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gaben von den Einnahmen und der den einzelen Verwaltungs-
zweigen zur Laſt fallenden perſonellen Koften gewährten Ueber-
ſchuß: höhere Töchterſchule 1353 Thlr. Endli< erforderten
Zuſchuß: 1) Friedrich - Werder*ſ 2) Kölniſhes Gymnaſium 6196 Thlr., 3) Gewerbeſchule
2565 Thlr., 4) Friedrichs - Gymnaſium und Realſchule 3800
Thlr. , 5) Königsſtädtiſche Realſchule 1994 Thlr., 6) Dorotheen-
ſtädtiſche Realſchule 4236 Thlr., 7) Louiſenſtädtiſche Realſchule
523 Thlr., 8) Stralauer Stadtſchule 2778 Thlr., 9) Armen-
ſ meinen 18,777 Thlr. und großes Friedrichs - Waiſenhaus
59,227 Thlr. | --g=-
Stuttgart. Der Oberſtudienrath hatte den Gymnaſien
und Realanſtalten die Weiſung zukommen laſſen, den 10. Aug.
als den 50iährigen Jubiläumstag der Turnerei zu feiern.
Berlin. In der monatlichen Verſammlung des Frauen:-
pereins zur Beförderung der Kindergärten am 5. Juni tüeilte,
nac< Beendigung der Vereinsangelegenheiten, Dr. Pappenheim,
einen Auffaß mit, welcher die Beachtung und Nichtbeachtung
des Kindes in der Familie zum Gegenſtand hatte. Hierauf
wandte er ſich zur Beſprechung des häufig, fürzlih aum in ei-
nem hieſigen Vereine, gegen den Kindergarten erhobenen Vor:
wurfs, daß dieſer die Erziehung verfrühe und eine Dreſſur des
Kindes übe, Der Kindergarten, führte der Vortragende aus,
ſei von Fröbel auf den Grundſaß gebaut, die innerſten, geiſti
gen, ſittlichen und körperlihen Forderungen des Kindes zu exr-
füllen. Daher werden die in Kindergärten gebotenen Beſchäf-
tigungen vom Kinde nicht widerwillig oder bloß äußerlich auf-
genommen, jondern erfüllen es mit Freudigkeit und Luſt, wer-
den aus freien Siüken zu Hauſe mit Vorliebe und Ausdauer
fortgeſest und ſind erſimtlim von erziehendem und bildendem
Einfluſſe, Dieß ſeien Eigenſchaften und Merkmale, welc kindergärtneriſHe Erziehung von jeder dreſſirenden weſentlich
unterſcheiden. Ein Verfrühen der Erziehung, wenn fie mit rich=
tigen Mitteln getrieben werde, aber gebe es nicht, Der Glaube
an die Richtigkeit des laisser faire in Bezug auf das früheſte
Kindesalter pflege ſich auf das oft mißverſtandene Wort Rouſ--
jeau's zu. ſtüßen, daß nur aus einem tüchtigen Straßenjungen
ein tüchtiger Menj< werden könne, und habe ſich außerdem
beſonders durch den Umſtand feſtgeſeßt, daß, na< mehr als
2000jährigem Herkommen , erſt mit dem 6. oder 7, Lebens-
jahre der Kinder eine geordnete Bildung und Erziehung, durch
die Schule, eintrete. Hingegen hätten die bedeutendſten Män-
ner des Alterthums wie der Neuzeit auf die Nothwendigkeit
einer früheſten Erziehung hingewiejen, Vor Fröbel habe die
Forderung nicht erfüllt werden können, weil die bis dahin be-
kannten Erziehungsmittel ſhon denjenigen Grad der Eatwi>e»-
lung des Kindes vorausfeßten, welcher dem ſogenannten ſ fähigen Alter angehöre. . Eine Erziehung des no< jüngeren
Kindes dur< dieje Mittel könnte allenfalls als eine verfrühte
bezeimnet werden; ni wie die kindergärtneriſcelung no< nicht voraus-
ſeßten, vielmehr dem Gange diefer Entwielung ſelbſt entnom-
men wären, ſich an feine einzelen Phaſen und Richtungen eng
anſ Aus diefem Einklange der Art und Mittel der Erziehung mit
der jich entfaltenden Natur des Kindes folge, daß der Vorwurf
des Verfrühens unbearündet fei. - q==-
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Baris, Baron de Wattewille, Generalinſpeckor der Wohls-
