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von Prof, Döderlein und Studienlehrers Lehner ein klei-
ner Anfang gemacht. ,
Treffiiche Dienſte leiſten einer geſunden EntwiFelung des
Turnens die Neuen Jahrbücher für die Turnkunſt,
in Gemeinſchaft mit den Medicinern DD. Friedrich, Schre-
ber und Sh dem Turnlehrer Waſsmannsdorff, herausgegeben von dem
Director der königl. Turnlehrer-Bildungsanſtalt in Dresden,
Dr. Kloſs, Dieſe freien Hefte für Erziehung und Geſund-
heitspflege haben ſeit Jahren und ſhon zur Zeit, da die Tur-
nerei no achtet wurde, deren ſ Vertrauen auf eine beſſere Zukunft zu erhalten und zu mehren
geſucht und ſind niht müde worden, für die gute Sache anzuregen,
zu werben und zu belehren. Sie halten namentlih an dem
richtigen Grundſaß feſt, daß ein ſachkundig geleitetes Turnen
für alle Stände und beide Geſchlechter ein weſentlihes Stü
der Erziehung zur ebenmäßigen Entwi>elung des ganzen Men-
jhen ſei und bleiben müſſe, ni Zeitumſtänden abhängige Mode, ſondern vielmehr ein aus der
Natur des Menſchen hervorgehendes Bedürfniß. Jn dieſer Bes
ziehung ſprit fich Kloſs in dem neueſten Heft (IV, 4, S, 254)
entſchieden und treffend alſo aus? „Das Turnen der Schulen
darf für gewöhnlich ſeines pädagogiſchen Charakters
durc nen Schwerpunkt in dem in ihm ſelbſt liegenden formalen Bil-
dungselemente zu ſuchen, mit deſſen Hülfe die rein menſchliche
Ausbildung der Jugend, ganz abgeſehen von jedem Neben»
zwecke, zu verfolgen iſt. Man braucht ſich deßhalb nicht beſtim-
men zu laſſen dur< die Rüdſichten auf den praktiſ brauc) oder dur; das Nüßlichkeitsprineip , welhes «auf die
Einübung von leiblihen Fertigkeiten ausſchließlih für den
Wehrdienſt bedac beſtimmten Gebrauch gemünzt find, der nicht in den Kreis der
nächſten Beziehungen der Schule gehört, werden der Scul-
jugend immer fremd bleiben und auf die Dauer nicht befriedi-
gen. Dagegen wird es allerdings nöthig ſein, daß unſer Shul-
turnen bei Verfolgung ſeines nächſten allgemein erzieherijhen
Zweckes zugleich die Vorbildung für die einſtige Wehrtüctig-
keit dex Jugend angemeſſen unterſtüße. Wir brauchen es hier
niht zu wiederholen, wie das Sc Grundſäßen dieſer Forderung gere Jahn, wiewohl er ſeine Turner gegen den Feind rüſtete,
und Luther, der zwar, als er die hinjterbende Turnkunſt
neu beleben und in die beginnende Volkserziehung einreihen
wollte, ausſpra<: „Es ſollen ja unſere Jungen Land und Leute
vertheidigen und Kriegsleute ſein; denn es iſt wahrlich von
nöthen , zum Heex und Streit allezeit tüchtig und bereit zu
fein", der aber zugleich, abgeſehen von dieſem Gewinn für die
militäriſche Bildung, das Turnen aus allgemeinen erzieheriſchen
RüFfichten dringend empfahl *).
Nachdem wir bereits mehreres Einzele aus dem jüngſten
Heft der Jahrbücher oben mitgetheilt haben, beſchränken wir
uns darauf, den weiteren Inhalt desfelben anzudeuten, Waſs-
maunsdorff beſtätigt aus Stammbücern, die ſich auf der Uni-
verſitäts-Bibliothek zu Heidelberg finden, die Bemerkung Göde»
ke?8, daß der bekannte TurnerſpruHh niht von Jahn erſonnen,
=.
*) Timm in ſeiner gehaltvollen Shrift „das Turnen.“ Neu-
Strelis, 1846, S. 26. /
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ſondern ſhon im 16, Jahrhundert ein Studenten-Wahlſprucd
war. So ſchrieb z. B. im IJ. 1590 ein Hr. v. Oſtau jeinem
„gutten geſellen vnd bruder“ ins Stammbuch :
„Gutter freund in der Dot
gehen Siebentzig auf ein lot, =-
for mir gut, hinder mir falsch :
Komm, teufel, brich ihm den hals. -
Frisch, frey, frölich vnd fromm
ist aller Studenten reichtum.“
Kloſs, mit dem die Behörden in Stuttgart in Turnſfachen
Rath gepflogen hatten, wie wir in diejen Blättern 1860,
Nr. 42, berichtet haben, fährt fort „turneriſche Reiſeeindrücke
aus Süddeutſchland“ mitzutheilen , dießmal Über das, was er
in Heidelberg, Weinbeim , Darmſtadt , Frankfurt , Erlangen,
München wahrgenommen , wobei er Frankfurt als diejenige
Stadt bezeichnet, die jeht das Meiſte für das Sdculturnen
gethan hat. =“ Waſsmannsdorff ſchließt ſeinen Bericht über
das Coburger Turnfeſt ; es folgt Biographiſches Über Turn:
lehrer, Darſtellung eines im Septbhr. 1860 eröffneten Ergän»
zungscurſes an der k. Turnlehrer-Bildungsanſtalt zu Dresden,
an dem 22 Lehrer , darunter 16 Ausländer, Theil nahmen ;
Büceranzeigen, Nachrichten und Vermiſ von der im Juni 1860 zu Coburg verſammelten deutſchen
Turnerſchaft den Regierungen und Volksvertreiungen der deuts-
ſ bücher beeifern fih, nach allen Seiten und für alle Zweige der
Iurnkunſt beſonnenen, auf Wiſſenſchaft und Erfahrung gegrün-
deten Rath zu ertheilen. Möge er überall erwogen und in
thatfräftigen Verſuchen geprüft, das Erprüfte aber ohne Shwan-
ken feſtgehalten und mit Hingebung beharrlich gepflegt werden,
&
. .
Deutſches Leſebuch für die unteren Claſſen höherer Lehr-
anſtaiten. Von H. Viehoff, Prof. und Director der
höheren Bürger: und Gewerbſ ſc folhes von demſelben für die mittleren Claſſen. Ebenda
VIII und 392 S. 8.
Bei einer großen Fülle von umſichtig, geſ- und tatkt-
voll auserwähltem Leſeſtoff, wobei die verſchiedenen Lehrſtufen
und Stylgattungen berüFſichtigt und für die jüngeren Schüler
mehr der fachliche, für die älteren der ſtyliſtiſche Geſic feſtgehalten wurde, unterſcheidet ſich dieß Leſebuch von anderen
diefer Art, denen gleichfalls das Lob eines planvoll geordneten
reihen Gehaltes gebührt, dur< zwei Eigenthümlichkeiten,
Fürs erſte iſt Herr Viehoff , der- rühmlic< bekannte Erläu-
terer von Goethes und Scillers Gedichten, ni ler, ſondern ſelbſt Verfaſſer eines großen Theils des hier in
Proſa und Poeſie dargebotenen Stoffes , und zum andern
enthält das Buc< nichts von und über unſere Reformatoren,
nichts von H. Sachs, Hutten, und wird auc< in den geſchicht-
lichen Mittheilungen des geiſtigen und Schwerdterkampfes gegen

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