euiſchesPhilologenß

Korreſpondenzxblatt für den akademiſch gebildeken Lehrerſtand
- --ferausgegeden vonStudienratDrA. Hoofe in berlin SI



Zum ſiebzigſten Geburtstag Paul Mellmanns.
In der geſamten deutſ mand ſo allgemein bekannt und allgemein beliebt wie der erſte
Vorſitzende des Deutſchen Philologenverbandes, Geheimer Stu-
dienrat Dr. Mellmann. Von den großen Tagungen des Deuts-
ſchen und des Preußiſchen Philologenverbandes in Kaſſel, Jena,
Hilde3heim, Würzburg, Göttingen und zuleßt in Heidelberg
iſt er allen Teilnehmern in lebendiger Erinnerung. Aber keiner
hat ihm angemerkt, daß er ſich der Schwelle des Alter3 nähert.
Am 20. Dezember vollendet dex Jugendfriſche ſein ſiebzigſjtes
Leben3jahr. Da werden die vielen, die ihn ſchäßen, gern mit
ihren Gedanken einmal bei ihm verweilen und ſich ein Bild von
ihm machen, der ſeit der Begründung des Deutſchen Philologen-
verbande8 im Jahre 1919 an deſſen Svite ſteht.
Mellmann gehört zu den Führern, die an dem Aufſtieg der
Philologen zu einem den höheren Beamten mit akademiſcher
Vorbildung ebenbürtigen Stande mit aller Kraft gearbeitet
haben. In dem Kampf um entſprechende AuSgeſtaltung der
ganzen Laufbahn, um Angleichung der Beſoldung und der Amts-
bezeihnung, um Beſeitigung entgegenſtehender Rechtsübungen
und Schaffung von Recht3ordnungen, wie fie für das gefjamte
höhere Beamtentum in Geltung ſind, hat er als langjähriger
Vorſitzender der Preußiſchen Delegiertenkonferenzen in erſter
Reihe geſtanden. Dadurc< hat er das allgemeine Anſehen ge-
wonnen, da3 er jeßt beſit. Er gehört nicht zu denen, die fich
um die eine oder andere der vielfältigen Einzelfragen, um die
es ſich in dem großen Kampf gehandelt hat, beſonders bemüht
und dadurch die gemeinſame Sache gefördert haben. Er hat ihr
vor allem dadurch gedient, daß er in Verhandlungen von Perſon
zu Berſon ſeine ganze Rerſönlichkeit eingeſezt und dadurc< auf
die Überzeugung anderer gewirkt hat. Er iſt eine geborene Führer-
natur, hat den Bli> ſtet3 auf das Ganze gerichtet, ſieht jede
. Einzelfrage im Rahmen des Ganzen und bringt für ihre Be-
handlung den unfehlbaren Sinn für das Weſentliche mit. Für
das al38 Recht Erkannte tritt er mit unbeugſamer Entſchloſjjen-
heit, einem Freimut und einer Mannbhaftigkeit ein, die ihn auch
jehr hochmögenden Herren gegenüber nie verlaſſen haben. In
jenen bewegten Zeiten, als in Preußen die Gleichſtellung der
Oberlehrer mit den Richtern als eine Neuerung galt, die mit
dem feſten Gefüge der preußiſchen Behördenorganijation ganz
unverträglich ſei, mußte er als Vertreter der preußiſchen Philo-
logenſc ſehr harte Worte hören. Da fand er das kühne Wort: „Herr
Miniſterialdirektor, Sie ſind Weſtfale, und Sie ſind ſehr grob
geworden. I bejondere Hochſchäßzung des mächtigen Manne3. Später handelte
e3 ſicß darum, den Anwärtern der Philologenſchaft Amtsbezeich-
nungen zu ſchaffen, die jie für jedermann als dem Referendar
und Aſſeſſor “in den“ anderen “ 'Verwaltungs8zweigen“ 'gleichſtehend
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Leipzig, den 16. Dezember 1925

