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Luzern beſucht, Zur Behandlung kam die Frage der Jugend-
und Schulbibliotheken und der Fortbildungsſ der erſten Frage beſchloß man eine Commiſſion zu ernenüen,
um ein Verzeihniß von ſol Jugendbibliotheken geeignet ſeien, zu entwerfen ; in Betreff der
Fortbildungsſchulen wurde kein Beſchluß gefaßt, da die Vor-
ſc nur darin ſtimmte man allgemein Überein, daß die Leiſtungen
derſelben ſehr gering ſeien und no ließen. Ferner wurde beſchloſſen , der Vorſtand fei einzuladen,
der Einführung einer allgemein gültigen Orthographie ſeine
Aufmerkſamkeit zuzuwenden und mit Berücfichtigung deſjen,
was für dieſe Sache in Deutſchland geſchieht, ein ſachbezüg-
liches Gutachten vor die nächſte Verſammlung zu bringen, die.
in Zürich ſtattfinden ſollte, .
Zu dieſer, der vierten Generalverſammlung des allgemei-
nen ſ hend von dem bisher beobachteten Verfahren auf zwei Tage,
den 43, und 14, October; der Vorſtand glaubte ſim nämlich
davon Überzeugt zu haben, daß ein Tag zu einer erſprießlichen
Discuſſion der allerdings ziemli< zahlreichen Tractanden nicht
ausreihen würde; und es wird dieſer Einladung in ſehr ex-
freuliher Weiſe entſprohen, beim Beginn der Verhandlungen
waren 223 Mitglieder anweſend, und die Zahl der Theilneh-
mer (der Verein zählt im Ganzen 9314 Mitglieder) wuchs im
Verlauf des Tages auf mehr als das Doppelte, ſo daß die
Verhandlungen des zweiten Tages in der St. Peterskirc finden mußten, da die anfänglich dafür beſtimmte Räumlichkeit,
der Großrathsfſaal, ni Für den erſten Tag hatte ſih der Verein in vier Lec-
tionen geſchieden, Seminarlehrer, Lehrer an Mittelſchulen, Leh-
rer an Handwerks- und Fortbildungsſhulen und Turnlehrer,
die ſämmtlih ihre Sißungen im Cantonsſchulgebäude hielten.
Die Section der Seminarlehrer verhandelte Über die Mittel
zur praktiſchen Ausbildung des Seminariſten und Über die Be-
deutung und den Umfang der landwirihſhaftlichen Arbeiten,
die Lehrer an Handwerks- und Fortbildungsſhulen Über die
Augwahl der Lehrgegenſtände und die Nothwendigkeit paſſender
Lehrmittel, beſonders eines Lehr- und Leſebuches, und beſchloß
auch dem Lehrverein die Beſtellung eines ſolchen dringend zu
empfehlen, die Turnlehrer über Einrichtung der Turnlocalitäten
und das Mitturnen der Schüler in Turnvereine.
