die letzte Gebetwoche in Mentone.
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Stellung, unter schweren äußern und innern Kämpfen wohl oft das heiße Be
dürfnis nach einem fafbaren Bande der Gemeinschaft mit ihren fernen Glaubens
brüdern empfanden, die aber gerade durch ihre Mifsionsarbeit, in ihrem Missions
leben, in Berührung mit Missionaren der verschiedenen Zweige der Evangelischen
Kirche, auch erkennen gelernt hatten, daß es trotz aller Verschiedenheit der Doktrinen
einen gewaltigen Einigungspunkt in derselben gäbe, einen Anker, der sie alle
halte, das sei Jesus Christus. Gottes eingeborner Sohn, der einige Mittler
zwischen den sündigen Menschen und dem heiligen Gott, und die Bibel als
wahrhaftiges unumstößliches Gotteswort, als alleinige Quelle der göttlichen
Offenbarungen. Diese Erkenntnis regte den Wunsch in jenen Missionaren an,
alle evangelischen Christen der Erde einmal wenigstens im Jahre vereinigt zu
sehen in gemeinsamer Anbetung und Fürbitte, zu gemeinsamem Dank und Preis
für das, was der Herr an einzelnen und an der ganzen Christenheit gethan. So
ließen sie zuerst, wie die zivilisierten Weißen Europas, eine Aufforderung, sich in
der ersten Woche des neuen Jahres täglich zu einer Gebetsandacht zu ver
sammeln, in der bestimmt vorgezeichnete Punkte in Form kurzer Ansprachen,
passender Lieder und Bibelstellen, hauptsächlich aber in Gebeten vor den Herrn
gebracht wurden, an die evangelischen Christen in England ergehen. Der Ge
danke wurde dort freudig aufgenommen und fand von Jahr zu Jahr mehr
Anklang und mehr Anhang, so daß jetzt eine Teilnahme in folgenden Ländern
bekannt ist: England, Schottland, Irland, Indien, verschiedenen Teilen Amerikas,
einigen Inseln Australiens. Schweiz. Nord-Deutschland, West-Deutschland,
Italien, Frankreich rc.
Und hat es nicht in Wahrheit etwas Erhebendes, ist es nicht ein Vorschmack
jener seligen Zeit, wo wir sein werden „eine Heerde und ein Hirte", wenn
an denselben Tagen die evangelischen Christen aller Zungen, aller Zonen, die
einfachen Neger Afrikas wie die schlauen Indianer Amerikas, die listigen
Australneger sich einigen in denselben Gebeten, denselben Lobpreisungen und
Fürbitten! Vielleicht ist der Eindruck hier ein größerer, wo diese wunderbare
Natur, dieses entzückende Klima so viele Fremde herbeilockt, wo Russen und
Italiener, Schweden und Franzosen, Dänen, Engländer, Deutsche und Schweizer
nebeneinander wohnen und oft durch Gottes Gnaden ihre Gesundheit wieder
finden. Ich kann wenigstens von mir selbst bezeugen, daß es mir äußerst wohl
thuend war, mich in dieser Gebetswoche Seite an Seite knieend zu sehen mit
lieben Bekannten der Episcopal Church und Presbyterians, der Free Church of
Scotland wie der Eglise libre de la Saisse, der Chiesa Valdese wie der Chiesa
libera in Italien, mit deutsch und französisch Reformierten, mit Lutheranern und
Unierten. Wußte ich doch, Alle, die hier vor dem Angesicht des Allmächtigen
sich mit mir beugen, suchen allein in Jesu Christo, dem Gottes- und Marien
sohn, dem für unsre Sünden in den Tod gegangenen, jetzt aber zur Rechten
des Vaters thronenden Erlöser ihr Heil, ihre Stütze im Leben, ihren Halt im
Sterben. Sei es mir nun noch gestattet, für die, welche nicht von dieser Gebets
woche gehört, die Themata der einzelnen Tage anzuführen und kurz zu erzählen,
wie sie hier behandelt wurden. Sonntag den 7. wurde die Gebetswoche in
einer kurzen Abendandacht in französischer Sprache eingeleitet, in der der Herr
gebeten wurde, durch den heiligen Geist die Zusammenkünfte zu erleuchten, zu

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