Ausſchlag gegeben hat, und warnt davor, die Gleichberehtigung der Ge-
ſchlechter zu einer Bevorzugung des weiblichen Geſchle jie weiſt auf die Schäden hin, die den höheren Mädchenſ wenn Männer gegen ihren Wunſch einer „weiblichen Leitung unterſtellt
werden, und ſchließt mit den entſprechenden poſitiven Forderungen. Zus=-
jammen mit der Denkij gabe vom Preußiſchen; Philologenverbande dem Miniſterium ſofort ein-
gereicht werden. !
- Die beiden letzten -Punkte der TageZordnung konnten aus Mangel.
an Zeit nicht. abſchließend behandelt werden. Nachdem dur unter allgemeinem Beifall der Verſammlung dem Vorſitzenden der
I.G.M., Kollegen Dorner, für ſeine unermüdliche und erfolgreiche '
Arbeit der Dank ausgeſpro abends geſchloſſen.
Berlin-Friedenau. W. Hilke.

Landesverband der höheren Beamten Preußens.
Die infolge der neuen Saßung de3 ReichSbunde3 höherer Be-
amter nötig gewordene und gerade von uns Philologen ſeit langem
erſtrebte Gründung de3 LandeSverbande3 der höheren Beamten iſt nun-
mehr erfolgt. Dem Verband ſind bereits faſt alle in Betracht
kommenden größeren Verbände einſchließlicß der Richter angeſchloſſen;
er zählt z. Zt. etwa 40 000 Mitglieder. Den Vorſit hat der Reich8-
miniſter Scholz Übernommen; die Geſchäftsführung iſt einſtweilen
dem unterzeichneten Geſchäftsführer unſeres Verbandes übertragen wor-
den und damit in die Hand eines Philologen gelegt, die Geſchäftsſtelle
iſt vorläufig mit der des Philologenverbandes vereinigt.
Berlin-Schanargendorf. | A. Rathke.
Die Verhandlungen des Deutſchen Ausſchuſſes
für Erziehung und Unterricht am 22. und 23. Ok-
tober 1921 in Weimar.
Nac< der Begrüßung durch den Vorſitzenden Stadtrat Prof.
Dr. Ziehen und dem von Landesſchulrat Prof. Dr. Umlauf erſtatteten
Geſchäftsbericht gab Prof. Ziehen einen Überbli> über die ſchulpolitiſche
Lage : - Die gegenwärtigen Verhältniſſe zeigen den Charakter des Kompro-
miſſes und des Eilfertigen. In der Reichsverfaſſung iſt eine Summe von
Endzielen bezeichnet, über deren Durchſührung man verſchiedener Mei-
nung ſein kann. Wir kommen in Gefahr, bei der Einzelgeſeßgebung die
Fühlung zwiſchen den einzelnen Ländern zu verlieren. Das Geſetz über
die Alterögrenze wird in ſeiner Geltung angefochten. Für die Reich3-
ſchulkommiſſion müſſen wir die Öffentlichkeit der Verhandlungen fordern.
Als das Grundſchulgeſes dur weite für die höheren Schulen nicht klar gemacht oder eine bemerken3-
werte Kunſt aufgewandt, um die Folgen der Sache nicht in die Er-
ſcheinung treten zu laſſen, ja, man könnte hier von einer Überrumpelung



reden. Wir haben zuviel Organiſation3arbeit, mehr innere Arbeit iſt -
von nöten. Lebenswichtige Fragen dürfen nicht leiden. Die Pflege der
kulturwiſſenſchaftlic orientierten Pädagogik iſt von der größten Be-
deutung. Ziehen berührte weiter die Kämpfe um das Reichsſchulgeſez,
die Fragen der Koedukation, der Reviſion der Schülerbibliothefen, der
Mitwirkung der Elternſchaft, der kollegialen Schulverfaſſung, der Ver-
fürzung der Dauer der höheren Schule. Dabei warnte er vor der
„„Gabelungsmanie“. Beim Mittelſchulweſen muß jeder Verſuch, e3 ver-
waltung3mäßig oder lehrplanmäßig vom Volks8ſchulweſen zu trennen, ge-
hemmt werden. Die Volksſ Unterricht ein Plus zu leiſten gegenüber dem Minimum, das durch
einen gewiſſen Prozentſaß ihrer Schüler gegeben iſt. Bei ihr ſind
zwei Forderungen zu erheben: 1. immer weitergehende Klärung der
Begriffe Simultanſchule und weltliche Schule; 2. die Anerkennung des
Grundſaße3: die Schule iſt eine Veranſtaltung des Staate3. Demgegen-
über dürften ſeparatiſtiſche Beſtrebungen keinen Sieg erringen. Die beſte
Art der Löſung würde ſein, daß wir uns endlich entſchließen, die gemein-
jamen Momente in den Vordergrund zu ſtellen. Auf dem Gebiet des
Fachſchulweſens muß die Selbſtverwaltung zur Wahrheit werden; ein
einheitliches Normalſtatut für die Kuratorien iſt zu fordern. Der Ver=
ſuch, äußere und innere Sculangelegenheiten zu trennen, iſt ganz aus8-
ſihtslo8; der Staat muß gewiſſe Rechte an die Verwaltungskörper-
ſchaften abtreten. Mit einer feinſinnigen Anwendung de8 Herderſchen
„Licht, Liebe, Leben“ = die Verhandlungen fanden in dem von Herder
1788 gegründeten Seminar ſtatt --- ſchloß Ziehen unter allgemeinem
Beifall ſeine Ausführungen.
