veutſhesPhilologenß

Korreſpondenzblatt für den akademiſch gebildeten Lehrerſtand
“ Z=-herausgegebenvonStudienatDrA. Hoofeinberlin -“

Rr. 18/19
Leipzig, den 6. Mai 1925
33. Jahrgang
Richtlinien für die Lehrpläne der höheren Schulen Preußens.
Teil 119).
A.
1. Kernfächer.
Den Kernfächern als den Hauptträgern der deutſchen Bildungs3-
einheit in der Mannigfaltigkeit der höheren Schulen (ſiehe S. 225) er-
wachſen in weitem Umfange an allen Schulen die gleichen Lehrauſ-
gaben. Inu Arbeitsteilung beſonder3 mit den für die einzelnen Schul-
arten „„ derauſgaben geſtellt, die auch bei der Stoffverteilung zu berückſichtigen
ſind. Vor allem wird aber auch bei gleichen Stoffen das der einzelnen
Schulart eigentümliche Bildungsideal ſich im Geiſt und in der inneren
Einſtellung des Unterrichts au8wirken. Ebenſo wird der Unterſchied der
Geſchlechter bei der Behandlung der gleichen Lehrſtoffe für Art und
Methode des Unterrichts weſentlich beſtimmend ſein.
Evangeliſche Religion.
VI
Wiederholung und Ergänzung in der Grundſchule behandelter alt-
teſtamentlicher Geſchichten. Bibliſche Geſchichten des Neuen Teſtaments
bi3 zur Pfingſtgeſchichte in inhaltlich zuſammengehörigen Gruppen.
Heranziehung geeigneter Werke der deutjchen Bildkunſt. Bibelſprüche,
möglichſt im Anſchluß an die bibliſchen Geſchichten. Kirc Melodien, möglichſt im Anſchluß an die kirc faſſung und Erweiterung der in der Grundſchule gelernten KatechiSmu3-
ſäze im Anſchluß an die bibliſchen Geſchichten.
Die Heimatkirc Einrichtungen und Feſtſitten.
Al3 Hilf8mittel für VI und V dient ein bibliſches Geſchicht3buh,
da3 die bibliſchen Geſchichten, möglichſt in Luther3 Sprache, und den
notwendigen Memorierſtoff enthält. Eine landſchaftliche Sonderau3-
gabe oder ein heimatkundlicher Anhang des bibliſchen Geſchichtöbuchs
iſt wünſchenswert. |
In den Mädchenſchulen werden aus den altteſtamentlichen Ge-
ſchichten beſonder3 die Familiengeſchichten und andere Geſchichten mit
idylliſchem Grundzug, in den Knabenſchulen mehr ſolche heroiſchen
Charakters gewählt werden.
Y-
Geſchichten aus dem Leben der Apoſtel und der alten Kirche.
Sprüche und Kirchenlieder wie in VI. Abſchließende Zuſammenfaſſung
der KatechiSmusſäße unter ſicherer Einprägung der erſten 3 Haupt-
ſtüke ohne Luther3 Erklärung.
Einzelbilder aus der Ausbreitung des Chriftentums in Deutſchland
mit beſonderer Berückſichtigung der Heimat und Landſchaft. Bedeutende
religiöſe Perſönlichkeiten Deutſchlands aus allen Jahrhunderten mit
beſonderer Berücſichtigung der Heimat und Landſchaft. In Arbeits-
teilung mit dem deutſchen Unterricht das Fortleben der altgermaniſchen
1) Teil I iſt in Heft 15/16 d. Bl. abgedrudt.
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1

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Lehraufgaben.
Für alle Schularten.
Religion im heutigen, namentlich im heimatlichen Volks8glauben. Be-
ſichtigung von Kirchen und kirchlichen Anſtalten.
In den Knabenſchulen wird beſonder3 der kühne, welterobernde
Zug der den mit aller menſchlichen Not, das das Urchriſtentum in die Welt
gebracht hat, betont werden.
* IV
Einführung in die Religion de3 Alten Teſtament8. Landeskunde
Paläſtinas in Arbeitsteil ung mit dem Erdkundeunterricht. Rü>bli> auf
die vorprophetiſche Literatur des Alten Teſtamentes unter Berückſich-
tigung der den Schülern aus dem Geſchicht3unterricht bekannten religion3-
geſchichtlichen Stoffe. Die Erzvätergeſchichte, beſonder3 die Geſtalt Abra-
ham3 nach ihrer religiöſen Bedeutung. Die Sendung Moſes (Ausblic>
auf die für das Verſtändnis de38 Alten Teſtament3 wichtigen Welt-
religionen der damaligen Zeit). Die Heldenzeit, Propheten und Könige.
Im Mittelpunkte ſteht die Lektüre wertvoller, dem LebenZalter zugäng=-
liher Abſchnitte aus der prophetiſchen und erbaulichen Literatur. Die
Berührung de8 Judentums mit der griechiſchen Religion und der
makkabäiſche Freiheit8kampf. Das Fortleben der altteſtamentlichen Fröm=
migkeit in und der erſte Artikel mit Luther3 Erklärung. Bibelſprüche, bedeutjame
Stellen aus Pſalmen und Propheten und Kirchenlieder wie in VI1.
Al3 Hilfsmittel dient von IV an ein bibliſches Leſebuch, das das
Neue Teſtament ganz, vom Alten Teſtament alles Weſentliche in mög-=
lihſtem Anſchluß an Luther3 klaſſiſche Sprachſorm enthält.
Für die Mädchenſchulen ſind aus der iſraelitiſchen Geſchichte die
großen Frauengeſtalten von beſonderer Bedeutung.
U IN
Geſchichte Jeſu auf Grund der Lektüre des Marku3-EvangeliumZ.
Der zweite und dritte Artikel mit Erklärung. Bibelſprüche und bedeut-
ſame Abſchnitte aus den Evangelien, dazu Kirchenlieder wie in VI. Au3
der alten Kirchengeſchichte nur ſo viel, wie für da38 Verſtändnis der
deutſchen Kirchengeſchichte nötig iſt. ,
Au38 der deutſchen Kirchengeſchihte etwa: Die Miſſionierung
Deutſchland3 durch iriſche, ſchottiſche und angelſächſiſche Mönche. Die
deutſche Reichskirhe. Die kluniazenſiſche Reformbewegung. Der Kampf
zwiſchen Kaiſertum und Papſttum. Die Kreuzzüge. Die Miſſionierung
de3 Nordens. Die Miſſionierung des Oſten3 durch Ziſterzienſer und
Prämonſtratenſer. Die innere Miſſion der Bettelorden. Jnnozenz Ill.
und Franzisku3. Vorreformatoriſche Beſtrebungen.
Bei der Beſprechung des Mittelalter3 muß, vornehmlich an Mäd-
mittelalterlichen Kultur und Religion eingenommen hat, an einzelnen
Bildern gezeigt werden. Der mittelalterliche Marienkult iſt auch von
dieſer Seite aus zu würdigen.
In den gymnaſialen Anſtalten wird der ſtarke antike Einfluß in
der mittelalterlicen Kirche beſonders betrachtet werden (kirchliche Lehn-
wörter). In den übrigen Schulen wird der Unterricht bei der Tätigkait

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