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feld, wahrſcheinliher von Joh. Pachelbel, 'al8 von Sev. Gaſto-
riu8; „Was mein Gott will, das g'ſcheh allzeit“ nicht von
Herm. Fink, ſondern Melodie eines franzöſiſchen Volkslieds;
„Wie ſchön leuc Scheidemann, ſondern Melodie eines weltli<ßen Liedes. =- Es
läßt fich nicht rechtfertigen, wenn die früheren irrigen Angaben
no< immer fortgeführt und die Reſultate der neueren Kritik
nicht allgemein benußt werden.
Sammlung die vorbemerkten Irrthümer Nebenſache ſind, 9
können fie dem Werthe der Sammlung ſelbſt keinen Eintrag
thun, und wir empfehlen fie daher, außer den Seminarien
und Gymnaſien, ganz beſonders au< den kirhlichen Gejang-
vereinen, zumal bei guter typographijher Ausſtattung der
Preis (21 kr.) für das Dargebotene (40 Seiten Querform.)
äußerſt billig iſt. Anthes.
Generalbaß für Dilettanten. Eine praktiſch-theoretiſche Har-
monielehre für ſich bildende Pianoforteſpieler und deren
Lehrer. Nebſt einem Beiſpielbuche, Bearbeitet von Dr, Fr.
Wilh. S<üße, Seminarrirector zu Waldenburg, Ins-
haber des Ehrenkreuzes zum K. S. Verdienſtorden. Dritte
verbeſſerte und vermehrte Aufl. Leipzig, Arnoldiſ handlung. 1860,
In vorliegendem Werke foll dem gebildeten Muſikdilettanten
über die mannichfaltigen Erſcheinungen des ſogenannten reinen
Saßes, über die Structur der wichtigſten Formen der Klavier-
ſtücke ein klarer, faßliher Unterricht dargeboten. worden, Die
Bearbeitung ſelbſt ruht dur ſtructiven Methode: vom Leichten zum Schweren, vom Ein-
fachen zum Zuſammengeſeßten , von conereten Fällen zur ab»
ſtracten Regel, von der Theorie zur praktiſMen Anwendung,
von der Reproduction zur Production. Nac< gründlicher Durch-
arbeitung dieſes Generalbaſſes wird zwar der Componijt im
eigentlihen Sinne. des Worts no< niht fertig fein, denn hierzu
gehört ſc nicht geben kann; aber an der Hand eines tüchtigen Lehrers
wird der ſtrebjame Schüler ein klares, grammatiſc ſtändniß der Tonverbindungen an der mannichfaltigen, oft
ſehr feinen rhythmiſchen, melodiſchen, harmoniſchen Bezie»
"hungen der Töne, eine gründliche Einſicht in die kunſigemäße
Harmoniſirung der Choralmelodieen, den Bau der Variation,
der Etüde, des Rondeau und der Sonate erlangt haben. Ob-
gleih das Werk nur für gebildete Dilettanten beſtimmt itt,
wird es dennoMm für höhere theoretiſ Propädeutik ſein, Es verdient dahew beſtens empfohlen zu wer-
den, zumal auch die äußere Ausſtattung ni übrig läßt.
Offenbach a. M, Dr. GC. Seeger,
Zur Schul geſchichte.