Oberlehrer Dr. Peterſen, Hamburg, begann ſeinen Vortrag über
den jeßzigen Stand der Frage der Geſamtſchuldauer mit den Worten:
„Die Öffentlichkeit erwartet eine .unzweideutige Stellungnahme des
Deutſchen AusSſchuſſe3.“ Er berichtete al8dann über die Anſichten, die -
inzwiſchen in dieſer Frage von Univerſitäten, Verbänden und Berufs3-
vereinigungen bekannt geworden ſind.
Seine eigenen Anſchauungen entwickelte er an der Hand. einer
Anlage zum Einladungsſchreiben, aus der die wichtigſten Sätze ſo lauten :

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„Ein einheitlihe Regelung dur<4) das Reich wird . wohl allſeitig
- gewünſcht. Die Frage drängt zur Entſcheidung, weil verſchiedene
Länder mit dem Abbau der Vorſchulen ſchon energiſc< vorgegangen
ſind und des8halb die Dauer des Lehrganges der höheren Schulen un-
bedingt im Laufe dieſes Jahres neu regeln müjjen . .. |
Die einheitliche Regelung wird, wie ſie auch ausfallen mag, - auf
- erheblichen Widerſtand der betreffenden Kreiſe ſtoßen.
Wird eine dreizehnjährige Geſamtſchulzeit vorgeſchrieben, ſo be-
deutet dies für weite Kreiſe eine Verlängerung der Schulzeit um ein
Jahr, wa3 namentlich von den Eltern als ſchwere finanzielle Schädigung
empfunden wird, aber auch den Schulverwaltungen eine erhebliche Be-
laſtung ihre3 HauShalt3plans verurſacht.
Die Feſtlegung einer zwölfjährigen Geſamtſchulzeit dagegen wird
al3 eine Verkürzung der Dauer der höheren Schule um ein Jahr ohne
Ausgleich oder gar als Wegfall -der Oberprima angeſehen. Man.
fürchtet, daß die Bildung3höhe und die geiſtige Reife der Abiturienten
empfindlich leiden werde; dann würden auch unſere Hochſchulen, da
da3 jeht überau3 teure Studium nicht noch verlängert werden könne, ihre -
Anſprüche herabſezen müſſen und ſomit künftig weſentlich ſchlechter vor-
gebildete Beamte, Ärzt?, Techniker, Ingenieure uſw. in3 Leben ſchi>en
als biöher, zum Nachteil unjeres gejamten öffentlichen Leben3, unſerer
Wiſſenſchaft, Technik und Wirtſchaft.
Zweifello3 müßte die Feſtlegung der höheren Schule auf 'a verbunden werden mit einer gründlichen Reviſion der Lehrpläne und
Lehrſtoffe, einer Uiageſtaltung der Reiſeprüfung, einer Verſchärfung der
Aufnahmebedingungen für die höhere Schule und einer ſtrengeren Au3-
ſcheidung ungeeigneter Schüler. Die Grundſchule ihrerſeit3 darf die Aufs=
gabe, auch die Anwärter für die höhere Schule auszubilden, nicht außer
aht laſſen.
Einer beſonderen Erörterung bedarf die Frage, ob die höheren
Sculen für die weibliche Jugend wie bisöher einen um ein Jahr längeren
Bildungs8gang behalten ſollen al3 die entſprechenden Knabenſchulen.
