deſſen Leiſtungen in einem Fache nicht befriedigen, in einem
anderen ſeinen Anlagen und Neigungen näherliegenden Fache
um ſo beſſere Leiſtungen aufweiſt. Doc< kann auch über ſ Können oder Wiſſen in dem einen oder anderen Fache, ohne daß
eine Kompenſation vorhanden wäre, in beſonderen Fällen hin-
weggeſehen werden. Ausſchlaggebend iſt die Geſjamtreife des
Schüler3. .
Croſſen a. O. S. Beheim- Schwarzbach.

Zur Statiſtik betreffend die preußiſchen
=: Studienaſſeſſoren.
E3 muß freudig begrüßt werden, daß Ed. Simon in ſeinem
Kuſfſſaß „„Die preußiſchen Studienaſſeſſoren und Stellenanwärter“
in Heft 44 dieſer Zeitſchrift in der Tab.1 eine nach Konfeſſionen
getrennte Statiſtik der preußiſchen Studienaſſeſſoren gegeben hat.
Nur ſo iſt eine Überſicht über die Anſtellung38verhältniſſe möglich,
da man bei den Lehrern unmöglich, wie das in andern Beruſs-
ſtänden oft angängig iſt, von der Konſeſſion abſehen kann. Zwar
iſt das höhere Schulweſen auf ſimultaner Grundlage aufgebaut,
wie das m. E. au3 nationalen, geiſtigen und praktiſchen Gründen

auch nicht anders ſein kann, aber eben daraus ergibt fich auch die
Notwendigkeit, daß die Intereſſen der Konfeſſionen durc< gerechte,
paritätiſche Zuſammenſeßzung der Lehrkörper gewahrt werden. Nur
ſo kann der konfeſſionelle Friede erhalten werden. Im natürlichen
Verlauf der Dinge wird daher da8 Verhältnis der Konfeſſionen
der Schülerſchaft für da8 der Lehrkörper maßgebend ſein müſſen.
Denn e8 iſt anzunehmen, wenn dieſer natürliche Gang der Dinge
nicht geſtört wird, daß ſich im allgemeinen die dieſem Verhältnis
entſprechende Anzahl Studierender der philologiſchen Wijſjen-
jhaften, die zum Lehrerberuf Neigung haben, au3 beiden Kon-
ſeſſionen finden wird.
Unter dieſem Geſichtöpunkt betrachtet, ſind die Ausſichten
der Aſſeſſoren, welhe dem katholiſchen Bekenntni8 angehören,
allerding8 gegenwärtig viel ungünſtiger al3 die der evangeliſchen.
Ein Überſchlag über die prozentuale Zuſammenſeßung, verglichen
mit der prozentualen Zuſammenſezung der Schüler bzw. -innen,
. ergibt das ſofort. E38 genügt, den Prozentſaß einer Konfeſſion an-
zugeben, da der der anderen (bei Außerachtlajſſung der jüdiſchen
und diſſidentiſchen Aſſeſſoren) damit ohne weiteres gegeben iſt.
| Für die katholiſche Konfeſſion ergeben ſich folgende Zahlen :