thätigkeitsanſtalten , hat an den Miniſter des Innern einen
Bericht über die Taubſtummen, die Blinden und die für ihre
Erziehung beſtimmten Anſtalten gerichtet, woraus zu erſehen,
daß man. gegenwärtig in den 89 Departements von Frankreich
21,576 Taubſtumme, nämlich 12,325 taubſtumme Männer und
9251 toubſtumme Frauen zählt. Die bergigen Departements
ſind diejenigen , wo die Durc<ſ daß man in den Hochalpen einen Taubſtummen auf 419 Ein-
wohner und im Seine-Departement nur einen auf 4694 Ein:
wohner zählt. (Es beſtehen 47 Anſtalten für die Erziehung
der Taubſtummenz; wovon 2 vom Staate verwaltet werden und
den Titel: „Kaiſerliche Häuſer“ führen. Die Blinden find
zahlreicher, als die Taubſtummen ; nach der letzten Volkszählung
ergaben fich deren 30,214, wovon 16,469 Männer und 18,745
Frauen. Die Durcſ Blinder auf 4200 Einwohner, Unter den Erziehungshäu)ern
für junge Blinde nimmt natürli< das kaiſerliche Juſtitut von
Paris den erſten Rang ein; es iſt im Jahr 1784 gegründet
worden. == Jm Miniſterium des öffentlichen Unterrichts berei:
tet man ein GeſeBßproject vor, welches zum Zwe> har, die Com-
munallehrer der prieſterlihen Einwirkung zu entziehen. Die
Beſtimmungen dieſes Projects kennt man nog nicht, aber wie
man hört, würde es dieſer Klaſſe von öffentlichen Beamten
eine größere Würde beilegen, --3--
Italien. Nacſteheydes iſt einem Leitartikel der Turiner
Opinione entlehnt? Die Beſoldung der Lehrer in Italien ſteht
durchweg höher, als in Frankreih, Dazu kommen ordentliche
und dußerordentlihe Beiträge; am wohlthätigſten wird fich
jedoch die vom Miniſter De Sanctis angeregte Aſſecuranz der
Cehrer erweiſen. Die Thätigkeit der Regierung für Verbeſſe:
rung dex Schulen wird von Gemeinden und Privaten allerorts
lebhaft unterſtüßt. Jun Turin hat fi die Zahl der Schüler
für Knaben in den lezten 40 Jahren vervierfa den eine Menge Schulen für Mädchen und ). g. Abendſchulen
gegründet. In Genua werden die Abendſchulen durc<ſ von 1885 Schüler beſy ſten Unglaubliches für das bisher ſehr vernachläſſigte Volksſchul-
weſen, wie man aus Tenca's gedruktem Berichte erjehen kann.
In Aemilien wetteifern die Ortſchaften in Errichtung von Volks»
ſchulen, obgleiH dieſe noMm dur< kein Geſeß obligatoriſch erflärt
worden ſind. Im ganzen Reich ſind Muſter- und Normalj len auf Rechnung und unter Auffiht der Regierung eröffnet
werden, maſſenhaft von freiwilligen Lehrern beſucht. In den
Marken, in Umbrien, in Sieilien, im Neapolitaniſ Erfolg dieſer Beſtrebungen ſichtbar. In Caſerta meldeten ſich
120 Lehrer zum Lehrcurſe , in Benevento 45, in Kampobaſſo
100, in Aquila 60, in Chieti 64 2x. Sie wurden von der
Bepölkerung mit Jubel begrüßt. Auch das Turnen will De
Sanktis allgemein machen und hat deßhalb in Turin ein Semi-
nar für Turnlehrer gegründet. .
Paris. Der „Moniteur“ veröffentlicht einen Bericht des
Miniſters des öffentlichen Unterrichts an den Kaijer, in welhem
um eine Verbeſſerung der Lage der Elementarlehrer und Leh-
rerinnen na Modification in der Claſſification der Elementariehrer, ſo daß
nicht, wie ſeither die erſte Claſſe 31, die zweite Claſſe 62 und
die dritte Claſſe 192, ſondern die erſte Claſſe 95, die zweite
Claſſe 95 und die dritte Claſſe 94 Lebrer zählen ſoll; 2) unter

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