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bar haben fo die Hiſtorienbüher zur Beſchränkung des Bibel-
leſens mitgewirkt, da auch ſie eine Anzahl Lehrſtunden in An-
ſpruF in der Heilsgeſhichte leicht als weſentliches Surrogat für das
Bibelleſen angeſehen werden mochte. Aber nimmermehr haben
die Hiſtorienbücher allein das hervorgebracht, was Geſammt-
wirkung aller auf die Umgeſtaltung der Volksſchule hinwirken-
den Kräfte iſt, Läßt man jeßt die Hiſtorienbücher allein oder
doh vorzugsweiſe die Schuld tragen, ſo iſt dieß ungeſchicht-
lich, wie man fim dur< Specialſtudien in den Shulordnungen
alter und neuer Zeit Überzeugen mag.
(Fortſezung folgt.)
Freiherr vom Stein über Erziehung, im Jahre 1810.
r Gibt es Gründe zu einem Glauben an eine beſſere Zu-
kunft, an ein nahes Ende des Zuſtandes der Sklaverei, worin
wir leben, ſo iſt es um ſo mehr. Pfliht, die Gemüther zu
Ftählen und zu ſtärken, indem man kräftige und edle Grundſäge
aufrecht erhält, die des Sklavenſinnes bekämpft und auf dieſe
Art den Geiſt des Zeitalters, das heißt der Genußliebe,
der Trägheit, der Unheiligkeit oder Gleichgültig:
feit gegen Meinungen und Grundſäße entgegenwirkt, der
ſim beſonders in den oberen Claſſen ſo verderblich äußert. =-
Es iſt aber nicht hinreichend, die Meinungen des jeßigen Ge-
ſ Geſ geſ die die Selbſtthätigkeit des Geiſtes erhöht, den religiöſen Sinn
und alle edleren Gefühle der Menſchen erregt, das Leben in
der Jdee befördert und den Hang zum Leben im Genuß min-
dert und ihm entgegenwirkt. Die Erziehung muß dahin wir-
ten, daß der Menſ< nicht allein mechaniſche Fertigkeiten und
einen Umfang von Wiſſen erlange , ſondern daß der ſtaats-
bürgerlihe und friegeriſhe Geiſt in der Nation erwe>t und
die Kenntniß kriegeriſcher Fertigkeiten dur< Unterricht in gym-
naſtiſc ferner der Staat ſol Miliz errichtet und dieſe in zwe>mäßiger Verbindung mit der
Arcnee gebrac dur< den Einfluß der Erziehung der Neigung der
gewerbtroiben und geſehrten Stände zu unfriegeriſchen Geſin-
nungen, zum Losreißen vom Staat entgegengewirkt und in
allen das Pflichtgefühl, für den Staat ſein Leben hinzugeben,
belebt.“ -- -- zöls Vormund der Kinder ſeines Sc Arnim v, Boykenburg, jpra< Stein dem Erzieher derſelben
ſeine Freude aus, daß Friß (na Sprachen und der Matheniatik Geſchmack> finde, bedauert aber,
daß er dieſen nicht für die Hiſtoriſchen Wiſſenſchaften äußere.
„Der Einfluß der Geſchichte iſt wohlthätig für ein jun-
ges Gemüth, wenn ſie gründli<, treu, einfältig ſtudirt wird
und man, niht auf der Bahn metaphyſiſ politiſcher Sophiſten daherwandelt; ſie erhebt uns über das
Gemeine? der Zeitgenoſſen und mac was die edelſten und größten Menſchen geleiſtet und was Träg-
beit, Sinnlichkeit, Gemeinheit oder verkehrte Anwendung großer
Kräſte zerſtört.“ Er empfiehlt darum Geſchichte, und. weil die
ö
engliſche Literatur - die meiſten guten Geſchichtſ weiſt er auf dieſe dringend hin. =- In einem Briefe an ſeine
Nichte ſpricht er von der Erziehung ihrer Tochter und räth,
ihren Charakter und Willen zu ſtärken und dieſelben auf reli-
gidſe Grundſäße und Gefühle zu gründen, damit fie
fi; über die erbärmlichen kleinen Intereſſen der Eitelkeit und
der Selbſtſu (Aus W. Baur's „das Leben des Frhrn. vom Stein,“ )
emen,
Zur Sculgeſchichte.
* Aus Württemberg. Die verehrlihe Redaciion dieſes
Blatts wünſc und Verhältniſſe unſeres Volkfsſ lanben, daß ic< dieſelben mit einem Bericht über einige Erſchei -
nungen und Ereigniſſe auf dieſem Gebiete eröffne, die mir
beſonders erfreulich zu ſein ſcheinen, weil darin die vielver-
ſpreßenden Keime fruchtbarer Entwicelungen liegen dürften.
(Es wird ein anderesmal ni geſetzter Art und an Hervorhebung der Schattenſeiten fehlen, da
es keineswegs bei uns in allen Stü>en tröſtliß ausſfieht.
Unter die bemerkenswertheſten Erſcheinungen auf unſerem
Gebiete gehört die wohlthuende Thatſaße , daß das Jnſtitut
der Fortbildungsſ Jahr zu Jahr an Ausdehnung zunimmt. Und zwar handelt
es ſim dabei gegenwärtig nicht mehr bloß von der ſtädtiſchen
Jugend, ſondern von der eigentlichen ländli rung. Nachdem für jene dur; die wohl nun in allen Ge=
meinden, in denen Real:ſ Bürger-) Schulen beſtehen, eingerich»
teten und, obgleich ſie auf dem Freiwilligkeitsprineip baſiren,
zahlreih beſuchten gewerblichen Fortbildungsſhulen geſorgt
war, mußte das Beſtreben immer mehr dahin gehen, auch den
Bauernſtand der Wohlthat einer erhöhten Lebensbildung theil-
haftig zu machen. Den Weg zur Erreichung dieſes Zwecks
juchte die Shulgeſeß-Novelle vom 6. Nov. 1858 dadurch zu
bahnen, daß der Art. 2 derſelben feſtſehte: „Wenn in einer
Gemeinde zur Fortbildung der aus der Volksſ Winterabendſ tagsſ tagsſ ziehungsinſtruction“ vom 17, Jan. 1859 folgendermaßen aus :
„Das Geſeß will die Gemeinden nicht nöthigen, Winterabend-
ſchulen zu errichten, ſondern nur da, wo ſolche freiwillig errich -
tet werden, die ſchon beſtehende Sonntagsſchulpflichtigkeit auf
die Winterabendſ behörden die Befugniß ertheilen , na< Umſtänden, gegenüber
von den Schülern oder deren Aeltern, Dienſt- und Lehrherrn,
befehlend aufzutreten, wona< die Verſäumniſſe der Winterabend-
ſchule der gleichen Rüge unterliegen, wie die der Sonntags-
ſchule. Allerdings aber ſind die Gemeinden zu ermahnen und
zu ermuntern, wo irgend die Verhältniſſe und die Perſönlichkeit
der Lehrer es geſtatten, auf Errichtung ſolcher Fortbildungs»
ſchulen Bedac tagsſ bildung der männlihen Jugend genügen und kaum das in der

*) Abgeſchn von der antiken claſſiſchen Literatur und vor 5) Ja4-
ren geſchrieben, ehe die deutfhe Literatur gerade in der Geſcht<*-
ſ

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