(Kath.) zuſammen OP Br | Pm | Schl | Sa | SH Ha Wf HN | Rh
Alle Aſſeſſoren . 6. 38,7% 18% 7,5 0 | 3,8% | 55% | 4% 2,6 %6 | 15,5% | 67,5% | 30%, | 80%
Aſſeſſoren im Numerus clausus . . 37,2%, | 21,39, 17% 13,7,1 61,1 4,3%, 12% | 14, 56 % 28 */, | 80*/,
Schüler. ooo orn 26 %, 12, 1|7,3%91| 4% | 42%,1 5,5% 12% | 11%, | 45%), | 25*%,1| 552?/,
Schülerimen . uu 14,5 ?/, 8,7%, | 5,5% | 2,4% | 23% | 2,8% | 2% 30, | 29%, | 13% | 36?/,
E83 ergibt ſich alſo ein außerordentlich großer Überſchuß von
katholiſchen Aſſeſſoren in Oſtpreußen, Schleſien, Hannover, Weſt-
falen, Heſſen-Naſſau und beſonder38 in der Rheinprovinz. Ein
Austauſch nach anderen Provinzen iſt aber nicht angängig, weil
in keiner der anderen Provinzen ein Mangel beſteht ; ein Blick auf
das „Ganze“ ergibt alſo keineSwegs8, wie Simon meint, einen Au8-
gleich. Noc< ungünſtiger liegen die Dinge für die katholiſchen
Äſſeſſoren, wenn man einzelne Fachgruppen nachprüft. Wenn in
Weſtfalen 3. B., wie Simon bemerkt, die Hälfte der evangeliſchen
Hiſtoriker und Germaniſten Stellenanwärter ſind, von den ka-
tholiſchen aber nur ein Viertel, ſo liegt das an dem übermäßigen
Prozentſatz der letzteren (72%). In Heſſen-Naſſau ſind in dieſer
Gruppe 39%0 katholiſche Aſſeſſoren, in Hannover 20%. Von
den Altſprachlern ſind in Schleſien 77%0 katholijch und 90%
im Numerus claugus, im Rheinland 92%0 bzw. 97%. Mathe-
matikfer ſind im Rheinland 75% bzw. 82% katholiſch.
Daz ſind alſo vielfach überaus unnormale Verhältniſſe. Man
inuß aber feſtſtellen, daß e8 an Warnungen nicht gefehlt hat. So
hat H. Wermbter S. 479 de8 Jahrgangs 1912 dieſer Zeitſchrift
über die konfeſſionelle Verteilung der anſtellungsfähigen Kan-
didaten berichtet und auf die Überproduktion an katholiſchen
Anwärtern hingewieſen. Auch im Abgeordnetenhaus iſt auf das
Bedenkliche der Sachlage ſchon im erſten Dezennium des Jahr-
hundert3 hingewieſen worden, leider ohne daß man darin etwa3
anderes zu ſehen glauvte als konfeſſionelle Voreingenommenbheit.
Aber es iſt doch klar, daß der Numerus claugus nach Fachgruppen
und Konfeſſionen ſo zuſammengeſeßt ſein muß, wie e3 den Be-
dürfniſſen der Schulen in dieſer Hinſicht entſpricht. Wenn alſo
Simon die Gleichmäßigkeit feſtſtellen zu müſſen glaubt, wonach
ungefähr gleichviel Brozente der evangeliſchen und der katho=-
liſchen Aſſeſſorenſchaft in den Numerus clausus aufgenommen
ſind, ſo kann nicht gemeint ſein, daß damit auch die Paritäts-
forderungen der Schulen befriedigt jind. Unter normalen Ver-
hältniſſen würde ſich das de>en, man ſollte auch zufällige Ver-
ſchiebungen in einem oder dem anderen Jahrgang nach der einen
oder anderen Seite weitherzig auffaſſen. Aber die Dinge liegen
doc
- 764
einem ſol allerdings nicht abzuſehen iſt, wie Simon ſagt, wann überhaupt
die lezten dieſer Aſſeſſoren zur Anſtellung gelangen werden.
Offenbar iſt das Miniſterium und ſind die P.S.K. ſchon weit
über das Maß hinau3gegangen, das durch die paritätiſchen Be-
dürfmſje der Schulen geboten iſt. Die Gefahr muß aber ver=
mieden werden, daß darunter der konfeſſionelle Frieden der
Schulen leidet.
Nainden i. W. I. A. Maurer.
....

Bemerkungen
zu den Frankfurter Rahmenlehrplänen.
Das lebhafte Intereſſe, da8 den von der Ort8gruppe Frank-
ſjurt a. M. herauSsgegebenen Lehrplänen auf Grund der neuen
Richtlinien auswärt3 entgegengebracht wurde, veranlaßt zu eini-
gen Bemerkungen, nicht um die Pläne vor einem weiteren Kreiſe
zu rechtſertigen, jondern um kurz darzulegen, was wir in erſter
Linie uns als Zwe> ſeßten; denn al8 wir an die Arbeit heran-
traten und auch im Verlauf derſelben dachten wir zunächſt nicht
daran, mit unſeren Plänen vor eine weitere Öffentlichkeit zv
treten. Auch) der Dru?) war anfänglich nicht beabſihtigt. Ge-
wiſje Zufälligkeiten haben es mit ſich gebracht, daß wir an
den Druc herantraten, und weitere von uns unabhängige
Zufälligkeiten verſchafften unſerer Arbeit einiges Intereſſe außer-
halb Frankfurts. Dieſem Intereſſe ſind wir die folgenden Aus-
führungen ſchuldig, damit unſere Pläne der richtigen Einſtellung
bei der Kritik begegnen.
Zunächſt was wir wollten. Wir wollten an die geſchicht-
liche Bedeutung Frankfurts für die Vereinheitlichung des höheren
Schulweſens anknüpfen und für die höheren Schulen unſerer
Stadt eine möglichſt weitgehende einheitlihe Grundlage für
den Unterricht ſ naſialen Anſtalten geſchaffen hatte, eine Zuſammenfaſſung der
unteren und mittleren Stufen, das ſollte auch nach anderer
1) Die Pläne erſchienen bei M. Dieſterweg, Frankfurt a. M..
152 S., 1,80 Mk. | in

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.