33. Zahrgang
kennzeichneten =- eben jene Bezeichnungen, die un3 heute ſelbjt-
verſtändlich erſcheinen. Das Verlangen ſtieß bei der Regierung
auf den hartnäigſten Widerſtand, wurde aber von der Philo-
logenſchaft mit derſelben Entſchiedenheit aufrechterhalten. Dem
gab Mellmann im entſcheidenden Augenbli> den glüclichſten
Ausdruck. Al3 der Kultu3miniſter von Trott zu Solz die For-
derung, die Anwärter der Philologenlaufbahn ſollten die Amts8-
bezeichnungen „„Studienreferendar“ und „Studienaſſejjor“ er-
halten, mit dem Wort zurücwies8: „Niemals, ſolange ich Mi-
niſter bin“, da antwortete Mellmann: „Exzellenz, jo werden
wir eben warten.“ Freilich hat man nicht gehört, daß dieſe feſte
Antwort dem Miniſter ſonderlich gefallen habe. Auc< nach der
Staat3umwälzung iſt Mellmann mit derſelben rükhaltlojen Ent-
ſ ſhaft und die LebenSintereſſen der höheren Sc Seine mannhafte Art hat bei den neuen Männern Anerkennung
und Würdigung gefunden. Al38 dex Kampf um das Alter3-
grenzengeſeß im Gange war, bedeutete ihm der Miniſter für
Wiſſenſchaft, Kunſt und Volks8bildung Haeniſ<, man wäre gern
bereit, ihn al8 unabkömmlich im Amt zu belaſſen. Doch Mell-
mann antwortete, ihm fomme e3 auf die Sache und das Recht,
nicht auf ſeine Perſon an.
Mellmann ſtammt aus dem evangeliſchen Pfarrhaus zu
Böhle in Weſtfalen. Von ſeinen Vorfahren her lebt etwas von
dem unbeugſamen Sinn des freien, auf eigenem Grunde ſiehen-
den weſtfäliſ; geben. „I< bin Weſtfale“, kann man ihn öſters8 ſagen hören.
Er freut ſich der Zugehörigkeit zu dieſem kernigen deutſchen
Stamme und teilt ſeine zuweilen etwa38 derbe und genußſrohe
Art. Daß. Mellmann einen guten Trunk liebt und gern mit
Trohen fröhlich iſt, weiß ieder, der ihn fennt, und mancher
weiß auch, wie ſtürmiſch und ſchlagend er in ſeinen Freund-
ſchaft8bezeugungen fein fann. Aber der Kern von allem iſt doch
ſeine tapfere Art, da38 Leben zu führen. Wo er die an anderen
gewahrt, fühlt er ſich innerlich verwandt. Al3 er einmal auf
Konrad Haeniſch zu ſprechen kam und ſchilderte, wie der, ſeiner
ſozialdemofratiſchen Geſinnung wegen ſchon als Primaner mit
ſeiner Familie zerfallen, ſehr früh ganz auf ſich ſelbſt geſtellt,
ſich kümmerlich habe durchſchlagen müſſen, um ſich nur jelber
tren zu bleiben, da leuchtete helle Freude über das tapfere
Menſchentum des Manne3 aus3 ſeinen Augen. |
Mellmann iſt ein Meiſter in der Leitung großer Verſamms-
lungen. Er woiß das Wort zu finden, das bei allen Widerhall
weckt. Er weiß die Herzen zu gewinnen. Das hat die Heidel-
berger Tagung erſt jüngſt wieder bewieſen. Die Tagung ſollte
und wollte ein Weckruf ſein für das Deutſchtum im Innern des
Reichs und in Deutſchöſterreich, für das Grenzdeutſ für da3 Auslanddeutſchtum. Der Gedanke der Schiclſäal8verbunden-
"heit aller, die“ der deutſchen Kulturgemeinſchaft zugehören, ſollte

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