Die Section der Lehrer an Mittelſchulen beſchränkte fich
auf die Discuſion eines einzigen Tractandums „das Bedürfſniß,
obligatoriſcher Lehrmittel.“ Die Anregung war von dem
Zürheriſchen Erziehungsrath S Uebelſtand glaubte darin erbliken zu müſſen, daß in den
60 Secundarſ ſämmtliHh Staatsanſtalten find, eine wahre Muſterkarte von
Lehrmitteln im Gebrau< ſei, und daher den Antrag ſtellte, die
Section ſolle fih dahin ausſprehen, es wäre in diejer Be-
ziehung auch an den Mittelſchulen eine einheitlihe Abrundang
wünſc man machte dagegen geltend, mit der Buntſcheigkeit jei es in
Wirklichkeit ſo ſchlimm nicht, gute Lehrmittel verſchafften ſich
mit der Zeit ſchon Eingang, übrigens ſei die Lehrmittelfrage
immerhin nur eine Frage von untergeordneter Bedeutung, der
gute Lehrer richte mit jedem Lehrmittel Etwas aus, und dem
ſ müßte die Secundarſ 740
künftige Beſtimmung der Schüler nehmen, an die Secundar-
ſchule eines reinen Agrikulturdiſtrictes würden andere Anfor-
derungen geſtellt werden müſſen, als an ſolche, die ſih an Or-
ten befinden, welche ausſchließli treiben, und endli< finden bei den Secundarſchulen auch den
Gründe weg, die gerade bei der Volksſchule die Cinführung
obligatoriſcher Lehrmittel ſeiner Zeit veranlaßten , nämlich der
gänzlihe Mangel paſſender Lehrmittel und zu erſtrebende
Wohlfeilheit derſelben 3; und wirkli< verwarf auch die Section
den Antrag mit 37 gegen 24 Stimmen, erklärte es jedoc< für
wünſchenswerth , daß die Lehrer an den Mittelſhulen in den
einzelen Cantonen fih über die empfehlenswertheſten Lehr-
mittel verſtändigen würden, ohne daß jedoch der einzelne Lehrer
für feine Perfon an ſolches Gutachten gebunden werden könnte,
Eine gemeinſame Fahrt auf dem See zur Beſichtigung des
Zürc deſſen Bewohner den Mitgliedern des Vereins eine kleine Col-
lation anboten, ſ Am 14, October fand die Generalverſammlung in der
St. Peterskirc minardirectors Pfarrer Fries, der nach einigen einleitenden
Worten über den Stand der Volksſhule im Canton Zürich
zu der Beſprehung des Haupttractandums „Möglichkeit oder
Wünſchbarfeit irgend welcher Centraliſation des ſc Schulweſens“ Üübergieng. Er begann ſein Votum mit einer
kurzen Darſtellung des ſhon Geſchehenen und j denen. Zum erſtenmal habe ſich die 1798 ins Leben ges
rufene helvetiſ bekümmert und auf den . Antrag ihres Unterrichtsminiſters.
Stapfer an alle Gemeinden im Gebiete der Cidesgenoſſjen-
ſhaft, die noM feine Schulen hatten, den Befehl erlaſſen,
binnen 14 Tage unter Androhung einer Strafe von 48 Fr.
eine Schule zu errihten, was den überraſhendſten Erfolg hatte,
überall entſtanden Schulen in der vorgeſchriebenen Zeit, und
wenn auch dieſes Geſeß 1803 mit der helvetiſchen Republik
wieder fiel, ſo war doch einmal die öffentliche Aufmerkjamkeit
auf die Schule gelenkt, und es datirt aus dieſer Zeit der Eifer
für die Schule in der Schweiz, der auc< während der Mes
diation von 1803 bis 1814 nicht erkaltete, die Mediations»
regierung unterſtüßte ſogar Peſralozzt"s Privatunternehmen
mit einem allerdings ſehr beſcheidenen JahresSbeitrag von 560
alten Schweizerfranken. Mit dem Jahre 1815 trat dann eine
Pauſe der Gleichgültigkeit ein, die auch die ganze Reſtaurations-
periode hindurch bis 1830 dauerte, die Tagſezung befümmerte
ſih um den öffentlihen Unterricht nicht, ſondern überließ die
Sorge dafür ganz und gar den einzelen Cantonen. Die po-
litiſ dieſe Frage wieder auf die Tagesordnung, zunächſt in Bezug
auf Begründung einer ſchweizeriſchen Hochſchule, jedoch riefen
die heiden größten Cantone Zürich und Bern ihre Cantons-
univerſitäten ins Leben, und ſo gerieth die Sache wieder ins
Sto>en, bis die neue Bundesverfaſſung vom Jahr 1848 dem
Bund das Necht einräumte, eine Univerſität und eine poly»
techniſche Schule zu gründen. Leßtere iſt bekanntlich ins Leben
getreten und erfreut ſich einer Blüthe, die auch die fühnſften
Erwartungen weit hinter ſich zurücläßt (im nächſten Semeſter
wird die Zahl der Schüler 500 überſtiegen) ; es frage fich
nun, ob niht auch für den Volksunterriht eine Centrahjation
möglih oder wünſchenswerth ſei. Der Redner hält es für
unmöglich, nicht nur wegen der Verſchiedenheit der Sprachen

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