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(ehrten Chriſten unmöglih machen und deſſen Verbreitung
uſütfer den Juden und Muhammedanern jehr erſchweren. Deer
macht die Reformatoren zu neuen Päpſten und die Bekenntniß-
ſchriften zu einer neuen Tradition. Seine Bedentlichkeiten
zegen den Guſtav-Adolfsverein ſind nimt allein unweiſe, jon-
dern. auch undhriftlih, indem ſie den Glauben für gzößer, beſter,
wichtiger und nöthiger anſehen, als die Liebe, während die
heilige Schrift wie die Wahrheit das Gegentheil lehren.“ ==
So urtheilt ein Prediger über die Glaubensanſichten des
andern und Alles nimmt Partei. Iſt das nicht ein wirkliches
Scisima?. = Uns hat unter Allem, was uns zu Geſicht be-
kommen, die Schrift eirtes Schulmeiſters erheitert, betitelt „Gin
Zug an der alten Glo>e der tutheriſchen Bekenntniſſes.“ Das Beſte der kleinen und ziem-
iich theuren Scrift iſt ohne Zweifel die Vorrede, die ſich der
Verfaſſer von Paſtor De>er in Weſenberg hat dazu verfertigen
laſſen, fie zeihnet ſich aus durc< Fülle der Gedanken und
Schwung der Sprache. Das eigentliche Werf aber wird wohl
kaum der Nachwelt erhalten bleiben, es enthält Nichts, was
der Aufbewahrung werth iſt, iſt aber wohl dazu angethan,
üble Launen zu verſcheuchen. Die in der Schrift enthaltenen
Urtheile und Behauptungen ſind zum Theil barod, klingen
zum Theil komiſc), und Gott kann man danken, daß ein Mann
mit folhen Anſichten von Unterricht und Erziehung eine gar
vereinzelte Erſcheinung im 19. Jahrhundert iſt, Zum Beleg
des hier Geſagten führen wir nur einige Beiſpiele aus der
genannten Broſchüre an. „Um Kinder (zehnjähr, Knaben! ! 7?)
zu beſſern, will der Verfaſſer ſie zur Erkenntniß des in ihnen
wohenden Böſen, der Erbſünde bringen, ihnen dann, wenn
fie zum Bewußtſein ihres jämmerlichen Zuſtandes gefommen
find, den Sündenheiland zeigen und ſie zu dem. führen, der
ihnen die Sünden vergibt.“ „Siller, Göthe und Conſorten
ſind für die Volksſchule Nichts, was fie bewirkt haben, ift für
dieſelbe eine taube Nuß." „Es thut nicht nöthig, daß an
den Verhältniſſen der Holſteiniſchen Lehrer Etwas geändert
werde, Eines iſt Noth, daß ſie gläubig werden, dann wird
das, was fehlt (und uns fehlt leider no< gar Vieles) lieblich
olgen.“ mn
| *So viel von den Anſichten eines Lehrers aus der leßten
Hälfte des 19. Jahrhunderts. Wir wollen davon abbrechen,
weil wir uns jedoH einmal auf dem literariſchen Felde beſin-
den, ſo wollen wir no< eine dahin einſ die wohl für dieſen oder jenen Intereſſe haben kann. Auf
der Verſammlung in Ploen hielt der Lehrer Schlichting aus
Kiel einen Vortrag, in. dem er gar überzeugend darthat, daß
es nothwendig und für das Volk von großem Nußen ſei,
wenn Chemie in der Volksſ gewiß von den Meiſten zugegeben werden, jedom find die Zu-
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ftände dei uns in Holſtein ſolher Art, daß noch in langer
Zeit nicht daran gedac mein in die Schulen einzuführen. Soll Chemie in der Schule
