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Amanda Prüfer, die letzte Gebetwoche in Mentone.
weihen. Montag den 8. war Vereinigung in der französischen Kirche, fran
zösische Choräle wurden gesungen, der französische Prediger leitete die Versamm
lung, er knüpfte an die Verlesung des 103. Psalmes ein köstliches Gebet über das
Thema des Tages: „Dank für die Segnungen des verfloßnen Jahres, seien es
leibliche oder geistige, individuelle oder allgemeine." Verschiedene Geistliche oder
auch Laien folgten dann in französischer, deutscher oder englischer Sprache in
kurzen Erzählungen und Gebeten, für Erweckungen, Neubelebungen, Gründung
von Enthaltsamkeitsvereinen an Orten, wo Wirtshausbesuch und Trunksucht
alles sittliche und religiöse Leben untergraben hatten, Lob und Dank zu sagen.
Einen besondern Eindruck machte das Gebet eines vielleicht 19jährigen Jüng
lings von der Insel Jersey, der fast jubilierend pries, wie in seiner Heimat er
und viele andere durch eines treuen Geistlichen Wort und Vorbild den Heiland
gefunden und wie jetzt ihr heißes Sehnen sei, ihr ganzes Leben dem Herrn zu
weihen. Dienstag den 9. war die Versammlung wiederum in der französischen
Kirche, wurde aber von dem englischen Geistlichen. Nev. Canon Woodroffe
geleitet, Lieder in englischer Sprache. Thema: „Demütigung, Bekenntnis
unsrer Sünden, Erkenntnis der gerechten Strafen Gottes." Auch hier wurden
die englischen Gebete durch mächtig packende französische und deutsche, durch
einzelne tief ergreifende Erzählungen unterbrochen. Mittwoch den 10. ward
die Andacht in der deutschen Kirche, unter Vorsitz des deutschen Pastors
gehalten, herrliche deutsche Choräle (leider im schleppenden Tempo) ge
sungen. Thema war: die Familie. Jugend und Kindheit, Schulen, Univer
sitäten, Sonntagsschulen, religiöse Erziehung. Leider hatte heftiger Sturm und
Regen viele vom Kirchenbesuch abgehalten, so daß an diesem Tage nur ein
englisches Gebet die deutschen außerordentlich klaren, tüchtigen Auseinander
setzungen unterbrach. Donnerstag den 11. wiederum in der französischen Kirche
unter Vorsitz des schottischen Geistlichen, wo englische Hymnen gesungen wurden.
Er sprach über „die christliche Kirche, die Gaben des heiligen Geistes, Wachsen
im Glauben, in der Liebe und Hoffnung." In innigen Worten ward in fran
zösischen und englischen Gebeten der Kranken und Betrübten gedacht, und wie
der Glaube an den Heiland allein imstande sei, sie zu geduldigem, demütigem
Ausharren zu befähigen. Freitag den 12. in der französischen Kirche französische
Lieder, die Versammlung geleitet von einem Holländer, aber in französischer
Sprache. Man sprach über die „verschiedenen Nationen, die Missionen unter
den Heiden, die verschiedenen evangelischen Gesellschaften, innere Mission", und
konnten einige Anwesende, besonders auch ein englischer Doktor, der lange in
Indien Militärarzt gewesen, ebensowohl ergreifende als erfreuliche Berichte
über Heilsbedürfnis und Heilsbereitschaft unter den verschiedenen Völkern geben,
so daß wohl alle Hörer zu dem Schluß kamen: Es ist viel Verderben, viel Ab
fall in der Welt, sowohl hier unter uns in der evangelischen Christenheit als
draußen unter den Heiden, doch würde das Wort am Kreuz weit schnellere
mächtigere Wurzel schlagen, sich weit gewaltiger verbreiten, wenn wir Kenner
desselben wären. Gstt helfe uns allen dazu Er segne dazu auch diese Woche
der Gebetsvereinigung in der ganzen Christenheit, segne sie besonders auch für
unser liebes Deutschland- Amanda Prüfer-

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