalten. Die Vermögensverhältniſſe des
Blindeninſtitutes find als erfreulich zu bezeichnen, ſo daß der
Stifter bei ſeinem Tode das beruhigende Bewußtſein haben
konnte, daß das Ziel ſeines Strebens, die Gründung einer
feſt fundirten Blindenanſtalt für das Herzogthum Braunſchweig,
welches er viele Jahre lang mit ſeltenem und unermüdlichem
Eifer und unter Ueberwindung vieler Schwierigkeiten verfolgt
Hatte, erreicht ſei.
Der Profeſſor La aber ni ſchafft wurde, etwas zu lernen und dadurch in den Stand ge-
jeßt zu werden, ihren Unterhalt jelbſt , wenigſtens nothdürf-
tig. zu erwerben: er hat ſich derſelben auch noch weiter ange-
nommen.
Seit dem Jahre 1856 hat er einen Fonds zur Unter-
ſftüzung der aus dem Blindeninſtitute ehrenvoll entlaſſenen aber
hülfsbedürftigen Zöglinge gegründet, deſſen Grundlage der
Ertrag einiger 1 dem er aber bei feinem Tode durch ein Legat von 1000 Tha-
lern auSreihendere Mittel verliehen hat,
: Außerdem hat der Profeſſor Lachmann von ſeinem Ver-
mögen in einer leßtwilligen Dispoſition die Summe yon
20,000 Thalern ausgeſeßt, von deren Zinſen, nac< dem Tode
ſeiner Wittwe, welcher der lebenslängliche Nießbrauc iſt, hülfsbedürftige Blinde aus dem Herzogthume Braunſchweig,
welche einen ordentlihen Lebenswandel führen, ohne Rüficht
darauf, ob fie in der Blindenanſtalt geweſen ſind oder nicht,
mit jährlichen Beträgen von 20 und 25 Thalern unterſtüzt
werden jollen. Dieſe leßtwillige Dispoſition entbehrte freilich
der für Teſtamente geſeßlich vorgeſchriebenen Form, allein die
Wittwe des Profeſſors Lahmann, Johanna, geborene Saller,
verwittwet gewejene Vogler, welche, da Kinder nicht vorhanden
ſind, den ganzen Nachlaß ihres verſtorbenen Ehemannes als
freies Cigenthum in Anſpruch nehmen konnte, hat mit großer
und ehrenvoll hervorzuhebenden Liberatität die Beſtimmungen
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des Verſtorbenen als rvechtsgültig und bindend anerkannt, ſo
daß auch dieſe Stiftung als vollſtändig gefihert daſteht,
Dem Profeſſor Lachmann und deſſen Wittwe wird für ihre
den unglüFlihen Blinden bewieſene Theilnahme und Mildthä-
tigkeit hiermit öffentlich der wärmſte Dank gezollt.
Braunſchweig, im Dctober 1861.
Der Stadt-Magiſtrat daſelbſt.“
So weit die amtliche Mittheilung des Stadtmagiſtrates.
Das Wort des Heilandes, welches wir Luk, 14, 13 leſen:
„wenn du ein Mahl maceſt, ſo lade die Armen, die Krüppel,
die Lahmen, die Blinden“ -=- hat unſer Lachmann getreu ve-
folgt. Die Blinden konnten ihn nicht wieder laden, -- und
von denen, die es Überhaupt konnten, haben es nur Wenige
hier auf Erden gethan. Er hat feine Pilgrimſchaft unter viel-
facher Verkennung, ja, Anfeindung einſam, faſt nur im häus-
lihen Kreiſe, unter ſeinen Blinden und unter ſeinen Büchern
lebend, vollendet und ruhet nunmehr nach ſchweren Kämpfen
aus in den ewigen Hütten des Friedens. B. Bank.
Coburg. Mit höchſter Genehmigung wird dem hieſigen
Ernſt-Abert-Schullehrer-Seminar vom Beginne des nächſten
Lehrcurfus an eine weſentlich veränderte Drganiſation gegeben
werden, Das Seminar ſoll nämli< künftig in der Vorberei-
tung der Zöglinge zum Lehrerberufe eine rein praktiſche Rich-
tung in der Weiſe verfolgen, daß nur die dem Volksſ unmittelbar nothwendigen Unterrihtsgegenſtände in Betracht ge-
zogen, dagegen die unmittelbaren als Geſammtbildung bei der
Aufnahme als Bedingung vorausgeſeßt werden. Deßhalb wers
den vom Seminarunterrichte ausgeſ Naturgeſ Scösnſj ri Von der Weichſel. Im Königreiche Polen unterrichten
die Edelleute gegenwärtig die Kinder ihrer Bauern im Leſen,
Screiben und Rechnen; ſolcher adeligen Privatſchulen gibt es
im ganzen Lande, --4--
Rußland hatte amtlihen Angaben zufolge im Jahre 1858
troß feiner ungeheucen Raumausdehnung nicht mehr als 5432
Sculen mit 133,618 Schülern, von denen 4982 auf die Uni-
verſitäten, 300 auf die Lyceen, 22,270 auf die hohen Colle-
gien, 28,358 auf die Provinzialſchulen, 53,654 auf die Pfarz-
reiſ die hebräiſmen Schulen fielen, Außer dieſen gab es im Bezirk
Warſchau 76,059 Studirende und Zögtinge in 1451 Shu-
len , jo daß fiz die Geſammtſumme der Schüler in Rußland
und Polen im Jahr 4858 auf 210,030 in 3888 Schulen
belief. --g-=-

Correſpondenz,
1) Von 5. 2) Von D. xk. 3) 3) Von Völſing. 4) Von St. ti, O. 5) Von B. i. B, 4. qd. 22, Oet. (Herzl. Dank,) 6) Von L. W.
7) Von D. W. 8) Von F, |. B.
bald erfolgen.) 12) Von F, |. B.
9) Von D. F. i. D.
10) Von B, |. B, (Sehr dankbar.)
13) Von E. |. B. (Ne 11) Von F. t. GC, 4, d. 18. Oct. (Wird
14) Von D K, |. L. (Nun komms ic
Verantwortſicher Redacteur: Dr. K, Zimmermann, = Drusf und Verlag von C. W. Leske in Darmſtadt.

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