gelehrt werden, ſo iſt es doM wohl vor allen Dingen nöthig,
daß der Lehrer in dieſer Wiſſenſchaft bewandert ſei , ferner,
daß er experimentiren und zwar gut experimentiren kann, denn
viele Uebung und eine große Gewandtheit muß der Lehrer
befigen, wenn ihm der Verſuch gelingen ſoll, während ihn eine
wilde ungeduldige Knabenſ Plöner Lehrerverſammlung allgemein anerkannt, daß dieſe jo
nothwendigen Vorbedingungen unſerm Stande im Ganzen und
Großen no< fehlen. Um dieſe Schwierigkeiten aus- dem Wege
zu räumen, ließ ſi< der Lehrer Schlichting bewegen, an die
Abfaſſung eines Buches zu gehen, durßg welches jeder Lehrer
im Stande ſei, ſih die mangelnden Kenntniſſe zu erwerben,
die nöthigen Verſuche ohne beſondere Vorkenntniſſe und mit
möglichſt wenigen Hülfsmitteln anzuſtellen, und welches auch
als erſter Curſus der Chemie in der Volksſ Seltbſtunterricht anzuwenden ſei. Das Buch iſt jeht bei Ho-
mann in Kiel erſchienen, es führt den anſpruchsloſen Titel
„Chemiſche Verſuche“, und möchte jedem Lehrer, der ſimß mit
dieſer Wiſſenſchaft beſchäftigen will, wohl zu empfehlen ſein.
Der Preis iſt ein ſehr niedriger (*/. Thlr. preuß. Cour.), die
in dem Buche enthaltenen Anweiſungen ſind ſehr klar und
deutlich, die Wiſſenſc limkeit nic kleinen Werk iſt ſo wenig koſtſpielig, daß es auch der Geld-
beutel eines Lehrers aushalten kann. Das Bu leiſtet, was
wir uns davon verſprochen haben, wenn wir auc< mit dem
Verfaſſer darüber rehten möchten, daß dem Buche zu wenige
Figuren beigegeben, und daß dieſelben dem Texte nicht beige-
druFt ſind, ==“ und beſonders, daß die große und tiefe Auf-
faſſung der läugnen iſt, daß ein Studium des Buches zu einem Verſtehen
der gezeichnetes leiſten. Do wird ſeinen Zweck erfüllen, und gerne empfehlen wir es unjern
Collegen im weiteren Vaterlande.
Zum Scluß wollen wir noH etwas Erfreuliches berichten.
In der Stadt Kiel iſt das Schulweſen organiſirt worden, und
die Gehalte, welhe den dortigen Lehrern ausgeſeßt find, find
zum Theil ſehr bedeutend. Es gibt dort nun Stellen, die
qußer freier Wohnung 1400, 1200, 1000 und 800 Thlr, R, M.
eintragen (4 Thlr. R. M. = 3 Thlr. preuß. Cour,). Das
iſt doH einmal nobel gehandelt, und möchten wir nur wün-
ſchen, daß der Anſtoß, den die Bewohner Kiels gegeben
haben, no und Altona ſoll es ſchon der Fall ſein.

Pädagogif Bibliograpbie.

ädagogik u. Schulgeſchi<ßte. 55) D. A. Gutbier: Entwurf
zu kes I. GE benen höheren Bürgerſchule. Münden, Finſterlin.
4 Ngr. 56) D. I B. Heindl: Kalender f. Lehrer u. Schulſreunde.
7, Jahrg, München, Fleiſhmann. 3 Nagr. 57) A. Hauer: Gefahr
u. Hülfe, Mahnung zu einer zeitgemäßen Reform d. öffentlichen Er-
ziehung. Bremen, Müller. 10 Ngr. 58) Jean Paul Levanga, 4. Aufl.
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werder, Leyyſohn. 6 Ngr. 60) K. Kirſc lichen über d Volksſchule. 2. Aufl. Leipzig, Reclam. 2 Thir. 61) Leon-
hard: Geſchichte d. höhecen Lehranſtalt in Ellwangen. 1. Abth. Tü-

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