Allgemeine
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ernannte
A
RN». 6,
Ueber den heutigen Stand des Turnens in Deutſch-
land und einige darauf bezügliche Zeitſchriften.
([S Eine Richtſ namentlich in der preußiſchen Volksſ verfügung der königl, preußiſchen Regierung in Potsdam vom
17, Nov. v. 3., worin außer Anderm geſagt iſt: „Soll ſelbſt-
verſtändlih dur< beſagten Unterricht, ohne die nächſten Be-
dürfniſſe und Aufgaben der Schulen hintenan zu ſegen, überall
nur das wirklich Ausführbare und Erreichbare erzielt und gewon-
nen werden, fo iſt auch dex Inhalt und Umfang des Unter-
ri nibel zu machenden Mitteln, ſowie nac< der größeren oder
geringeren Befähigung der eben vorhandenen Lehrer zu bemeſ-
jen, nicht aber unbedingt ein höheres Ziel der Leiſtungen zu
erjtreben, oder, wie bisher ſchon vielfältig geſchehen iſt, wegen
großer Beſchränktheit ſol geregelter körperlicher Uebungen, welche doH in kleinem Umfang
von jedem Lehrer geleitet werden können, Abſtand zu nehmen.
Wir müſſen vielmehr zunächſt und im Allgemeinen große Ein-
jachheit der Uebungen und daher vornehmlich die au< ohne
bejondere und koſtſpielige Vorrihtungen und Apparate aus-
führbaren ſogenannten Freiübungen und Ordnungsübungen,
verbunden mit Spielen der Schuljugend und mit ſteter Berüc>k-
ſichtigung ihrer ſpäteren militäriſchen Ausbildung, welche durch
die hö j Uebungen ſolcher Art können in den ſogenannten Freivier-
telſtunden vorgenommen werden, was inſonderheit auc die Winterszeit , wenn die Witterung es erlaubt, thunlich
und felbſt in diseiplinariſher und diätetiſcher Hinſicht anräth-
lich iſt“ *),
Dieſer pädagogiſche Rath findet ſeine Stüße und weitere
Begründung in der ſehr beachtenswerthen Schrift des Dr. med.
Schreber: „Ein ärztlicher Bli in das Schulweſen in der
Abſicht : zu heilen, und nicht zu verleßen", Leipzig, 1858 **),
worin es heißt: „Kein Kind ſJollte länger als höchſtens 2 Stuns
den ununterbro Die gewöhnlic digen Zwiſc Darmſtadt , 9. Februar.
1861.
ten GeſundheitsrüFſichten keine8Swegs genügen. Nur eine da-
zwiſchen fallende ausgleichende allſeitige Körperthätigkeit
kann dieſem Bedürfniſſe entſprehen. I< meine daher, es
würde mit den Verhältniſſen und dem Geſammtzwe> der Sc<ü-
lex am beſten vereinbar ſein, wenn bei mehr als zweiſtündigem
Unterrichte jedesmal nach der zweiten Stunde die viertelſtündige
Zwiſchenpauſe zur Vornahme der (in beifolgenden Abbildungen
dargeſtellten) Bewegungsformen beſtimmt würde, welche ana-
tomiſch und ſyſtematiſch die Hauptpartieen des Körpers umfaſ-
fen. Dieß Alles könnte ganz nach Umſtänden in inneren oder
äußeren Schulräumen geſhehen. Jeder Lehrer würde, aug ohne
ſonſt mit der Gymnaſtik vertraut zu fein, die einfache Leitung
an Steſle der gewöhnlichen Inſpection Übernehmen können,
&hne daß man an einen beſondern Turalehrer gebunden wäre.
Nur nach einer ſolmen auffriſhenden UnterbreHung wird man
unbedenklich zur Fortfeßung des dann in jeder Beziehung gedeih-
liheren Unterrichts ſchreiten können.“
Hatte Schreber ſeine für die Zwiſ Bewegungsformen der einfachen Zimmergymnaſtik entlehnt, ſo
führt der oben erwähnte preußiſche Shulmann die Dorfjugend
ins Freie und hinaus in Feld und Wald, „Leichte Turnübun-
gen auf dem Lande einzuführen , iſt nicht ſo ſ ſcheint. Haben die Geiſtlichen als Gymnaſiaſten, die Lehrer
als Seminariſten und 3 bis 4 Einwohner als Soldaten ge-
turnt, ſo laſſen ſih mit geringen Mitteln den Knaben einige
Uebungen beibringen, die ſie auf dem Felde und bei ihren
Spielen freiwillig verwerthen und üben und deßhalb als Eigen-
thum behalten. Nur nicht zu fyſtematiſ< und pedan»-
tiſch dabei verfahren! Was den Knaben am meiſten zuſagt,
das werde zuerſt und am liebſten getrieben ; verpfuj wenig werden, wenn man nicht zu ſ Rüc>ficht darauf nimmt, daß die Knaben vor der Pubertäts-
periode ſtehen. Allerdings iſt das ReF dasjenige Geräth, welches
dem vollendeten Turner die beſte Gelegenheit gibt, Kraft und
Eleganz zu zeigen, aber für die Dorfſchule iſt es nicht unbe-
dingt nothwendig, der Barren no< weniger, Gerkopf und vol-
lends ein dier Klettermaſt können erſt recht fortfallen, Ein
Springgraben, eine kurze Leiter, eine dünne Kletterſtange und
ein Tau ſind ſchon ein hübſc Spiele ſind äußerſt wichtig, Könnte die Perle der Spiele,
der hurtig machende Barlauf*), ſo eingebürgert werden, daß

*) Sttehl's Centralblatt für die geſammte Unterrichtsverwaltung
in Preußen, Decemberheft 1860, S. 733.
ZK) Eine ausführliche Beſprechung dieſer wichtigen Schrift findet
ji< in der ZBllg., Sculztg. 1859, Nr. 335.
*) Spieß wußte dieſem Lieblingsſpiel der furnenden Gymnaſiaſten
dadurc<ß no<& mehr Mannic er es auf einem mit einzelen Bäumen bepflanzten Plaße ſptelen
ließ und einige Schwingel quer in die offene Bahn ſtellte,

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