X Aus Holſtein, Anfang November, Schon vor
mehreren Monaten berichteten wir, daß das Programm für
Da Übrigens in vorliegender
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die Dithmarſche Lehrerverſammlung erſchienen ſei,...und daß
dieſelbe alsbald abgehalten werden ſolle, Daſſelbe iſt geſchehen,
aber erſt jeßt konnten die Verhandlungen veröffentlicht werden,
weil unjere Schulzeitung, das Vereinsorgan, in der verfloſſenen
Zeit, eine Ueberfülle von Stoff zu- bewältigen. hatte, Wir
waren geſpannt auf dieſe Verhandlungen 3; denn. nah den auf-
geſtellten Thematen zu rechnen, mußte man erwarten, daß die
Referate intereſſant und belehrend ſein würden ; ſind. aber faſt
gänzlich getäuſ was die Theſen verſprachen, und was man von. „Dithmarſchens
Lehrern erwarten konnte. Beſonders bedauern wir es,;. daß
der erſte Redner fein ſo herrliches Thema „Däs Leben in“ “der
Schule“ ſo gänzlich verfehlt behandelte, daß er fo Vieles 'zu-
jammenhäufte und doch kein Ganzes ſchuf, welches den Namen
„Leben in der Schule“ verdienen kann. Auß der Verlauf
der Debatte befriedigt nicht, man ſieht, es fehlte die ſorgſam
leitende Hand, die dem Strom der Rede ſein Bett vorzeichnet,
damit er fich niht na< vielen nußloſen Krümmungen matt im
Sande verliert. Doch genug davon. Wenn wir es auch be-
dauern, daß das gute Prognoſtikon, welches der Präſident der
Verjammlung ſtellte, fim nicht bewährte, jo wollen wir doch
von der künftigen Verjammlung der jo ſehr regjamen Lehrer“ in
Dithmarſchen das Beſte hoffem
Nach einer verhältnißmäßig langen Zeit der Ruhe und des
fillen Schaffens in dem Kreiſe unſerer Landeskfirhe jcheint
eine Zeit des Kampfes hereinzubrehen und da zu ſein, in der
die Geiſter wieder einmal aufeinanderplaßen , und man Partei
für und wider die Streiter nimmt. Hervorgerufen ward der
Kampf durch. den biſchöflichen Katehismus, neuen Stoff er-
hielt er dur; den Entwurf der Schulödrdnung“ und durch
mehrere andere Umſtände. Der Kampf, welcher 'zuerſt in den
Zeitſchriften mit vieler Erbitterung geführt ward, hat jeßt eine
ziemlich ſtarke Broſchürenliteratur hervorgerufen, von der das
Ende no Schrift des Kirchenrathes Lüdemann in Kiel „Die Verläug-
nung Gottes des Vaters“ in der er ſeine Zeitgenoſſen be-
ſ vergeſſen. Gegen ihn tritt, und zwar nach unſerer Meinung
in ſehr tüchtiger Weiſe der Paſtor De>er in Weſenberg auf
und ſucht zu beweiſen, daß Profeſſor Lüdemann nicht mehr
auf dem Boden des lutheriſchen Bekenntniſſes ſteht: Was ſich
vor einigen Jahren in Meklenburg zeigte, haben wir jeht im
höchſten Maße, Zank und Streit im Lager der“ Orthodoxen.
Uns will es ſcheinen, als wenn dieſer Zwieſpalt ein gar ernſter
werden will, denn ausgezeichnete Männer haben ſchon öffent-
li< für und wider Lüdemann und Deder Partei genommen.
Ein tüchtiger und beſonders unter den Lehrern des Landes
ſehr beliebter Prediger urtheilt über die Deer*ſ alſo: „Deer kämpft hierin für ein Dogma, welches, von der
Wiſſenſ dieſes Dogma macht den Heiland zu einem unnatürlichen, in
fi) widerſpruchsvollen Zwitter-, Doppel- und Zauberweſen ſehr
ähnlih mehreren Gößen der Buddha- und Brahmalehre.
Deder's Chriſtologie hat jede geſunde und erleuchtete Vernunft,
Jeſu eigene, klare und unzweideutige Urtheile über fich ſelbſt,
den Apoſtel Paulus und das ganze alte Teſtament gegen ſich,
De&er's Chriſtologie würde, wenn ſie je die herrſchende in
der Kirche werden follte, das Chriſtenthum mit. fich felbſt ent-
zweien, es verdunkeln, entſtellen und. verunehren ; eben dadurch
aber deſjen HerrſHaft unter den gründli< gebildeten und ge-

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