Die finanziellen Bedenken, die gegen eine dreizehnjährige Geſamt-
ſchulzeit ſprechen, verdienen bei der gegenwärtigen Lage ernſteſte Beach-
tung. Andererſeit3 darf der Grad der wiſſenſchaftlichen Ausbildu.ig auf
der Hochſchule nicht herabgeſezt werden.
Von größter Wichtigkeit iſt es, die Frage auch vom Standpunkt des.
praktiſchen Lebens au3 zu betrachten: Fordert die Ausbildung für den
Beruf die achtjährige oder die neunjährige höhere Schule? Iſt das
neunte Jahr der höheren Schule ſo wertvoll, daß e3 nicht entbehrt werden
kann, oder iſt dieſe8 Jahr vielleicht beſſer angewandt zur praktiſchen
Ausbildung im Beruf? Hier haben die Beruſsorganiſationen das ents-
ſcheidende Wort zu ſprechen.“
Im einzelnen erwähnte der Vortragende noc<: Für die Sonderung
der Schüler muß die vierte Grundſchulklaſſe eine Prüfungsklaſſe, die
Quinta eine Verſuchsklaſſe ſein; nur die wirklich Begabten gehören auf
die höhere Schule. Der Schwerpunkt der Entſcheidung liegt in den rein
pädagogiſchen Fragen. Man beginne die Arbeit und laſſe das Ziel jich
daraus entwickeln! Eine Füllung des Gedächtniſſes iſt zu vermeiden.
Die zweite Freindſprache iſt aufzugeben; Reſormgymnaſien ſind einzu-
führen. Man gehe von der Zerſplitterung ab und lege möglichſt viel
Unterricht in eine Hand, damit die Zuſammenhänge unter den ein-
zelnen Wiſſensgebieten meßr herausgearbeitet werden. Die Oberſtufe iſt
umzugeſtalten. Wir müſſen die Unterſekunda zur Oberſtufe hinzunehmen;
wir müſſen die Oberprima frei bekommen durch eine Umgeſtaltung
der Reifeprüfung; e38 muß dort eine Lehr= und Arbeit3weije ausge-
bildet werden, die unmittelbar zur künftigen Arbeit auf der Uni-
verſität hinüberleitet. Er ſchloß mit der Forderung: Jedem Schüler
ſeine Arbeitsform "und womöglich ſc Arbeitsluſt und ſeinen Arbeitswillen! :
Da3 Gegenreferat hielt Oberſtudiendirektor Dr. Bolle : Die Frage
der Dauer der Scaulzeit iſt nicht von innen herausgewachſen, ſondern
von außen herangebracht. Man muß aber hierbei nicht ausſchließe
lich die Zeit auf ider höheren Schule berücſichtigen, jondern den ge-
ſamten zwölfjährigen Kurſus. Die alten Ziele ſollen aufrecht erhalten
werden, ja, ſie ſollen jogar noch vertieft werden. Wir wollen ſort von
der bloßen Stoffübermittlung, von den Penſen, von den einengenden
Prüfungsbeſtimmungen zur individuellen Ausbildung; aber wir können
uns doch nicht von allem Stoff frei machen, und, ſollen die Schüler die
Beſinnung auf ſich ſelbſt gewinnen, ſo dürfen wir un3 nicht unter den
Zwang begeben. Der gegenwärtige Augenbli> iſt der ungünſtigſte für
eine Verkürzung der Schulzeit. - .
Wollen wir die Oberſtufe im Sinne der modernen Entwieklung -/
umformen, ſo bedürfen wir für ſie der drei Jahre. Eine Verkürzung der
Mittelſtufe würde zum außerordentlichen Schaden der Schüler 'au3-
ſchlagen, da die Tertien in die Pubertät3zeit fallen, die ſchon viel zu
ſehr belaſtet iſt, beſonder3 nach der Seite de3 Gedächtniſſe3. Auch im
Intereſſe de3 mittleren Beamtentum3 verbietet ſich eine Einſchränkung der
Mittelſtufe. Ob die Unterſtufe verkürzt "werden darf, hängt von
der Frage ab, ob die Grundſchule den Lehrſtoff der Sexta übernehmen
kann. Iſt dies unmöglich, dann muß e3 bei den neun Jahren der höheren
Schule bleiben, zumal da dieſe nun, auch in viel höherem Maße alä bi3-
her die Ertüchtigung de38 Körper3 mitübernehmen muß. -

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